Als Jeep 2013 den Cherokee der Modellreihe KL einführte, schlugen nicht nur die Puristen die Hände über den Kopf zusammen. Vor allem die Front mit den sehr schmalen Scheinwerfern polarisierte. Jetzt haben die Amerikaner das Rad der Zeit etwas zurückgedreht und das Antlitz gefälliger gestaltet. Der Jeep Cherokee hat jetzt LED-Scheinwerfer, die nicht mehr ganz so aggressiv in die Gegend blitzen und von hinten erkennt man die Modellpflege-Variante an dem Nummernschild, das nun weiter oben an der Heckklappe und nicht mehr an der Stoßstange angebracht ist.

Entert man die Fahrgastzelle, fallen die Änderungen noch mehr ins Auge. Der Innenraum wirkt aufgeräumt und die Verarbeitung ist zwar nicht "Weltklasse", wie Produktmanager Fabio Carli sagt, aber durchaus solide. Das Armaturenbrett ist zum Teil mit Leder überspannt, bietet unterschäumte Flächen und auch Hartplastik - etwa im Bereich der Bedienelemente für die Klimaanlage. Das Thema aufgeräumt zieht sich durch das ganze Interieur: Es stehen jetzt mehr Ablagen zur Verfügung, in denen man allerlei Krimskrams verstauen kann.

Beim Infotainment hat sich auch etwas getan: Die vierte Generation des UConnect-Systems wird einen Digital Native zwar nicht gerade aus den Schuhen hauen, aber es erfüllt seine Aufgabe vernünftig. Die Bedienung ist eingängig, gibt keine großen Rätsel auf und der Touchscreen ist kapazitiv. Das ist sehr von Vorteil, da der Monitor mit 8,4 Zoll keine Kinogröße hat und die Trefferflächen der Tasten nicht die größten sind. Immerhin stellt das Einbinden des Smartphones via Apple CarPlay oder Android Auto kein Problem dar.

Einige Assistenzsysteme

Jeep verkündet stolz, dass der Kofferraum gewachsen ist: von ehemals 412 Liter in der Basiskonfiguration mit komplett nach hinten geschobener Rückbank auf nun 448 Liter, bis zu aktuell 1.555 Liter (bisher 1.267 Liter), wenn die Lehnen der Fondsitze umgelegt sind. Dann entsteht eine ebene leicht ansteigende Ladefläche mit einer SUV-typisch recht hohen Ladekante. Allerdings ist die Raum-Opulenz nicht im ganzen Auto zu genießen. Auf der Rückbank sitzt man eindeutig zu hoch und jenseits der 1,85 Meter Körpergröße kommt man dem Dachhimmel des Jeeps bedrohlich nahe.

Bei den Assistenzsystemen braucht sich der Jeep Cherokee des Modelljahres 2019 nicht zu verstecken: Toter Winkelassistent, Spurhalte-Helfer mit Lenkeingriffen, Notbremsassistent, der auch Menschen erkennt und ein adaptiver Tempomat sind unter anderem zu haben. Dabei erledigt der adaptive Tempomat seine Aufgabe ziemlich geschmeidig und steigt bei der Annäherung an andere Verkehrsteilnehmer nicht rustikal in die Eisen.

Wehe, wenn schlechte Straßen kommen

Und auch der 2.2 Liter Turbodiesel hat mit 143 kW / 190 PS eigentlich genug Schmalz, um mit dem knapp zwei Tonnen schweren SUV locker klarzukommen. Die Fahrleistungen lesen sich auch ganz ansprechend: Nach 9,3 Sekunden erreicht der Jeep Landstraßentempo und ist bis zu 200 km/h schnell. Doch die Neungangautomatik raubt den Motoren nach wie vor Temperament und macht das Vorankommen gefühlt ziemlich zäh. Gibt man dem Aggregat die Sporen, quittiert es dieses Ansinnen mit knurrigem Aufjaulen. Immerhin ist der Norm-Durchschnittsverbrauch mit 6,9 l/100 Kilometer in Ordnung.

Solange die Straßen im guten Zustand sind, geht es auch bequem voran, doch sobald der Untergrund größere Risse oder gar Schlaglöcher aufweist, ist es mit der Feder-Dämpfer-Seligkeit schlagartig vorbei. Dann agiert das Fahrwerk unharmonisch und der Jeep nimmt diese Unbill polternd zur Kenntnis. Der Allradantrieb ist natürlich ein großes Plus, wenn um Traktion und um Geländegängigkeit geht. Gerade in dieser Disziplin wird die Trailhawk-Version, die nächstes Jahr erscheint, den Konkurrenten das Fürchten lehren.

Das Motorenangebot ist überschaubar: Zunächst setzen die Amerikaner auf den 2.2 Multijet Diesel. Zum Marktstart im September kommt der Cherokee mit dem 143 kW / 195 PS -Motor und später ergänzt die 110 kW / 150 PS-Variante das Angebot. Allerdings wird der schwächere Selbstzünder nur mit der Sechsgangschaltung zu haben sein, wer will, kann auch auf den Allradantrieb verzichten. Anfang nächsten Jahres wird ein Benziner 199 kW / 270 PS die Motorenpalette vervollständigen. Mit einem Einstiegspreis von 41.500 Euro ist der Jeep Cherokee kein Preistreiber. Ein BMW X3 mit dem 190-PS-Diesel kostet mindestens 47.600 Euro.