| von Wolfgang Gomoll

Das Requiem auf den bewährten Sedan ist schon gesungen. Als Ford und GM das Ende der Produktion einiger Stufenheckmodelle verkündeten, packten nicht wenige schon die Grabschaufeln aus. "Die 20er Jahre gehören den SUVs", lautete der Tenor. Doch die Glaskugelleser waren eventuell etwas voreilig, denn die klassische Stufenheck-Limousine könnte eine Renaissance feiern.

Ein Wiederbelebungselixier könnte die Elektromobilität sein. Luftwiderstand und Gewicht schlagen sich auf die Reichweite nieder. Und da bieten die hochstelzigen SUVs und Crossover in der Regel eine schlechte Kombination. Eine Limousine, sei es mit Stufen- oder Fließheck, schneidet da besser ab. Dazu kommen noch ganz menschliche Gründe: Ausgerechnet GM-Chefdesigner Michael Simcoe ließ gegenüber dem Internet-Portal "GM Authority" durchblicken, dass die Sedans seiner Ansicht nach noch lange nicht zum Alteisen gehören, trotz des Trends zu den rustikal-brachialen Crossovern. Der Grund ist für den obersten GM-Formengeber die Ästhetik. "Letztendlich wollen die Menschen ein schickes Auto, um das sie ihre Nachbarn beneiden", so Simcoe weiter.

Diese Aussage wird unterstützt durch eine Untersuchung des großen US-Autoberatungsportals "Edmunds", nach der 42 Prozent der Fahrer, die einen Ford Focus oder eine Chevrolet Cruze (beide werden eingestellt) besitzen, sich als nächstes Auto keinen SUV kaufen, sondern sich nach Konkurrenzprodukten ihres ursprünglichen Autos, wie dem Toyota Camry oder dem Honda Accord umschauen. Gerade diese beiden Fahrzeuge haben nach wie vor ihre Fans. Allein vom Toyota Camry wurden im letzten Jahr in den USA 336.978 Einheiten verkauft, vom Honda Accord waren es immerhin noch 267.567 Stück. Keine Zahlen, die man einfach so durch die Bilanz rutschen lässt. Natürlich sind die SUVs nach wie vor mit großem Abstand die Nummer eins, aber auch hier zeichnet sich ein Trend zur tieferen Sitzposition ab, der durch die "CUVs" (Crossover Utility Vehicle) manifestiert wird.

In China nach wie vor gefragt

Dann ist da noch die normative Kraft des Faktischen: In den USA wurden im vergangenen Jahr gut 17 Millionen Autos verkauft, etwa fünf Millionen davon waren Limousinen. Das sind bei weitem nicht die prächtigen Zahlen des letzten Jahrhunderts, als die berühmten Straßenkreuzer das Straßenbild zwischen New York und Los Angeles beherrschten. Auch wenn es manche Amerikaner anders sehen, sie sind nicht allein auf der Welt und nicht mehr das Autoland Nummer eins. Das ist mittlerweile China mit einem Gesamtvolumen von 24.464.235 Einheiten (inklusive leichter Nutzfahrzeuge). Und auch hier spielen die klassischen Pkws nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Rolle. Schließlich verbinden viele Chinesen mit einer repräsentativen möglichst großen Limousine nach wie vor einen gewissen Status.

Im letzten Jahr hat VW allein in China 1,6 Millionen kompakte Limousinen verkauft: Modelle wie der SAIC-Volkswagen Santana, der FAW-Volkswagen Sagitar oder der neue Jetta VA3 sind im Reich der Mitte gefragt. Der Toyota Camry legte in China im vergangenen Jahr um mehr als 20.000 Einheiten zu und fand in China 2019 genau 185.245 Käufer, der Honda Accord schnitt sogar noch besser ab, legte um fast 50.000 Verkäufe zu und schaffte insgesamt 223.706. Die Zahlen der beiden japanischen Fahrzeuge beziehen sich auf lokal produzierte Autos. Dann gibt es noch Länder wie Indien und Brasilien, die momentan eine Auto-Schwächephase durchmachen, aber schlafende Riesen sind, in denen nach wie vor ein Limousinen-Klientel vorhanden ist. Auch in Süd- und Ost- Europa gibt es durchaus noch andere Geschmäcker als die deutsche SUV- und Kombi-Zuneigung. Dem trägt auch Skoda Rechnung, wo man nach dem Octavia Combi auch eine Limousine auf den Markt bringt.