Der BMW X6 als Coupébruder des X5 wurde am Anfang belächelt, es wurde der Kopf geschüttelt und es wurde geunkt. Doch kaum ein Auto im BMW-Konzern hat in der Mischung aus Verkaufszahlen, Entwicklung und Ertrag einen ähnlichen Erfolg wie der einst polarisierende Bayer aus Spartanburg. Auch die Premiumkonkurrenz von Audi und Mercedes schätzte die Absatzchancen des bayrisch-amerikanischen Crossover-Coupés völlig falsch ein und hatte viel zu lange keine Antwort auf das gigantische Kundeninteresse. Folge: BMW lachte sich ins Fäustchen. Die Münchner bringen nämlich Ende des Jahres bereits die zweite Generation des BMW X6 auf den Markt.

„Wir glauben, dass es für einen coupéhaftes SUV-Segment nicht nur in China einen Markt gibt“, erklärte Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber denn auch bei einem Roundtable-Gespräch auf der Automesse in China. Und verriet schon, dass das Fahrzeug mit Sicherheit im amerikanischen Tuscaloosa-Werk vom Band laufen wird. Die Haupt-Komponenten würden mit den dortigen M-Klasse-Modellen geteilt, so Weber. „Das Fahrzeug kommt noch auf der aktuellen Architektur des SUV-Baukastens“, sagte Weber.

Der in Peking gezeigte Hoffnungsträger trägt die Bezeichnung Concept Coupé SUV. Im Sommer 2015 soll der schicke Crossover zusammen mit der Modellpflege der Mercedes ML-Klasse auf den Markt kommen. Plattform ist der erfolgreiche ML, dem ähnlich wie dem BMW von der hauseigenen Designabteilung ein bulliges Coupéheck verpasst worden ist. Ähnlich wie beim Segmentvorbild und aktuellen Alleinunterhalter BMW X6 dürften schlappe Basismotoren mit vier Zylindern wie der des ML 250 Bluetec beim betont sportlich positionierten MLC außen vor bleiben. Der erste Messeauftritt des Mercedes MLC in China ist ebenso lange überfällig wie sehenswert. „Das Concept Coupé SUV besticht durch seine extremen Proportionen und interpretiert dabei perfekt unsere Mercedes-typische Coupé Formensprache“, sinniert Mercedes-Designchef Gorden Wagener, „mit seiner souveränen Sportlichkeit vermittelt es modernen Luxus und einen ästhetischen Anspruch der sinnlichen Klarheit.“

Das Heck mit schmalen LED-Leuchten und der verbindenden Reflektorlinie zeigt deutlich Anleihen zum jüngst vorgestellten Mercedes S-Klasse Coupé. Vorne gibt es LED-Scheinwerfer mit modernster Matrixtechnik. Auch bei den Blinkern hat Mercedes nach Ingolstadt geschaut, denn wie bei Audi A8 / R8 wischt der LED-Blinker in Fahrtrichtung nach außen. Ansonsten gibt es bekannte ML-Technik. Entwicklungsleiter Dr. Andreas Zygan: „Jede die Fahrdynamik beeinflussende Komponente wurde hinterfragt und im Sinne einer deutlichen Coupé-Differenzierung ausgelegt. Besonders Fahrwerk, Lenkung und Triebstrang und deren Vernetzung standen im Zentrum unserer Arbeiten.” Das Motorenprogramm wird die bekannten Sechs- und Achtzylinder umfassen. Das Messemodell in Peking verfügt über einen doppelt aufgeladenen Dreiliter-V6 mit 245 kW / 333 PS und 480 Nm Drehmoment, der wie das Serienmodell obligatorisch an Neungangautomatik, Allradanrieb und die Fahrwerksregelung Dynamic Select Control mit ihren vier Fahrprogrammen geknüpft ist. Zudem gibt es eine variable Luftfederung mit entsprechend aktiver Wankstabilisierung. Eine rund 600 PS starke AMG-Variante MLC 63 AMG kann sich dann ab Ende 2015 mit dem BMW X6 M beschäftigen.

Anzunehmen, dass der Mercedes MLC kein Einzeltäter bleiben wird. Audi hat sich längst für einen coupéhaften Q6 entschieden und auch in den Klasse darunter scheinen Coupés weiterhin hoch im Kurs zu stehen. Hier bringt BMW in den nächsten Wochen mit dem neuen X4 bereits eine Coupévariante vom X3. Mal sehen ob die Konkurrenz hier ebenfalls folgt.

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Bettina Mayer / Stefan Grundhoff