Limousinen mit langem Radstand gibt es weltweit bevorzugt in der Luxusklasse. BMW 7er, Mercedes S-Klasse, Audi A8 oder Jaguar XJ - sie alle sind auf vielen Märkten mit einem 12 bis 14 Zentimeter verlängerten Radstand zu erstehen. Viele Luxusmärkte sparen sich die Versionen mit dem Normalradstand längst ganz und es steht in den Sternen, wie lange die Aushängeschilder der Autofirmen überhaupt noch in der Standardversion entwickelt werden. Die einzige Nachfrage nach den Kurzmodellen gibt es im immer unbedeutender werdenden Europa.

In Asien sieht die Sache ganz anders aus, denn zusätzliche Länge und mehr Komfort im Fond gehen hier über alles. In China, längst dem wichtigsten Markt für Premiumfirmen, werden die Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse nicht nur lokal produziert, sondern zumeist auch nur in einer Langversion mit mehr Radstand und deutlich mehr Komfortausstattung im Fond angeboten. Mercedes bildet mit seiner C-Klasse da keine Ausnahme zu BMW 3er, Audi A4 oder Jaguar XE - sie alle gibt es in China mit einem Längenplus zwischen den Achsen. Das liegt anders als bei den größeren Modellen nicht daran, dass die Fahrzeuge Businesslimousinen mit entsprechendem Fahrer sind. Die 4,78 Meter lange Mercedes C-Klasse ist in China ein reines Familienauto und den Käufern kommen die acht Zentimeter zusätzlicher Radstand gerade recht, sind jedoch speziell am Wochenende Kind und Kegel durch die chinesischen Millionenmetropolen zu kutschieren. Die kurze Mercedes C-Klasse ist in China allein als sportliche AMG-Version verfügbar.

Optisch ist der Unterschied zwischen der Mercedes C-Klasse mit langen oder kurzem Radstand kaum zu erkennen. Wer allein die Flanke beäugt, dem fällt der auf 2,92 Meter verlängerte Radstand wohl nur als Experte auf, doch den Proportionen tut die Verlängerung durchaus gut. An der C-Säule gibt es ein Chromsignet und am Heckdeckel prangt hinter dem C-200 -Schriftzug nicht nur das charakteristische "L", sondern unterhalb des Kennzeichens noch ein chinesischer Schriftzug, der auf die Produktion beim Kooperationspartner Beijing Benz Automotive Co. verweist. Der Platzgewinn in der zweiten Reihe ist dagegen auf den ersten Blick sichtbar, wenngleich der Fond alles andere als opulent ist. Insbesondere die Kopffreiheit ist nur etwas für die kleineren Chinesen, denn für ein europäisches Gardemaß ist die Kopffreiheit zu klein.

Mit 156 PS geht es los

Wer wirklich bequem oder gar luxuriös reisen will, kommt daher um Mercedes S- oder zumindest die verlängerte E-Klasse mit entsprechend elektrischer Sitzverstellung und Bedienmodulen auf der ausklappbaren Mittelkonsole nicht herum. Doch wer in einem Mittelklassemodell die Füße ausstrecken will, wird mit der verlängerten C-Klasse gut bedient. Zudem gibt es die auch bei uns verfügbare Sitzheizung und Taster in der Türtafel, mit dem sich der Beifahrersitz elektrisch von hinten aus nach vorne fahren lässt. Deutlich besser als bei den Europa- oder Asienversionen sind die Fondkopfstützen, die sich besser Kopf und Kontur anpassen.

Der Kunde der langen C-Klasse greift selbst ins Steuer und darf trotz mehr Radstand keine souveräne Motorisierung erwarten. Das Einstiegsmodell des Mercedes C 180 L mit seinen 156 PS ist noch schwächer als das bereits blasse 200er-Modell (ab 390.000 RMB - ca. 51.000 Euro), dessen aufgeladener Vierzylinder immerhin 184 PS und 300 Nm maximales Drehmoment leistet. In einem Land, wo drakonische Strafen für nennenswerte Tempoüberschreitungen ausgesprochen werden, stört die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h kaum einen Kunden und niemand denkt daran, seine an sich 230 km/h schnelle Mittelklasselimousine auszufahren. Auf Wunsch ist der C 200 L zumindest noch mit Allradantrieb zu bekommen. Auf Wunsch gibt es im Mercedes C 200 L Rollos oder abgedunkelte Scheiben rundherum für die nötige Privatsphäre sowie eine getrennte Klimaregelung, Panoramadach und eine Sitzheizung. Serienmäßig gibt es an Bord neben Ledersitzen unter anderem LED-Scheinwerfer, das betagte Comand-Navigationssystem sowie eine WLan-Funkwabe, sodass im Fond mit Computer oder Tablet-PC gearbeitet werden kann.

Für den europäischen Markt sind die Mittel- und Oberklassemodelle mit langem Radstand aktuell nicht vorgesehen. Das liegt nicht nur an der lokalen China-Produktion, denn natürlich könnte eine Mercedes C-Klasse oder ein BMW 5er auch in Deutschland als Langversion vom Band laufen. Jedoch würden einige Kunden aus den höheren Segmenten dann aus Kostengründen ins niedrigere Segment wechseln. Jedoch verdient BMW an einem 5er mehr als einem 3er mit mehr Radstand und auch Audi verkauft einen A6 deutlich lieber als einen verlängerten A4. Der Trend zu Langversionen weitet sich immer mehr auch auf die weltweit so beliebten SUV und Crossover aus. Modelle wie den BMW X1 gibt es in China bereits mit verlängertem Radstand und Wettbewerber Audi stellte auf der Auto China in Peking jüngst eine Langversion des beliebten Q5 vor - mit rund acht Zentimetern mehr Radstand. Weitere Hersteller werden folgen.