| von Stefan Grundhoff

Als Extra kann man diese neue Technologie dem Kunden nicht verkaufen; das weiß auch David Labrosse, oberster Produktmanager des Hyundai-Konzerns in Europa. Denn der Kunde spürt vom elektrohydraulischen angesteuerten Kupplungspedal fast nichts - außer er hat einen sehr feinen linken Fuß. Eingeführt wird das neue Kupplungspedal in Modellen wie dem Hyundai i30 oder dem Kia Ceed. Optisch ist nichts zu erkennen, denn wie bisher gibt es drei Pedale im Fußraum. Bei Kia wird mit dem System zunächst der 136-PS-Diesel des 4,31 Meter langen Ceed 1.6 CRDi iMT ausgestattet. Einkuppeln, Gang einlegen und es geht los. Wer am Steuer genau aufpasst merkt, dass das Kupplungspedal sich etwas leichter als gewohnt treten lässt und der altbekannte Druckpunkt kaum spürbar ist.

Daher ist es unbeachtlich, ob man früh einkuppelt, eher spät oder das Pedal träge schleifen lässt. Der Gang flutscht herein, wie man es kennt und der größte Unterschied zu anderen Modellen ist eher das 48-Volt-Bordnetz inklusiv Startergenerator, das den 1,6 Liter großen Commonraildiesel deutlich sanfter als man es kennt wieder in den Dienst treten lässt. Das einzige, was der Fahrer neben dem allzu künstlichen Kupplungsgefühl spüren kann, ist die Segelfunktion.

Gerade bei mittleren Geschwindigkeiten auf der Autobahn oder Landstraßen kuppelt der Motor sanft und nicht spürbar aus, wenn der Fahrer vom Gas geht. Tritt er wieder stärker aufs Gaspedal kuppelt das elektrohydraulische System wieder nahezu unmerklich ein, ohne dass der Fahrer das Kupplungspedal nur berührt.

Diese Segelfunktion ist gerade für größere Fahrzeuge mit leistungsstärkeren Motoren nichts wirklich Neues, war jedoch obligatorisch an ein automatisiertes Getriebe wie einen Wandlerautomat oder ein modernes Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt. Bei Kia und Hyundai gibt es diese Technik, die einen einstelligen Prozentsatz an Kraftstoff einsparen kann, ab Herbst nunmehr erstmals in Großserie. "Natürlich wird der Anteil der automatisierten Getriebe weltweit und auch in Europa größer", so David Labrosse, "doch gerade für kleinere Fahrzeuge bleibt das ein Kostenthema. Daher ist es gerade für Modelle wie den Kia Ceed oder den Rio wichtig, eine günstige Alternative zu haben." Andere Modelle bei Hyundai und Kia sollen folgen.

Sparsamer Diesel mit 48 Volt

Das gilt nicht nur für ein größeres Fahrzeugportfolio auf den weltweiten Märkten, auf denen Handschaltungen auch in Zukunft eine Rolle spielen können, sondern auch Zukunftstechnologien. Gerade in teilautomatisierten Fahrmodi wäre man dann zum Beispiel bei einem Stauassistenten nicht auf ein automatisiertes Getriebe angewiesen, sondern könnte iMT nutzen. Wenn man die Kupplung elektrohydraulisch ansteuert, wären auch weitere Szenarien denkbar wie das Fahren mit Handschaltung komplett ohne ein Kupplungspedal oder eine rein elektrische Ansteuerung der Gangwechsel, wie dies bei vielen Fahrzeugen mittlerweile bei der Lenkung der Fall ist. Das würde zusätzliche Energie und Gewicht einsparen.

Beim 100 kW / 136 PS starken Kia Ceed 1.6 CRD iMT ist davon bei der Fahrt wenig zu spüren. An die leichtgängige und etwas gefühllose Kupplung hat man sich schnell gewöhnt. Ansonsten fährt der Ceed so, wie man es von einem modernen Kompaktklassemodell erwartet. Der Diesel zieht kraftvoll durch ohne dabei spektakulär Bäume auszureißen oder an der Vorderachse zu zerren. Das Geräuschniveau ist in jedem Fahrtempo gering, das Fahrwerk ausgewogen und man ist mit dem Starter-Generator des Mild-Hybrid-Systems mit seiner Zusatzleistung von 10 kW, die aus einer 10-Ah-Lithium-Ionen-Batterie gespeist wird, flott und überaus komfortabel unterwegs.

Dafür sorgt nicht zuletzt das maximale Drehmoment von 326 Nm und die gute Handschaltung, die man jedoch nicht künstlich zu hart rannehmen sollte. Denn wer wie in einem Sportwagen die Gänge in dem 1,4 Tonnen schweren Fronttriebler übereilig durchschaltet, verspielt den möglichen Verbrauchsvorteil von immerhin drei Prozent und bringt die Sechsgang-Handschaltung an ihre Trägheitsgrenzen. Der Normverbrauch des Kia Ceed 1.6 CRDi soll nach dem WLTP-Zyklus bei 4,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer liegen.

Damit liegt er auf dem Niveau des identisch motorisierten Fahrzeugs mit seinem siebenstufigem Doppelkupplungsgetriebe, das dann jedoch nicht bei 24.457 Euro startet, sondern mindestens 26.260 Euro kostet. Und dem ein oder anderen kommt es vielleicht nicht auf die 1.800 Euro Mehrpreis an; er schaltet jedoch einfach gern. Gespart wird beim Verbrauch dann trotzdem. Immerhin etwas. Und das elektrohydraulische Kupplungspedal scheint nur der Einstieg in neue Technologien zu sein.

Der Eintrag "freemium_overlay_form_apr" existiert leider nicht.