Die Klasse der Luxus-Geländewagen ist heißer denn je umkämpft. Gaben hier vor Jahren allein die Amerikaner mit Modellen wie dem Cadillac Escalade oder einem Ford Expedition den Ton an, haben endlich auch die europäischen Hersteller das Segment als Alternative zu den Luxuslimousinen wie Audi A8, BMW 7er oder Mercedes S-Klasse erkannt. Mercedes war vor über zehn Jahren der erste, der hier mit Fokus auf den amerikanischen Markt entsprechende Potenziale ausmachte. Ohne echte Konkurrenz verkaufte sich der solide, aber alles andere als grandiose Mercedes GL / GLS mit mehr als 550.000 verkauften Fahrzeugen bestens. Doch die Konkurrenz ist irgendwann dann doch einmal aufgewacht. Während Audi noch in süßen Träumen wandelt und sich allein auf das Doppelpack aus Q7 / Q8 verlässt, hat BMW mit dem X7 einen exzellenten großen Bruder vom X5 aufgelegt. Zentraler Gegner: der Mercedes GLS.

Und der neue Mercedes GLS lässt sich nicht lumpen. Zwar ist der optisch etwas zu nah am noch jungen GLE, doch im Innenraum setzt der neue GLS wahre Maßstäbe. Und wem das nicht reicht, der kann sich ebenfalls freuen. Anfang kommenden Jahres wird der GLS noch als besonders luxuriöse Maybach-Version sogar an Nobelmodellen wie dem Rolls-Royce Cullinan und Bentley Bentayga kratzen. Dabei ist es nicht so, dass der normale Mercedes GLS größere Wünsche offen lassen würde. Mit einer Länge von 5,21 Meter wandelt er hochbeinig auf den Spuren der Mercedes S-Klasse und dürfte wohl selbst dem Vorzeigemodell der internationalen Luxusklasse im eigenen Hause einige Käufer abluchsen können.

Groß ist der Unterschied zum ebenfalls sehr guten Mercedes GLE insbesondere im Fond. Hier gibt es wahlweise Einzelsitze mit elektrischer Verstellung und separater Klimatisierung oder eine dreisitzige Rückbank. Elektrisch fahren in der dritten Reihe zwei weitere Stühle aus, wo wenn es unbedingt sein muss, sogar Erwachsene sitzen können. Eine Sitzheizung, getrennte Klimaregelung und USB-Ports gibt es selbst hier. Insgesamt verfügt der Mercedes GLS über elf USB-Ports - weltweit wohl ein einzigartiger Bestwert, der zeigt, wie wichtig solche Ausstattungsdetails mittlerweile sind. Das dürfte auch auf das Fahrwerk zutreffen, denn die Möglichkeiten, die einem die variable Luftfederung inklusiv Offroadpaket bietet, kennen kaum Grenzen. Steile Auf- oder Abfahrten, Wasserdurchquerungen, Geröllklettern oder sicheres Fahren auf Eis und Schnee - alles kein Problem für den neuen Mercedes GLS, der bei seinen verschiedenen Fahrprogrammen zudem mit einer aufwendigen Kurvenfunktion ausgestattet ist. Ist "Curve" einmal angewählt, legt sich der über 2,5 Tonnen schwere Koloss in die Kurven, indem die kurvenäußeren Dämpfer sich gegen die Fliehkraft drücken. Wer flott unterwegs ist, muss sich daran unter Umständen erst einmal gewöhnen. Praktisch ist das Ganze allemal - kostet aktuell jedoch die automatisierte Fahrfunktion, weil die Frontkamera sich leicht in der Neigung verstellt und dieser Modus aus Sicherheitsgründen daher ausgeschaltet wird.

Zwei Diesel - zwei Benziner

Bei den Motoren bietet Mercedes das, was gut und kraftvoll ist. Zwei Benzinern mit 340 und 489 PS stehen zwei Diesel mit 210 kW / 286 und 243 kW / 330 PS gegenüber. Am souveränsten ist man mit dem großen Mercedes GLS 580 unterwegs, dessen doppelte aufgeladener V8 einem 5,8 Liter Hubraum vorgaukelt, jedoch nur vier Liter Hubraum bietet. Sonor klingt und bullig beschleunigt der Koloss aus Tuscaloosa trotzdem. Den besten Kompromiss bietet jedoch der Mercedes GLS 400d, der nicht nur 700 Nm maximales Drehmoment und 238 km/h Höchstgeschwindigkeit, sondern dank eines Normverbrauchs von 7,6 Litern Diesel auf 100 Kilometern auch eine maximale Reichweite von bis zu 1.100 Kilometern offeriert. Dabei hat der Fahrer trotz fehlender Allradlenkung nur selten das Gefühl in einem mächtigen SUV-Schlachtschiff zu sitzen. Dafür sorgen die gute Übersicht nach vorn, die zahlreichen Kameras rundum und das ausgewogene Fahrwerk, das im Comfort- und Sportmodus einen gleichsam guten Eindruck macht. Ebenfalls klasse: das geringe Geräuschniveau bei höheren Geschwindigkeiten. Dabei könnten der drei Liter große Sechszylinderdiesel des GLS 400d ebenso wie Vierliter-V8 des GLS 580 im Sportmodus durchaus noch etwas bulliger tönen.

Preislich geht es für das Einstiegsmodell Mercedes GLS 350d bei rund 85.923 Euro los. Der exzellente GLS 400d kostet mindestens gut angelegte 90.386 Euro und sollte daher erste Wahl sein. Später wird noch eine AMG-Version und dann 2020 ein noch kraftvollerer Maybach-GLS folgen, der gut und gerne 180.000 Euro kosten dürfte.