| von Jürgen Wolff

Von Größe und Optik sieht der 4.605 mm lange Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid aus wie ein ganz gewöhnlicher Kombi der GT-Line. Nur wer genau hinschaut, der bemerkt vielleicht, dass der Kühlergrill geschlossen ist - der Benziner bekommt genügend Luft über Einlässe im Unterboden. Auch innen: ganz ein Ceed. Platz vorne reichlich, hinten klassenüblich, ordentliche Materialien und Verarbeitung, (fast immer) übersichtliche und einfache Bedienung. Wer sich die Basisdaten ansieht, der sieht allerdings schnell, wo der Kombi seinen Tribut an den Elektroantrieb leisten musste: Die Kapazität des Laderaums - nicht ganz unwichtig bei einem Kombi - sank von 625 Liter (1.695 bei umgeklappter Rückbank) auf 437 Liter (1.506 Liter). Das liegt daran, dass ein Teil des Akkus unter dem Kofferraumboden seinen Platz fand - dort ist beim Verbrenner zusätzlicher Stauraum. Ein weiterer Teil des Akkus liegt unter der Rückbank.

Angetrieben wird Kias Hybrid-Kombi von zwei Motoren und über die Vorderräder. Basis ist dabei ein 105 PS / 77 kW starker 1,6 Liter-Saugbenziner. Der wird unterstützt von einem bis zu 60,5 PS / 44,5 kW starken Elektromotor. Beides kommt zusammen auf eine Systemleistung von 141 PS / 104 kW und ein maximales Drehmoment von 265 Nm ab 1.000 Umdrehungen. Laut Kia soll der 8,9 kWh große Lithium-Ionen-Polymer-Akku für eine rein elektrische Reichweite von bis zu 60 Kilometern gut sein. Bei unserem fast komplett elektrischen kleinen Ausflug kam das auch gut hin. Insgesamt gibt Kia einen Normverbrauch von 1,1 Litern Benzin und 9,3 kW Strom auf 100 Kilometer an - das entspricht einem CO2-Ausstoß von 28 g/km. Rein elektrisch soll der Kia Ceed Sportswagon Plug-in-Hybrid bis zu 120 km/h schaffen. Arbeiten beide Motoren zusammen, sind laut Kia maximal 195 km/h drin. Den Spurt von null auf 100 km/h schafft der Ceed SW Hybrid in 10,8 Sekunden.

Die Technik dahinter kommt aus dem Konzernregal. Der Kia Niro Plug-in-Hybrid läuft bereits damit und der Konzern-Bruder Hyundai Ioniq. Als nächstes soll sie den Crossover Kia XCeed antreiben. Nicht ganz unwichtig: Der Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid ist eines der wenigen Hybridmodelle in dem Bereich, das auch als Zugfahrzeug zugelassen ist - für bis zu 1.300 Kilogramm (gebremst).

Start bei knapp 35.000 Euro

Aufgeladen wird der Akku des Ceed SW Plug-in-Hybrid an einer haushaltsüblichen Schuko-Steckdose binnen fünf Stunden und nach Vorstellung der Kia-Ingenieure ohnehin über Nacht. Da er mit leerem Akku immer noch problemlos als Verbrenner unterwegs sei, entfalle das Argument, ihn unterwegs schnell nachladen zu müssen, um nicht liegen zu bleiben. Eine Schnelllademöglichkeit sei deshalb gar nicht erst vorgesehen, da sie nur Geld und zusätzliches Gewicht für die Kühlung brauche. Immerhin lässt sich der Akku an besonders abgesicherten 3,3 kWh-Steckdosen (Typ 2) auch schneller auf 100 Prozent laden - in 2:45 Stunden.

Vor dem Fahrer liegt im Ceed Plug-in-Hybrid ein hochauflösendes digitales Cockpit, auf dem sich auch der Einsatz des Elektromotors gut ablesen lässt. Auf der Mitte des Cockpits thront ein bis zu 10,25 Zoll messendes, freistehendes Display für Navigation & Co. Gestartet wird im reinen Elektromodus. Zumindest in der Stadt und auf Landstraßen lässt sich damit gut klar kommen - wer es nicht mit kräftigen Zwischenspurts darauf anlegt, der wird die meisten seiner Alltagsstrecken schaffen, ohne einen einzigen Tropfen Benzin zu verbrauchen. Sobald der Fahrer Leistung verlangt oder schneller als mit 120 km/h unterwegs ist, schaltet sich zwar ruckelfrei aber gut hörbar der Benzinmotor zu. Es gibt im Hybrid-Ceed ein paar zusätzliche Knöpfe neben dem Automatikhebel. Etwa, um den rein elektrischen Fahrbetrieb auch unterwegs einzuschalten - leider liegen diese Knöpfe gut versteckt hinter dem rechten Oberschenkel. Der Fahrkomfort ist wie vom Kia Ceed SW gewohnt: Präzise Lenkung, ruppig polternde Hinterachse, sanft schaltendes Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Stufen, helle LED-Scheinwerfer, diverse Assistenzsysteme zum Beispiel.

Starten soll Kias kompakter Hybrid-Kombi, wenn er ab dem 7. März 2020 beim Händler steht, ab 34.990 Euro. Minus der entsprechenden Elektroprämie liegt er dann unter 30.000 Euro. Ein ähnlich starker Kia Ceed Sportswagon kommt als Benziner auf gut über 23.000 Euro (1.4 T-GDI mit 140 PS) und als Diesel auf knapp 27.000 Euro (1.6 CRDi mit 136 PS). Der Kia E-Soul als reines Elektroauto ist mit einer Reichweite von 276 Kilometer und 136 PS für 34.000 und mit 204 PS sowie einer Reichweite von 450 Kilometern ab 38.000 Euro zu haben. Der Kompakt-SUV Kia Niro steht mit Plug-in-Hybrid und der gleichen Motorkombination wie der Kombi-Ceed ab 33.990 Euro in der Preisliste. Die Garantie ist mit sieben Jahren Kia-üblich üppig.

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