| von Stefan Grundhoff

Es ist nicht so, als hätte man der AMG A-Klasse bisher ein nennenswertes Leistungsdefizit bescheinigen können und es mag dahingestellt sein, ob ein Auto der Kompaktklasse 421 PS benötigt. Doch wer einmal mit dem stärksten Serienvierzylinder der Welt auf kurvigen Landstraßen unterwegs ist, wird keine einzelne der Pferdestärken missen wollen. Als die erste Generation der AMG-A-Klasse im März 2013 auf dem Genfer Automobilsalon ihre Premiere feierte, war das Ah und Oh groß, denn 360 PS aus einem zwei Liter großen Vierzylinder mit Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe, das war nicht nur in der deutschen Premiumkompaktklasse etwas Neues.

Und als ob die erste Generation ihre dicken Backen nicht schon dick genug aufgeblasen hätte, setzt jetzt der Nachfolger sechs Jahre später noch einen mächtigen Vitaminstoß obenauf. Das unverändert zwei Liter große Turbovierzylinder wurde komplett neu entwickelt und ist nunmehr obligatorisch an Achtgang-Doppelkupplung und einen variablen Allradantrieb gebunden. Jedoch verfügt die neue 4x4-Technik über ein neues Hinterachsgetriebe, das die Motorleistung schneller und deutlich effektvoller als bisher zwischen den beiden Hinterrädern verteilen kann. Wem das zu technisch ist, der soll einfach in die exzellenten Sportsitze eintauchen, den Starterknopf drücken und den Zügeln freien Lauf lassen.

Verfügt bereits die Basisversion des 4,45 Meter langen AMG A45 mit ihren 285 kW / 387 PS über jede Menge Dampf in allen Gassen, so wirft das Topmodell A45 S mit 310 kW / 421 PS und 500 Nm maximalem Drehmoment nochmals zwei schmackhafte Vitamindrops ein, die wie ein verbotener Impfstoff zu wirken scheinen. Die kräftigste aller A-Klassen ist nichts für schwache Gemüter und auch der dezente Auftritt ist ihre Stärke schon auf dem Parkplatz von Rewe oder Lidl nicht. Die knubbellige Wuchtbrumme ist ein Kraftprotz, der aus allen Lebenslagen nach vorne schiebt, als ginge es um alles oder nichts. Auf der Autobahn ist das sonor brummende Zylinderquartett selbst abseits der Sportmodi etwas nervig, denn es tönt allzu präsent. Bei flotter Gangart auf kurvigem Terrain stachelt einen das Getön dabei allzu munter an. Ein paar Kilometer auf den hügeligen Pisten im Nordwesten von Madrid werden da schnell zu einer ungewollten Wertungsprüfung auf den Spuren von Sebastien Loeb - ganz ohne Startnummer und Rennanzug.

Leistung im Überfluss

Daran, dass der Fahrspaß mit dem Fünftürer aus Affalterbach noch größer ist als beim Vorgänger, hat das neue, noch stärkere Triebwerk seinen nennenswerten Anteil. Noch imposanter präsentiert sich jedoch das Fahrwerk und das Hinterachsgetriebe mit getrennter Lamellenkupplung, das die Motorleistung gerade in engen Kehren spürbar variabel zwischen links und rechts verschiebt. Dabei ist dem über 1,6 Tonnen schweren Energiebündel seine bauartbedingte Frontantriebsgeneigtheit durchaus anzumerken und es dauert je nach Fahrmodus, Tempo und Kurvenradios einen winzigen Moment, wenn die Kraft sich nach hinten verteilt hat. Ist sie hier angekommen, wird es allerdings großartig, denn der AMG A45 fährt sich agil, hungrig und sportlich - es macht einen großartigen Spaß und daran ändert auch nichts, dass er spürbar kein Leichtgewicht ist. Doch die Leistung ist gewaltig, die Lenkung direkt, das Fahrwerk stramm und der Tatendrang riesig.

Wen interessiert, dass der Energieklops in spektakulären unter vier Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 feuert oder einen Normverbrauch von 8,3 Liter SuperPlus hat? Perfekt: die AMG-Techniker bremsen ihn erst bei 270 km/h ein - das passt. "Wir haben unsere 45er Modelle von Grund auf neu konzipiert - von Motor und Getriebe über Fahrwerk und dem aufwendig konstruierten Antriebsstrang bis hin zur Karosseriestruktur und natürlich dem Design - alles mit dem einen Ziel: Die Fahrdynamik und das sportliche Fahrerlebnis auf ein Niveau zu heben, das so bislang in der Kompaktklasse nicht vorstellbar war", erläutert AMG-Chef Tobias Moers.

Dass diese Vitaminbombe die Hightechausstattung nicht unter einem schlichten Blechkleid versteckt, ist keine Überraschung. Mit seinem Spoilerornat, den dicken Radhausbacken, 19-Zöllern und zwei doppelläufigen Endrohren mit jeweils 90 Millimetern Durchmesser ist Zurückhaltung neben dem wilden Sound seine Sache nicht. Den Kunden dürfte es prächtig gefallen. Der Preis für den Mercedes AMG A45 steht noch nicht fest; dürfte jedoch nennenswert über dem des AMG A35 liegen, der bei knapp unter 50.000 Euro startet. Das 421 PS starke Topmodell dürfte schnell die 60.000-Euro-Marke knacken.