| von Stefan Grundhoff

Die Mercedes S-Klasse und der rein elektrisch angetriebene Mercedes EQS treten in einer Klasse und im wahrsten Sinne des Wortes unter dem gleichen Stern an und das nicht zuletzt auch gegeneinander. Dabei dürfte es der EQS in Asien und Nordamerika leichter haben als in Europa, denn die hiesigen Kunden aus dem Luxussegment lieben das klassische Limousinendesign und hier geht das Elektromodell einen völlig anderen weg. Die Linienführung ist dabei allemal gewöhnungsbedürftig, denn von der Motorhaube bis zum kurzen Heck zieht sich die Silhouette in einer durchgehenden Bogenform über das Luxusmodell mit Stecker. Der EQS ist nicht nur technisch, sondern auch optisch weit von der noch jungen S-Klasse wegpositioniert. Der 5,22 Meter lange EQS zeigt auf den ersten Blick, dass er anders ist. Das erklärt auch den spektakulären cW-Wert von 0,20.

"Der EQS ist das aerodynamischste Serienfahrzeug der Welt mit einem Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,20. Das trägt zu seiner elektrischen Reichweite von bis zu 770 Kilometern nach WLTP bei. Und mit einer Schnellladeleistung von bis zu 200 kW lassen sich in nur 15 Minuten bis zu 300 Kilometer Reichweite gewinnen", so Markus Schäfer, Daimler-Entwicklungsvorstand, "der EQS sieht dank seiner umfassenden Sensorik und Intelligenz praktisch alles um sich herum und wird zu einem Co-Piloten. Unsere Kunden erhalten daher mehr Komfort sowohl auf Fernreisen als auch in großen, belebten Städten." Das Ein- und Aussteigen geschieht erstmals in der Sternenwelt halbautomatisch, denn die Fahrertür öffnet sich wie die andere drei Einstiege wie von Geisterhand elektrisch auf Tastendruck. Innen gibt es auf Wunsch helles Leder und ein Armaturenbrett, das auf der nur virtuell ausgetragenen Consumer Electronic Show bereits seine Premiere feierte. Der Hyperscreen ist dabei eine Mischung aus Armaturenbrett, Mittelkonsole und drei Displays, die einen auf den ersten Blick mit Informationen zu erschlagen scheinen.

Dabei wirkt das Cockpit der S-Klasse gegenüber dem vollelektrischen EQS von vorgestern; insbesondere wegen dessen kleinen Displays hinter dem Steuer. Das Beifahrerdisplay ist in der Mercedes S-Klasse aktuell gar nicht zu bekommen. Anders im EQS: damit der Fahrer von der Unterhaltung auf dem Beifahrerdisplay nicht abgelegt wird, schaltet sich dies bei zu häufigem Augenkontakt des Fahrers einfach ab. Dabei ist der S-Klasse-Konkurrent nur mit einem Radstand zu bekommen und die Abmessungen sind im Innern beinahe so großzügig wie die der langen S-Klasse. Das gilt mehr denn je für das Gepäckabteil, denn die Fließhecklimousine hat einen mächtigen Laderaum von 610 Litern, der sich durch Umlegen der Rücksitze auf bis zu 1.770 Liter erweitern lässt. Da wundert es umso mehr, dass der Mercedes EQS nicht nur über einen Radstand verfügt, sondern auch nicht mit einer elektrischen Einzelsitzanlage im Fond geordert werden kann. Das dürfte gerade in Asien ein paar Kunden kosten.

Die Basisversion des Mercedes EQS 450 wird mit ihrem 90-kWh-Akku 245 kW / 333 PS / 568 Nm leisten und etwas überraschend allein über die Hinterachse angetrieben. Normverbrauch: 15,7 - 20,4 kWh / 100 km. Die meisten Modelle werden jedoch über Allradantrieb, den großen Akku mit 107,8 kWh und stattliche 385 kW / 520 PS / 855 Nm verfügen wie das Topmodell des knapp 2,6 Tonnen schweren EQS 580 4matic, bis im Herbst die AMG-Variante folgt. Serienmäßig ist der EQS immer mit einer Hinterachslenkung ausgestattet. Wie bei der S-Klasse gibt es diese in zwei Varianten - in Abhängigkeit von Radsatz und Kundenwunsch. Frei fahren kann der Mercedes EQS nicht, denn bei 210 km/h wird abgeregelt. Die Version mit Hinterradantrieb und großem Akkupaket (zwölf Zellmodulen) soll bis zu 770 Kilometer mit einer Batterieladung kommen. Die maximale Rekuperationsleistung liegt je nach Fahrmodus, die über die Schaltpedale angesteuert werden können, bei maximal 290 kW. Das würde bei idealen Bedingungen jedoch immerhin 300 weitere Kilometer in 15 Minuten bedeuten. Wie bei der Konkurrenz soll es auch hier bequemer werden. Das Einstecken des Ladekabels reicht - Ladesteuerung und Abrechnung erfolgen automatisch - wenn die Ladesäule mitspielt. Ähnlich wie die Mercedes S-Klasse patzt der EQS bei der Fahrerassistenz. Auch hier wird es zum Marktstart in diesem Sommer keine teilautonomen Fahrfunktionen der Stufe drei geben. Die sind erst für Mitte 2022 vorgesehen und dann auch erst einmal nur in Deutschland und analog zu S-Klasse nur in langsamen Geschwindigkeitsbereichen.

Präsentationsvideo des Mercedes EQS von Daimler

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