Die Liste der Vorurteile über Lada sind fast genauso lang, wie der russische Fluss Don. Die Bandbreite reicht von "zusammengedengelte Blechkisten" bis hin zu "rustikal und unverwüstlich". Ersteres traf definitiv auf so manches Modell aus den späten 1970ern zu, Letzteres auf den Lada 4x4 / Niva. Die Geländewagen sind bei Förstern nach wie vor beliebt, aber mit dieser Berufsgruppe alleine, lässt sich nicht viel Geld verdienen und seitdem der Lada-Mutterkonzern AutoVAZ zu Renault-Nissan-Gruppe gehört, sollen massentauglichere Pkws für Umsätze sorgen. Unlängst läutete die Stufenheck-Limousine Lada Vesta Offensive, ein die Kunden vom Fiat Tipo weglocken soll. Da aber die Deutschen diese Karosserieform den Händlern wohl kaum aus den Händen reißen werden, legt der russische Autobauer jetzt den Vesta Kombi nach. Später soll der Vesta Cross, die SUV-Fans überzeugen.

Seitdem Renault-Nissan das Steuer bei AutoVAZ in der Hand hat, sind die Veränderungen unübersehbar. Das Design ist deutlich frischer als bei den barocken Modellen, die bisher aus Russland den Weg nach Deutschland fanden. Das beherrschende Motto beim Design des Vesta Kombi ist ein "X", das sich auch im Kühlergrill wiederfindet. Stolz verweist Lada Deutschland darauf, dass die Türen vergleichsweise satt ins Schloss fallen - das tun sie tatsächlich. Der Innenraum entspricht farblich nicht unbedingt einer Sommerblumenwiese und unterschäumte Flächen sucht man ebenfalls vergebens, immerhin hat die Qualität hat im Vergleich zu früheren Tagen spürbar zugelegt, den Renault-Nissan Standards sei Dank, wie man bei Lada freimütig eingesteht. Dazu vermitteln genarbte Oberflächen etwas Gemütlichkeit.

Mithilfe der längs- und höhenverstellbaren Lenkradsäule findet sich auch schnell eine gute Sitzposition. Allerdings ist die Beinauflage zu kurz und der Seitenhalt kaum der Rede wert. Aber mit einem Lada Vesta Kombi räubert man ohnehin nicht durch die Kurven. Die Stärken des 1.310 Kilogramm schweren Kombis liegen im komfortablen Vorankommen. Dem entspricht auch die Fahrwerksabstimmung, aufgrund derer sich die Karosserie in Kurven merklich neigt, aber die auch Bodenunebenheiten ziemlich verlässlich schluckt. Der 1.6 Liter Motor mit seinen 78 kW / 106 PS ist ein alter Bekannter, der sich aufgrund der nicht gerade übermäßigen Dämmung auch gerne mal zu Wort meldet, vor allem, wenn es in die höheren Drehzahlbereiche geht, ein sechster Gang würde dem gesamten Paket gut tun. Hält man sich mit dem rechten Fuß zurück, tut das auch der Motor akustisch. Ein Wildfang ist das Vierzylinder-Triebwerk ohnehin nicht. Aber man kommt vernünftig voran und muss auf der Autobahn nicht fürchten von Lkws rechts überholt zu werden. Nach 12,4 Sekunden ist die 100 km/h-Marke geknackt, bei 180 km/h ist Schluss und der Norm-Verbrauch beläuft sich auf 6,9 l/100 km. Immerhin erreicht Lada laut eigenem Bekunden ohne großes Aufhebens die aktuelle Abgasnorm.

Anleihen bei Renault-Nissan unübersehbar

Platz ist im 4,41 Meter langen Lada Vesta Kombi grundsätzlich vorne und hinten genug vorhanden - vor allem, was die Beinfreiheit angeht. Bei der Kopffreiheit wird es für großgewachsene Personen jenseits der 1,90 Meter etwas enger, aber noch nicht bedrohlich. Der Kofferraum hat ein Volumen von 480 Litern, das sind 70 Liter weniger, als beim Konkurrenten, dem Fiat Tipo Kombi. Dennoch bringt man sein Gepäck noch unter, das muss aber über eine hohe Ladekante gewuchtet werden. Dafür schwingt die Ladeklappe so weit auf, dass man auch mit 1,85 Metern bequem darunter stehen kann.

Bei der Ausstattung hat Lada ebenfalls den rustikalen Ostblock-Charme abgelegt und bietet Annehmlichkeiten, wie eine Klimaanlage (Klimaautomatik optional), eine Rückfahrkamera (optional), einen Tempomaten, ein gekühltes Handschuhfach, ein Audiosystem inklusive Freisprechanlage und einen USB-Anschluss. Der Preis für die Basisversion beträgt 12.990. Zum Vergleich: Der Fiat Tipo Kombi kostet 15.990 Euro und hat unter anderem eine Klimaanlage und ein MP3-Radio serienmäßig. Unterboten wird der Lada Vesta Kombi aber vom Dacia Duster, der bereits ab 11.290 Euro zu haben ist. Mit dem Lada lassen sich auch lange Strecken von 1.870 Kilometern zurücklegen, die entspricht der des Flusses Don, der übrigens im Asowschen Meer mündet.