Man fragt sich, wieso Mercedes seine beliebtesten Modelle derart unter Druck setzt. Der neue GLB dürfte für viele Kunden die interessantere Alternative zum GLC sein, die kommende Mercedes S-Klasse hat auf einigen Märkten mit dem EQ S einen überaus gefährlichen Gegner und dann ist da neben der A-Klasse Limousine noch der Kampf C-Klasse gegen CLA. Wer sich die neuen Modelle auf der Frontantriebsplattform anschaut und insbesondere wer diese einmal fährt, der dürfte nur wenig Kritik äußern können. Die Fahrwerke sind top, das Geräuschniveau bei einem Modell wie dem CLA beeindruckend gering und im Innenraum ist das moderne Bediensystem MBUX mit den zwei Flachbildschirmen deutlich schicker als das der C-Klasse. Schwere Zeiten für den großen Bruder und so gibt es nur den Grund, eine C-Klasse zu fahren, wenn man sich für einen der größeren Motoren mit sechs oder gar acht Zylindern entscheidet. Wer mit dem Basisportfolio aus Zweiliterdiesel oder entsprechendem Benziner unterwegs ist, ist mit dem CLA bestens und vor allem schicker denn je bedient.

Eine gute Wahl im breiten Motorenportfolio ist der CLA 250, am besten in der Kombination mit dem sinnvollen Allradantrieb 4matic. Zu blass erscheinen für ein derartiges Fahrzeug mit einer Länge von 4,69 Metern und einem Gewicht jenseits der 1,5 Tonnen die 180er-Einstiegsvarianten mit 116 bzw. 136 PS und selbst der 163 PS starke CLA 200 ist etwas wenig des Guten. So ist der 190 PS starke 220er oder noch besser der CLA 250 mit 165 kW / 224 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm eine gute Wahl unterhalb der nachfolgende AMG-Modelle 35 / 45. Der aufgeladene Zweiliter ist ein kraftvoller Motor, der gut am Gas hängt und den 250er CLA allemal sportlich beschleunigen kann. Einzig der Klang des Vierzylinders ist ein Makel, denn während er bei niedrigen Drehzahlen nur blass und emotionslos tönt, klingen die vier Brennkammern unter Last und höherem Drehzahlniveau angestrengt und alles andere als souverän. So gut die Geräuschdämmung von Fahrtwind und Radhäusern funktioniert; beim alles andere als sonor klingenden Triebwerk können auch Dämmstoffe nichts mehr ausgleichen.

Hier macht sich ein Unterschied zur nahezu identisch dimensionierten Mercedes C-Klasse bemerkbar. Hier ist der Vierzylinder besser gedämmt und wer sich den Klang des Zweiliter-Motors nicht zumuten will, kann zu größeren Motoren mit mehr Brennkammern greifen. Alles andere als enttäuschend sind beim CLA die Fahrleistungen. In der sinnvollen Allradvariante bekommt der mindestens 41.709 Euro teure Mercedes CLA 250 4matic die Kraft von 224 PS und 350 Nm bei 1.800 U/min Dank Doppelkupplungsgetriebe und variabler Kraftverteilung gut auf den Boden, während beim Fronttriebler einiges der Motorleistung auf dem Asphalt verpufft. Aus dem Stand beschleunigt der CLA in 6,3 Sekunden auf Tempo 100 und schafft problemlos 250 km/h. Der Normverbrauch gibt sich mit 6,5 Liter Super (149 g CO2) dabei überaus zurückhaltend.

Mercedes CLA 250 4matic - 165 kW / 224 PS und 350 Nm
Mercedes CLA 250 4matic - 165 kW / 224 PS und 350 Nm. Bild: Daimler

Viel Komfort - schwaches Basispaket

Zum sportlichen Anspruch des Mercedes CLA 250 4matic passt das gut abgestimmte Fahrwerk. Die Lenkung ist angenehm direkt, die Abstimmung von Federn und Dämpfern stramm, aber nicht unkomfortabel und die im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbreitere Spuren vorne wie hinten (63 / 55 mm) macht sich zusammen mit dem verlängerten Radstand angenehm bemerkbar, weil der CLA 250 deutlich später in den Grenzbereich kommt und höhere Kurventempi übertragen kann. Optional geht es hinauf bis auf 19 Zoll, wobei der CLA 250 4matic optisch allemal auch 20-Zöller vertragen könnte.

Den Innenraum kennt man bereits bestens von den anderen Mercedes-Modellen auf der Frontantriebsplattform wie A- oder B-Klasse. Die Sitze sind gut konturiert und erstmals gibt es auch in dieser Klasse Multikontursitze mit Massagefunktion und Klimatisierung. Überzeugen kann nach wie vor die Bildschirmeinheit. Sind die beiden Displays in den Basisvarianten mit zwei sieben Zoll bzw. einem 10,25 Zoll großen Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel modern, aber zu klein, kommt man um die Topversion mit zwei 10,25 Zoll großen Displays nicht herum. Mit dem bekannten Bediensystem MBUX lassen sich die Funktionen per Touch oder natürlicher Spracheingabe bedienen. So bequem man auf den vorderen Sitzen Platz nehmen kann; im Fond bietet der neue Mercedes CLA trotz eines Radstandes von 2,73 Metern (plus drei Zentimeter) nur ein begrenztes Angebot und groß gewachsene Insassen haben so nicht nur mit der niedrigen Dachlinie, sondern auch einem mittelprächtigen Beinraum zu arrangieren. Dass sich der Kofferraum im Vergleich zum Vorgänger um zehn Liter reduzierte, fällt nicht ins Gewicht. Stattdessen ist es deutlich angenehmer, dass sich die Laderaumöffnung um mehr als 25 Zentimeter verbreitert hat, was das Ein- und Ausladen sehr erleichtert. Jedoch könnte die Ladekante niedriger sein und der Kofferraum lässt sich nicht elektrisch öffnen und schließen.

So schick der Mercedes CLA 250 4matic auch ist und so dynamisch er sich fährt: bei der Serienausstattung patzt der Schwabe mächtig. So ist dieser nicht nur serienmäßig mit betagten Halogen-Scheinwerfern unterwegs, sondern auch die großen 10,25-Zoll-Displays, schlüsselloser Zugang, beheizte Scheibenwaschdüsen oder anklappbare Außenspiegel lässt sich Daimler teuer extra bezahlen. Und wieso sich die elektrischen Sitze vorne nur einzeln und nicht im Paket bestellen lassen, bleibt ebenso ein Geheimnis wie das mindestens 1.356 Euro teure Navigationssystem oder das längst überfällige Touchpad, dass 166 Euro kostet und in der Mittelkonsole nur Platz wegnimmt. Zu einfach lassen sich die Funktionen per Sprache oder Touchbildschirm bedienen.