Der Orkan im Rücken des Fahrers wütet unbarmherzig. Bam, bam, bam, das Trommelfeuer der Verbrennungsexplosionen, deren gasförmige Rückstände durch die Dreiecks-Auspuffanlage herausgepresst werden, knallt den Passagieren auf die Ohren. Jetzt Hochschalten via Schaltwippe. Klack und nochmals klack. Blitzschnell schnalzt das ISR-Getriebe die nächste Fahrstufe herein. Unbeirrt stürmt der Stier mit der Kraft von jetzt 544 kW / 740 PS voran. Die mächtigen 355er-Walzen an der Hinterachse fressen sich in den Asphalt und tun ihr Möglichstes, die unbändige Kraft des Zwölfzylinders auf den Boden zu bringen. Hinten schwillt die Geräuschkulisse analog zur Drehzahl an. Grollend, tobend, vollmundig schreiend und die Luft gierig in die zwölf Brennräume inhalierend, verrichtet der frei atmende 6,5-Liter Zwölfender sein Werk.

Rein in die Kurve. Der 1.575 Kilogramm schwere Bulle tänzelt um die Ecke, wie man es vom Vorgänger nicht kannte, der Richtungswechsel eher schwerfällig vollzogen hat. Das Geheimnis liegt in der Hinterachslenkung, die bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h bis zu drei Grad gegen den Lenkeinschlag und ab dieser Geschwindigkeit die Vorderräder unterstützt. Das hilft bei schnellen Spurwechseln auf der Autobahn. "Damit verkürzen wir den Radstand virtuell um 50 Zentimeter beziehungsweise verlängern ihn um 70 Zentimeter"; sagt Dennis Schmitz, verantwortlich für die Fahrzeuggesamt-Entwicklung bei Lamborghini.

Damit entsprechen die Italiener einem Kundenwunsch. Die Fahrer des Aventador ohne S hatten nämlich genau diese Trägheit beklagt. Mit diesem Technikdetail ist die neu gewonnene Agilität aber nicht erklärt: die verbesserte Aerodynamik trägt ihren Teil dazu bei. Die neu gestaltete Frontschürze erhöht den Anpressdruck der Vorderachse um 130 Prozent, was dem Einlenkverhalten zugutekommt. Der ausfahrbare Heckspoiler passt sich in drei Stufen der Fahrsituation an und der der Allradantrieb favorisiert die Hinterachse. Garniert wird das Ganze noch durch ein aktives Torque Vectoring. Damit ist die Untersteuerneigung weitgehend eliminiert, doch bei aller gewonnenen Agilität, wird der Aventador S nie in Kurventänzer, wie der kleine Bruder Huracan. Die harte Hand, mit der der Murcielago noch geführt werden wollte, gehört der Vergangenheit an. Auch dieser Lamborghini ist für die ganze Welt gemacht und deswegen deutlich einfacher zu fahren.

Mehr Dampf

Da die Wünsche der Kunden bei dieser Modellüberarbeitung eine große Rolle gespielt haben, gibt es jetzt auch einen individuell konfigurierbaren Fahrmodus. Der heißt, passend zur extrovertierten Lamborghini-Formensprache, "Ego". Interessanterweise lässt die Sport-Einstellung dem Heck die größten Freiheiten, wogegen "Corsa" (Rennstrecke) am schnellsten ist. Bei "Strada" (Straße) ist der Aventador S mit wenig Temperament unterwegs. Auch wenn die Schaltvorgänge des automatisierten ISR-Schaltgetriebes jetzt etwas reibungsloser ablaufen, von einer entspannten Geschmeidigkeit ist das Fortkommen im urbanen Bereich auch im Aventador S weit entfernt, Ruckeln ist an der Tagesordnung. Kommt noch Unübersichtlichkeit des 4,80 Meter langen Super-Sportwagens dazu, bleibt es dabei: Dieser Lamborghini ist nicht für die Stadt gemacht, sondern für Rennstrecken und Landstraßen.

Immerhin bringt das Facelift weitere Verbesserungen: Das maximale Drehmoment wächst auf 690 Newtonmeter an, die bei 5.500 U/min parat stehen. Das resultiert in einem explosiven Sprintvermögen: nach 2,9 Sekunden ist das Landstraßentempo erreicht, nach 8,8 Sekunden 200 km/h und nach 24,2 Sekunden fällt die 300 km/h-Marke. Bei 350 km/h ist Schluss. Freiwillig. "Der Aventador S könnte schneller sein, aber das würde die Reifen zu sehr beanspruchen", erklärt Dennis Schmitz die Selbstbeschränkung. Der Durchschnittsverbrauch pendelt sich dank der nach wie vor vorhandenen Zylinderabschaltung bei 16,9 l/100 km ein. Dann bliebe nur noch eine Kleinigkeit zu klären, der Preis: Der Aventador S ist in Deutschland ab 335.050 Euro zu haben. Was dann negativ aufstößt, ist die Tatsache, dass man einen Audi Schlüssel dafür bekommt. Da sollte Lamborghini nachbessern.