Die Europäer haben Kalifornien und die herbstliche Los Angeles Autoshow ins Herz geschlossen. Und weil im Großraum Los Angeles nicht nur in Albert Hammonds Evergreen „It never rains in southern California“ immer die Sonne scheint, hat die Gesandtschaft der europäischen Autohersteller trotz der vergleichsweise kühlen El-Nino-Temperaturen ein paar sonnige Spielzeuge mit nach Los Angeles gebracht. Die größte Aufmerksamkeit bekam dabei überraschenderweise Fiat, italienischer Ableger des interkontinentalen FCA-Konzerns. Die Norditaliener enthüllten auf der Autoshow im Herzen von Los Angeles den schmucken Zwillingsbruder vom erst jüngst auf dem Markt eingetroffenen Mazda MX-5. Ursprünglich als Alfa Romeo geplant und als Abarth-Version überdacht, feiert der offene Doppelsitzer nunmehr an der amerikanischen Westküste seine Weltpremiere. 1966 wurde der erste Fiat 124 Spider in Turin enthüllt; zwei Jahre später kam er in die USA und wurde insbesondere in Kalifornien zum Erfolg. Im Gegensatz zum Mazda MX-5 gibt es einen 140 PS starken Turbobenziner mit 1,4 Litern Hubraum; sonst bieten die beiden Spaßmacher das gleiche Suchtpotenzial.

Deutlich luxuriöser lässt es Mercedes mit der Neuauflage seines SL angehen. Der Luxusroadster, eine der wenigen echten deutschen Automobilikonen, wird weniger von der Konkurrenz, als vielmehr intern von S-Klasse Cabrio und dem AMG GT bedrängt. Die Modellpflege bringt ein aufgefrischtes Gesicht, ein vernetztes Navigationssystem und eine Reihe von neuen Assistenzsystemen. Das Motorenspektrum reicht vom erstarkten SL 400 mit 367 PS bis zum übermächtigen SL 600 mit seinem 630 PS starken V12-Triebwerk. Unter 100.000 Euro geht beim neuen Mercedes SL nichts. Auf dem Messestand steht nur fünf Meter weiter sein wohl härtester Konkurrent: das Mercedes S-Klasse Cabrio. Auf Wunsch mit bis zu 585 PS, Allradantrieb und mehr Alltagsnutzen.

Das Thema Dieselgate war insbesondere bei den deutschen Herstellern ein Thema. Verantwortliche vom Volkswagenkonzern statteten der Los Angeles Autoshow jedoch keinen Besuch ab und auch Dieselmodelle gab es kaum zu sehen. Anders bei General Motors. Selbstbewusster denn je bewarben die Amerikaner ihren Chevrolet Colorado Pick Up mit neu entwickeltem 2,8-Liter-Diesel-Aggregat. 135 kW / 182 PS stark soll er als Hecktriebler eine Reichweite von über 1.000 Kilometern haben und Lasten bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen können.

Ähnlich günstig, aber alles andere als zurückhaltender präsentiert sich der knapp 24.000 Euro teure VW Beetle Dune. Die Realisation der Konzeptstudie kommt als geschlossene und offene Version. Die beiden Modelle sollen an die oftmals knallgelben historischen Baja California Strandbuggys erinnern, die insbesondere in den 70er Jahren für Aufsehen sorgten. Der Beetle Dune bietet zwar keinen Allradantrieb; unterstreicht seinen leichten Offroad-Anspruchs jedoch durch sein rustikales Design und einen Hauch mehr Bodenfreiheit. Die Kombination aus Geländewagen und Cabriolet gibt es auch beim Range Rover Evoque. Der überaus erfolgreiche Brite ist erstmals auch als offene Cabriovariante zu bestaunen. Ob sich dieses Subsegment zu einer erfolgreichen Fahrzeugklasse aufschwingt, muss die Zukunft zeigen. Vorgängermodelle wie der offene Ford Bronco oder das Nissan Murano Cabrio waren eher Ladenhüter und wurden im Laufe der Jahre eingestellt. Der offene Evoque ist ein echter Hingucker, der mit bis zu 240 PS vier Personen lässig durch die Lande reisen lässt. Nach seiner Weltpremiere auf der Tokio Motorshow wird das neue Mini Cabrio am Pazifik erstmals einer größeren Fangemeinde gezeigt. Der kleine Viersitzer dürfte auch in seiner dritten Generation jede Menge Anhänger finden – insbesondere bei den kalifornischen Damen.

