Der anfängliche Widerspruch der Puristen, ein Coupé könne per se nur zweitürig sein, ist längst verstummt - Porsches Panamera etwa ist nichts anderes, der Audi A7 Sportback auch nicht und auch BMW hat mit dem 6er Grand Coupé vor fünf Jahren nachgezogen. Selbst Hyundai bietet seit diesem Jahr mit dem i30 Fastback ein viertüriges Coupé in der Kompaktklasse an. Der CLS jedenfalls hat alle Diskussionen gut überstanden und kommt jetzt in der dritten Generation auf den Markt.

Vom Design her ist der neue CLS glatter geworden. Runder, mit weniger Sicken und Linien. Vor allem an das etwas voluminös geratene Heck muss sich so mancher erst einmal gewöhnen. Immerhin haben die Retuschen dafür gesorgt, dass die Aerodynamik mit einem Cw-Wert von 0,26 und einer Stirnfläche von 2,31 m2 noch einen Tick besser geworden ist.

Optisch unterscheidet sich die AMG-Version des neuen CLS nur marginal von seinen "zivilen" Brüdern. Das Heck wird an der Abrißkante des Kofferraumdeckels von einer Spoilerlippe aus Karbon abgeschlossen, in der Heckschürze samt Diffusor-Einsatz stecken vier runde Endrohre, die Schwellerverkleidungen sind ausgeprägter, vorne im Grill spannt sich die AMG-Typische doppelte Chromspange.

Innen? Alles edel. Gebürstetes Aluminium, Sitze, die absolut Langstreckentauglich sind und von Massagefunktion bis zu unterstützenden Seitenwangen das Aufpreisheft füllen helfen und den Komfort mehren. Mitunter rutscht das Ambiente allerdings etwas in Richtung Kitsch - wenn etwa die beleuchteten Lüftungsdüsen durch die Lichtfarbe anzeigen, ob warme oder kalte Luft durch sie strömt. Platz ist zumindest vorne reichlich: Die Sitze lassen sich auch für größere Passagiere weit genug absenken, dass eine Handbreit Luftraum zwischen Kopf und Dachhimmel bleibt. Das Lenkrad ist elektrisch in Tiefe und Neigung verstellbar und liegt angenehm und griffig in der Hand. Hinten wird es eher etwas eng - obwohl Mercedes den neuen CLS gar als Fünfsitzer auspreist. Dank der coupébedingten Neigung des Daches wird es auch über den Köpfen schnell eng. Der Kofferraum ist leicht auf 500 Liter Kapazität gewachsen.

Der EQ-Boost gehört zum 48-Volt-Bordnetz

Gegen Aufpreis gibt es den CLS mit durchgehend digitalem Cockpit: Tacho, Drehzahlanzeige, große Navigationsanzeige - alles wirkt beim gestochen scharfen "Widescreen-Cockpit" wie ein einziger Bildschirm. Die Fülle der Daten die dort angezeigt werden können, ist mitunter allerdings eher verwirrend. Quer- und Längsbeschleunigung, Motordaten, das gerade anliegende Drehmoment, Reifendruck und -temperatur, wann der EQ-Generator mit einer Portion Extraschub nachhilft - es gibt kaum einen Messwert, der sich nicht anzeigen lässt. Wem das noch nicht genügt, der findet auch ein optionales Head-Up-Display in der Zubehörliste.

Basismotor ist beim AMG der neue Reihensechszylinder, der auch im CLS 450 steckt. Allerdings leistet der Dreiliter-Turbobenziner in der AMG-Variante 320 kW/435 PS statt 367 PS. Zusammen mit den 22 PS EQ-Boost kommt der CLS 53 also kurzzeitig auf eine maximale Gesamtleistung von 457 PS. Das maximale Drehmoment von 520 Nm liegt ab 1.800 U/min. an. Dank eines elektrischen Zusatzverdichters ist der Ladedruck sehr schnell aufgebaut - der CLS 53 rauscht also nach dem Gasgeben spontan und praktisch ohne Turboloch davon. Der EQ-Boost gehört zum 48-Volt-Bordnetz, packt Anlasser und Lichtmaschine in einem Elektromotor zusammen und ist zwischen Motor und Getriebe eingebaut.

Den satten Klang hört man innen kaum noch

Serienmäßig sorgt beim AMG CLS 53 der Vierradantrieb 4Matic+ dafür, dass die 435 PS auch effektiv auf der Straße ankommen. Die Vorderachse wird dabei über eine elektromechanische Kupplung je nach Bedarf versorgt. Die Fahrwerte des leer fast zwei Tonnen schweren und fünf Meter langen Coupés lesen sich wie bei einem sportlichen Zweisitzer: In 4,5 Sekunden ist er von 0 auf 100 km/h, bei 250 km/h wird abgeregelt. Gegen Aufpreis gibt es das AMG Driver's Package, mit dem dann 270 km/h drin sind. Offiziell gibt Mercedes den Durchschnittsverbrauch des AMG-Motors mit 8,7 Litern an - unter 12 Liter waren während unserer ersten Ausfahrt real allerdings selbst bei Einhaltung der spanischen Tempolimits und der Start-Stopp-Automatik nicht zu schaffen.

Über fünf Fahrprogramme kann der Fahrer Motor- und Schaltcharakteristik, Lenkung und Fahrwerk individuell einstellen. Selbst im Sportmodus bleibt der AMG 53 CLS mit seinem Luftfahrwerk allerdings immer ein komfortables Reiseauto, das selbst grobe Unebenheiten auf der Straße nicht an die Wirbelsäulen der Insassen durchreicht. Im Komfort-Modus gar wird der CLS auch in der AMG-Version beinahe zur Sänfte. Um Kurven zirkelt er ohne Macken und wie auf Schienen, Wankbewegungen sind kaum feststellbar. Auf der Autobahn braucht es wegen des exakten Geradeauslaufes kaum Lenkkorrekturen.

Die Lenkung selbst arbeitet präzise und mit kurzen Wegen, die neunstufige Automatik schaltet praktisch verzögerungsfrei und lässt sich auch durch griffige Paddel am Lenkrad auch manuell steuern. Ganze Arbeit geleistet haben die Ingenieure beim Thema Akustik. Innen hört man auch bei schneller Fahrt fast nichts und irgendwann vor allem das Abrollgeräusch der Reifen. Das ist insbesondere beim AMG schade. Denn den satten Klang es Motors und das Brabbeln im Zwischengas beim schnellen Herunterschalten hört man zumindest innen kaum noch - dabei ist gerade der Sound für viele AMG-Fans ein Hauptargument für den Kauf.

Auch das riesige und meist optionale Angebot an Assistenzsystemen macht aus dem AMG-Sportwagen einen komfortablen Gran Turismo. Nur ein Beispiel: die streckenbasierte Unterstützung. Die Geschwindigkeit wird dabei auf der Grundlage der Navigationskarten und diverser Sensoren in Kurven, vor Kreuzungen und Kreisverkehren automatisch angepasst. Das kann vor allem Anfangs ganz schön irritieren.

Über den Preis des Mercedes-AMG 53 CLS schweigen sich die Stuttgarter noch aus -die bisherige AMG-Version des CLS mit V8-Motor lag sehr deutlich über der 100.000 Euro-Marke. Der 6-Zylinder dürfte nun günstiger werden. Die neue CLS-Reihe beginnt mit 68.128 Euro für den 350 d 4Matic, der 400 d 4Matic wird 72.507 Euro kosten und den Benziner 450 4Matic gibt es ab 70.906 Euro.