Die Mercedes-AMG-Offensive ist im vollen Gange. Besonders im Visier: BMW. Um den Münchner Sportsmodell das Benzin abzugraben greift man auf voller Breite an. "Der C43 ist der Einstieg in die AMG-Welt", heißt es aus Affalterbach. Das ist angesichts von 270 kW / 367 PS, die mit einem Hubraum von drei Litern und sechs Töpfen auf alle vier Räder trommeln, eher ein Euphemismus. Im Visier des Kraftprotzes sind der BMW 440i, der es auf 240 kW / 326 PS bringt, aber nur auf Wunsch einen Allradantrieb hat.

Dieser grundlegende Konzeptionsunterschied wirkt sich auch auf die Fahreigenschaften aus. Wo der Münchner mit einem hyperaktiven Heck den ambitionierten Fahrer bei Laune hält, sorgt der AMG mit seinem Allradantrieb für ein entspannteres Vorankommen. Langeweile kommt trotzdem nicht auf, da auch der AMG-Einsteiger hecklastig ausgelegt ist und 69 Prozent der Antriebskraft nach hinten leitet. Allerdings ist der 1.735 Kilogramm schwere AMG beim Slalom durch das Traktions-Plus berechenbarer und damit ist es möglich, ohne Schnappatmung schnell zu sein. Damit das Coupé den Sportler geben kann, haben die Ingenieure an den beiden Achsen getüftelt, den negativen Sturz erhöht, Lager und Querlenker steifer ausgelegt und sich dabei auch vom großen Bruder C63 inspirieren lassen.

Damit reduziert sich auch die Wankneigung bei rapiden Richtungsänderungen deutlich. Mit dem Fahrprogrammen "Comfort”, "Sport" und "Sport Plus" kann der Fahrer den Boliden nach seinem Gusto scharf stellen. In der Dynamik-Variante verkürzen sich die Schaltzeiten deutlich, die Gasannahme wird unmittelbarer und die Schaltzeiten kürzer. Allerdings reagiert die Federung bei Sport Plus spürbar unnachgiebiger. Anders als bei den regulären Mercedes-Modellen kommt das Stahlfeder-Fahrwerk beim AMG C43 ohne eine Luftfederung aus.

Bollerndes Zwischengas

Trotzdem hat der Sternen-Sportler nicht ganz die Kompromisslosigkeit des Bayern. Das merkt man auch an der Lenkung, die zwar präzise ist, aber nicht im gewünschten Maße eine Rückmeldung über das Verhältnis von Traktion Reifen gibt. Kraft hat der Schwabenpfeil mehr als genug: Nach nur 4,7 Sekunden ist Landstraßen-Tempo erreicht und bei 250 km/h wirft die Elektronik den Anker. Das maximale Drehmoment von 520 Newtonmetern steht ab 2.000 U/min bereit und unterstützt im Zusammenspiel mit der Neungang-Automatik das unangestrengte Vorankommen. Der Normverbrauch von 7,8 Litern pro 100 Kilometer wird bei so viel Endorphin-Anreiz nur mit maximaler Selbstbeherrschung auch nur annährend erreicht. Das sind gute Nachrichten für alle AMG-Fans, da der Mercedes-Haustuner weitere C43 Modelle bringen will.

Ganz ohne sportliches Zwischenschnaufen geht es bei dem C-Klassen AMG auch nicht. Beim Zurückschalten gibt es das obligatorische Zwischengas-Bollern, das naturgemäß nicht ganz so krawallig, wie beim C63 ausfällt, aber immer noch für Akustik-Freude in der Fahrgastzelle sorgt. Im Innenraum erkennt schnell das typische C-Klasse-Interieur, das mit einigen Accessoires aus dem C63 Auch beim kleinen Bruder greifen die Hände das abgeflachte Lenkrad, ziehen an Alu-Schaltpaddeln und nehmen in bequemen Sportsitzen Platz.

Dass in der zweiten Reihe nicht allzu viel Platz für hoch aufgeschossene Mitteleuropäer ist, liegt in der Natur der Coupé-Sache. Mit einem Grundpreis von61.285 Euro ist das Mercedes-AMG C 43 kein Schnäppchen. Der Basis-BMW 440i mit Achtgang-Automatik kostet 51.750 Euro, beim Audi S 5 mit sind es 260 kW / 354 PS und 62.500 Euro.