Jeden heimischen Winter zieht es Dirk Salomon aus seiner Berliner Heimat an die Südspitze des afrikanischen Kontinents. "Ich bin vor einem Jahrzehnt eher durch Zufall nach Südafrika gekommen", leitet Dirk Salomon, Geschäftsführer des Classicdepots in Berlin, ein, "ich bekam die Flugtickets vom einem Freund geschenkt und habe mich in die Region verguckt." Doch während Salomon sein Geld in Berlin seit 15 Jahren mit der Vermietung von Autoklassikern verdient, musste er während seiner winterlichen Südafrika-Aufenthalte immer wieder auf charakterlose Mietkarossen zurückgreifen. Ihm ging es nicht besser als den zahlreichen Touristen, die Traumstraßen wie Chapman’s Peak, Garden Route oder zum Cap Algulhas Urlaubstag für Urlaubstag mit einem Billigmobil aus zumeist asiatischer Massenproduktion erleben. Das sollte sich mit einer klassischen Autovermietung ändern. Nach zwei Jahren Behördenkram gab es schließlich eine permanente Aufenthaltsgenehmigung und der Weg für eine südafrikanische Außenstelle des Classicdepots war frei.

"Die Touristen geben ein Heidenheld für ihren Urlaub aus und suchen sich die schönsten Straßen der Welt aus. Und dann hocken sie in einem stillosen Mietwagen wie einem Chevrolet Matiz oder einem Hyundai i10", wundert sich der Berliner bis heute. In der europäischen Sommersaison vermietet Dirk Salomon seine 50 automobilen Klassiker aus dem Berliner Meilenwerk an Privatleute, Filmgesellschaften und Hochzeitsgesellschaften. "Doch die Saison ist bei uns einfach zu kurz. Da geht nur etwas von April bis September, vielleicht Oktober", lächelt Salomon und blinzelt aus dem Sidewalk Café im Stadtteil Devil‘s Peak auf den Hafen von Kapstadt herunter, "ich gehe am Wochenende wieder zurück nach Berlin. Die neue Saison in der Heimat muss vorbereitet werden." Seit Ende vergangenen Jahres lebt Dirk Salomon in seinem ganz persönlichen Wintertraum hier am Kap irgendwo zwischen Urlaub und Arbeit. Ganz nebenbei hat er seine Außenstelle mit zunächst acht klassischen Mietfahrzeugen angeschoben. "Ich bin gerade erst gestartet. Zu meinen Mietwagen hier am Kap gehören gehören unter anderem ein MG B, zwei Mercedes S-Klassen, ein Jaguar 420 und gerade habe ich noch eine Citroen DS gekauft. Die wollte ich schon immer", strahlt der Berliner Geschäftsmann mit der afrikanischen Mittagssonne um die Wette. Das Wetter passt und so ist der Klassikfan mit einem schwarzen Mercedes 450 SL heute Mittag hier hinaufgekommen, um die letzten Tage im südafrikanischen Winter zu genießen. Die Saison ist bald vorbei.

"Kurzfristig wird kaum etwas gebucht", erzählt er und nimmt einen großen Schluck von seinem Cappuccino, "meist sind es Urlauber aus Europa, die einen der Klassiker ein paar Tage oder auch eine Woche buchen. Die ideale Ergänzung zum Geschäft in Berlin." Im Vergleich zur Berliner Zentrale des Classicdepots sind die Preis in Kapstadt deutlich günstiger. Ein historischer VW Bully oder ein betagter Mercedes 280 S der Baureihe W 116 liegen unweit des Kaps bei rund 180 Euro am Tag; das Wochenende kostet je nach Modell rund 320 Euro - Versicherung und Kilometer inklusive. Historische Fahrzeuge zu mieten ist in der Kap-Region dabei keinesfalls neu. Doch normalerweise lassen sich die Touren durch die Weinberge nordöstlich von Kapstadt, nach Camps Bay oder Hermanus nur mit einem Chauffeur am Klassiksteuer erledigen. Salomon gibt seine Klassiker dagegen bedenkenlos in Mieterhände - auch weil sich die Fahrzeuge nicht unbedingt in einem optischen Sammlerzustand befinden. Dafür ist die Technik so solide, dass es trotz großer Hitze und schlechter Straßen nur allzu selten zu Ausfällen kommt.

Der Fuhrpark selbst stammt komplett aus Südafrika. "Die Einfuhrzölle sind einfach zu hoch, um etwas aus Deutschland zu importieren und Rechtslenker für den hiesigen Verkehr sind sowieso ein Vorteil. Die meisten Ersatzteile muss man jedoch ins Land bringen. Dafür sind die Werkstätten hier gut und günstig. Die bekommen alles wieder hin", ergänzt der Berliner Geschäftsmann. Im nächsten Winter kommt er wieder nach Kapstadt und verlängert dann seine Saison über den Oktober hinaus. Dann will er auch wieder auf Autosuche gehen. Insbesondere ein VW Käfer Cabrio und ein Sunbeam stehen bei Dirk Salomon auf der Einkaufsliste.