Auch wenn die neue Mercedes A-Klasse komplett neu entwickelt wurde, optisch gibt es deutliche Parallelen zum Vorgängermodell. Doch das gilt nur für das Außendesign und die Proportionen. Technisch blieb kein Stein auf dem anderen und mutiger denn je zeigt sich dabei das Cockpit. Das Bedienkonzept setzt Maßstäbe - nicht nur in der Kompaktklasse, denn dagegen sehen sogar die Vorzeigemodelle der E- und S-Klasse alt aus. Zunächst einmal bietet der Innenraum auf den ersten Blick deutliche Anleihen zu den größeren Brüdern der aktuellen E-Klasse. Das Cockpit wird dominiert von einem breiten Bildschirmmodul, das sich vom Fahrer bis weit in die Mittelkonsole zieht. Die Instrumente inklusiv Head-Up-Display sind animiert und weitgehend frei programmierbar.

Doch im Gegensatz zur Mercedes E- und der überarbeiteten S-Klasse gibt es erstmals eine Touchfunktion auf dem mittigen Teil des Bildschirms. Der zentrale Dreh-Drücksteller, der nie an die Intuität von BMW oder Audi heranreichte, ist Vergangenheit. Das Touchpad dürfte nur noch in einer Übergangszeit verfügbar sein, denn das neue Bediensystem MBUX setzt auf eine Mischung aus Sprache und Touchfunktionen an Lenkrad und Bildschirm. Die meisten Funktionen lassen sich mit dem Befehl "Hey Mercedes" bedienen. Einzigartig bei diesem System ist seine Lernfähigkeit dank künstlicher Intelligenz. MBUX ist individualisierbar und stellt sich auf den Nutzer ein. Zugleich sind Updates "over the air" möglich. "Neue Technologien müssen den Menschen in den Mittelpunkt stellen und sein Leben einfacher machen. Mit MBUX kombinieren wir deshalb intuitive und natürliche Bedienung mit intelligenter und lernender Software", sagt Ola Källenius, Mercedes-Entwicklungsvorstand. Erstmals wird bei einem Bediensystem auch indirekte Sprache erkannt, wenn der Nutzer zur Steuerung der Klimatisierung etwa sagt "Mir ist kalt" statt des eindeutigen Befehls "Temperatur auf 24 Grad".

Wer das System einmal im Fahrzeug ausprobiert hat, ist beeindruckt. So lassen sich via Sprache nicht nur Radiosender wechseln, die Innenraumklimatisierung ändern oder die Sitzheizung einstellen, sondern ohne bestimmte Befehle auch Informationen zu Restaurants, dem Wetter oder einem Navigationsziel bekommen. "Mit MBUX sind wir unserem Ziel, das Fahrzeug zum mobilen Assistenten zu machen, wieder einen großen Schritt näher gekommen", betont Sajjad Khan, Vice President Digital Vehicle & Mobility bei Daimler, "spektakulär und in der Automobilindustrie bislang einzigartig ist die Lernfähigkeit des Systems. Wir verwenden künstliche Intelligenz, um dem Nutzer auf Basis seiner Gewohnheiten individuelle Vorschläge zu machen. Der von uns dafür eingesetzte Algorithmus ist optimiert für die On-board-Nutzung im Fahrzeug und schöpft die Möglichkeiten der neuesten Chip-Generation aus."

Infiniti mischt mit

"Alle Motoren sind neu", erklärt Jochen Eck, Entwicklungsleiter der Mercedes A-Klasse, "wir haben zwei Benziner mit 1,3 und 2,0 Litern sowie zwei Diesel mit 1,5 und 2,0 Litern. Ich kann nicht für jede Schraube meine Hand ins Feuer legen, doch die A-Klasse ist komplett neu entwickelt. Wir haben keine Übernahmeteile." Zum Start im Frühjahr wird das neue Einsteigermodell zunächst nur mit Doppelkupplungsgetriebe zu bekommen sein. Handschalter wird es ebenso wie eine 400 PS starke AMG-Sportversion später geben. So viel Hightech und neue Funktionen die neuen A-Klasse auch bietet. Ein paar Patzer erlaubt man sich doch. So sind die Basismodelle mit betagter Halogen-Lichttechnik unterwegs und verzichten auf ein serienmäßiges Navigationssystem.

Aus den bisher fünf Modellen auf der Frontantriebsplattform werden ab diesem Frühling derer acht. So wird es wie bisher A-Klasse und den SUV namens GLA geben. Neben diesen beiden kommt mit dem GLB ein etwas kantigeres Allradmodell - auf Wunsch mit drei Sitzreihen, das zumindest entfernt die Gene der legendären Mercedes G-Klasse in die Kompakt- / Einstiegsmittelklasse bringen soll. Neben der flacheren und polarisierenden Coupévariante des viertürigen CLA soll Platz gemacht werden für eine A-Klasse Limousine, die insbesondere in China und den USA mit Preisen von umgerechnet unter 30.000 Euro Kunden der Non-Premium-Konkurrenz anlocken soll. Eine Handschaltung ist hier aufgrund fehlender Kundennachfrage gestrichen und die stärkeren Modelle bekommen ausschließlich den Allradantrieb 4matic. Wem das zu innovativ ist, der freut sich über die praktische B-Klasse mit Van-Charakter, die zukünftig optional ebenfalls mit drei Sitzreihen kommt und gegen die Konkurrenz aus Deutschland, Frankreich und Asien kämpfen soll. Um die Stückzahlen weiter zu erhöhen, wird es weitere Kooperationsmodelle mit Infiniti geben, die mit identischer Bodengruppe, Technik und Antrieb unterwegs sind und im neuen Werk in Mexiko vom Band laufen.