Der Ort könnte für eine Automesse nicht besser gewählt sein: Los Angeles, mitten in der Millionenmetropole unweit des Stapels Center gelegen, wo die Basketballteams von Lakers und Clippers ihre Heimspiele austragen. Unweit der Statue der Basketball-Legende Earvin Magic Johnson pilgern im Spätherbst die Autofans in das Convention Center. Wie jedes Jahr steht die Los Angeles Autoshow international betrachtet im Schatten der großen europäischen Herbstmessen wie dem Pariser Autosalon und vor allem der IAA. Doch Los Angeles wäre nicht Los Angeles, wenn nicht auch auf der Automesse Hollywood eine Rolle spielte. Nissan feiert die Star Wars Reihe mit Autos, die Fluggeräten, wie dem weltbekannten X Wing Fighter nachempfunden sind. Dazu hämmert aus Lautsprechern der passende Soundtrack und Laserkanonen bellen hochtönig, Weltraumschiffe rauschen vorbei und jeden Moment könnten Luke Skywalker und der sinistere Darth Vader ihre Laserschwerter zücken. Bei dem ganzen Special-Effekts-Spektakel geht der neue kompakte Crossover Nissan Kicks beinahe unter. "Oh, diese Farbe ist sicher was für Miami"; jauchzt eine Messebesucherin angesichts des bonbonorangenen Vehikels.

Orange ist scheinbar der aktuell angesagte Farbton bei den Autobauern: Auch der BMW i8 Roadster steht in einer ähnlichen Farbe auf der Messe. Innerhalb von 15 Sekunden verschwindet die Stoffmütze und das bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h. Die Systemleistung des Roadsters beträgt jetzt 275 kW / 374 PS. Dank einer 11,6 kWh-Batterie kommt der Zweisitzer rein elektrisch bis zu 53 km weit, erreicht nach 4,6 Sekunden Landstraßentempo und ist bis zu 250 km/h schnell. Der Normverbrauch soll bei 2,1 Litern liegen. Nicht für die Sonne, sondern für den Schnee ist das GMC Sierra All Mountain Concept gedacht. Hinter dem ausladenden Namen verbirgt sich nichts anderes, als ein mächtiger GMC Sierra 2500 HD Pickup, der sich mit Ketten statt Rädern durch den Schnee wühlt. Die Hauptattraktion der Kraxler-Fraktion ist allerdings der neue Jeep Wrangler, der für die Offroadmarke genauso sinngebend wie es der 911er für Porsche ist. Deswegen blieb auch das grundlegende Aussehen der Geländewagen-Ikone unangetastet, inklusive des Sechs-Streben-Kühlergrills, den runden LED-Frontscheinwerfer, rechteckigen Heckleuchten und natürlich jede Menge Geländegängigkeit mit einer Watttiefe von stattlichen 76,2 Zentimetern.

Edler und komfortabler ist man im Luxus-Kreuzer Range Rover SV Autobiography unterwegs, den es auch als Plug-in-Hybriden mit 297 kW / 404 PS Systemleistung und einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 51 Kilometern gibt. Der Brite ist nur in der Langversion und damit einer Beinfreiheit von 1,2 Metern erhältlich, da kommen fast Business-Class-Gefühle auch. Ganz anders geht es beim Jaguar XE SV Project 8 zur Sache: Die schnellste Serienlimousine der Welt hat dank 441 kW / 600 V8-PS auf der Nürburgring-Nordschleife eine Zeit von 7.21,23 Minuten in den Asphalt gebrannt. Diese Marke dürfte die Corvette ZR1 mit knackigen 563 kW / 765 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 338 km/h locker unterbieten. Die Amis sind so stolz auf ihren 6,2 Liter großen Achtzylinder-Hammer, dass sie gleich ein Rechteck in der Motorhaube frei gelassen haben. Apropos frei: Die Cabrio-Version der Über-Vette steht gleich daneben. Ebenfalls neu in Los Angeles: BMW M3 CS oder Porsche 718 Cayman / Boxster GTS für alle, die in der Freizeit auch einmal auf die Rennstrecke wollen. Erstmals auf einer Automesse zu sehen: das neue Tesla Model 3. Aber bitte nur anschauen - einsteigen streng verboten!

Kraftmeier aus den USA

Gediegener geht es beim neuen Mercedes CLS zu. Die dritte Generation des Luxus-Coupés soll keine S-Klasse für Emporkömmlinge sein, sondern mit seinem bullig-kernigen Auftritt ganz bewusst die sportlich-elegante Karte spielen. Nicht ganz so präsent tritt der Mazda 6 auf, dessen Facelift optisch dünn ausfällt. Der Innenraum wurde dagegen fast komplett überarbeitet und hat jetzt ein Head-Up-Display sowie einen Acht-Zoll-Bildschirm. Im Sommer 2018 wird das Flaggschiff des japanischen Autobauers in Deutschland zu haben sein. Beim Buick LaCrosse Avenir ist dagegen Luxus Trumpf. Die neue Submarke der GM-Tochter, Avenir, trägt einem Trend Rechnung, nachdem 90 Prozent der LaCrosse-Kunden sich für eine der beiden Top-Ausstattungslinien entscheiden. Der Lincoln Nautilus ist bis auf den an Kapitän Nemo erinnernden Namen letztendlich ein großes Update des SUVs MKK. Der Wechsel weg von den Buchstaben-Kürzeln ist vor allem dem chinesischen Markt geschuldet, wo Fords Edeltochter seit einigen Jahren aktiv ist. Der Nautilus hat den neuen einteiligen Kühlergrill flankiert von LED-Scheinwerfern, ein 12,3 Zoll Instrumenten-Display, Achtgangautomatik und nur noch Turbomotoren; darunter den 2.0 EcoBoost mit 245 PS. Der Subaru Ascent ist mit drei Sitzreihen das größte SUV des japanischen Autobauers. Mit einer Länge von 5,05 Metern ist das SUV auch optisch eine echte Erscheinung und ein schicker Nachfolger des B9 Tribeca. Vorerst bleibt der Familien-Crossover in Nordamerika.

Eine Nummer kleiner, aber mindestens genauso spannend ist der neue Infiniti QX50. Das SUV ist das erste Serienauto mit vollvariabler Verdichtung. Das 272 PS starke VCT-Triebwerk ist in der Lage immer genau jene Kompression zu generieren, die für den jeweiligen Fahrzustand gerade ideal ist - sei es höchst effizient oder besonders kraftvoll. Bei der Nissan-Tochter ist man überzeugt davon, dass dieser Kniff zum Techniktrend der nächsten Jahre wird, zumindest bei Verbrenner-Motoren. Ganz ohne einen mächtigen Pickup geht es in den USA natürlich nicht: Der Ford Raptor Supercrew hat eine besonders große Fahrgastzelle und bis zu 331 kW /450 PS. In diesem Trumm von Auto fühlt sich auch der 2,06 Meter Ex-Basketballstar Magic Johnson wohl. Kleiner und schicker der lässige Nissan Kicks, neben dem der europäische Juke wie eine Karikatur aussieht.