Natürlich geht auch in Los Angeles nichts ohne ein Großangebot an SUV und Geländewagen. So bekam der Mercedes GL eine gründliche Modellpflege und läuft nunmehr als neuer GLS im Kielwasser der erfolgreichen S-Klasse. Das Motorenspektrum des Siebensitzers aus Tuscaloosa ist weitgehend unverändert. Modifikationen gibt es an Front und Heck sowie im Cockpit. Ebenfalls neu: die Neungang-Automatik, die alle Versionen abgesehen vom GLS AMG 63 bekommen.

Der Mazda CX-9 soll zunächst nicht nach Europa kommen. Der komplett neu entwickelte Siebensitzer hat nicht nur Platz für bis zu sieben Personen, sondern ist das erste Fahrzeug der Japaner, das mit einem Skyactiv-Turbomotor ausgestattet ist. Der aufgeladene Vierzylinder mit 2,5 Litern Hubraum leistet 184 kW / 250 PS und ein maximales Drehmoment von 420 Nm. Mit seinem sehenswerten Design hätte der Allradler durchaus auch Chancen, auf dem europäischen Markt zu bestehen. Erst einmal soll es ab Anfang 2016 jedoch in den USA in den Verkauf gehen. Etwas kleiner fährt der Infiniti QX30 auf die kalifornische Showbühne. Nach dem Infiniti Q30 ist der Crossover des QX30 das zweite Zwillingsmodell mit Mercedes. Der QX30 entspricht abgesehen vom modifizierten Außendesign weitgehend dem Mercedes GLA. Das gilt auch für das Motorenspektrum mit Vierzylindern zwischen 107 und 208 PS. Optional gibt Allradantrieb und ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe.

Auch im Sonnenstaat Kalifornien gibt es einige Fahrzeuge für die breite Masse. So stellt Honda seinen neuen Civic, eines der meistverkauften Modelle der USA, vor. Von solchen Verkaufszahlen träumt auch der durch den Dieselskandal gebeutelte Volkswagenkonzern. Die Volkswagen haben US-Passat als Konkurrenz für Toyota Camry und Honda Accord überarbeitet.  Edel ausgestattet und eine feste Größe auf dem US-Markt: der Buick LaCrosse.

Mehr Laune macht der neue Porsche Cayman GT4 Clubsport. Mit seinem 385 PS starken Saug-Boxer hat der 132.000 Euro teure Clubsportler ab der kommenden Saison bereits die Rennstrecken dieser Welt im Blick. Die Warteliste der Kundenteams wird länger und länger. Das dürfte am Anfang bei der Neuauflage von Chevrolet Camaro und Camaro Cabriolet kaum anders sein. Kraftvolle Motoren mit vier, sechs und acht Zylindern bis zu 455 PS garantieren zusammen mit einer Gewichtsersparnis von fast 100 Kilogramm jede Menge Fahrspaß – zum fairen US-Preis. „Die Neugestaltung des Camaro ist spannend und anspruchsvoll zugleich. Das Geheimnis ist, das gewisse etwas mehr zu bieten“, so Mark Reuss, für die Produktentwicklung bei General Motors verantwortlich, „es geht für Camaro-Enthusiasten in erster Linie um Design und die entsprechende Performance.“

Wer es am Steuer sportlich, geräumig und etwas europäischer mag, kann sich vielleicht für die beiden Kraftprotze Audi S8 Plus und Audi RS7 Performance mit jeweils 605 PS erwärmen. Allradantrieb und über 300 km/h Höchstgeschwindigkeit sind serienmäßig an Bord.  Wenn es auch etwas sein darf, reicht den meisten sicher auch der neue Audi A4.

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Marcel Sommer / Stefan Grundhoff; press-inform