Die zeitliche Dramaturgie passt: ziemlich exakt 20 Jahre nachdem im Oktober 2017 die erste A-Klasse vorgestellt wurde, gab der Autobauer jetzt in Plieningen einen ersten Vorblick auf die 2018 anstehende nächste Generation des Kompaktwagens; genauer gesagt wurde das Interieur des Fahrzeugs gezeigt mit dem man die Messlatte beim Premiumhersteller wieder etwas höher legt: treu bleibt man mit dem Modell dem mit der zweiten Generation eingeschlagenen Weg Richtung Sportlichkeit. Allerdings wird das Wagen in der nächsten Auflage nutzwertiger, komfortabler und noch pointierter auf die Zielgruppe jüngerer Käufer zugeschnitten.

Die A-Klasse ist der schlagende Beweis, dass eine Erfolgsstory mit einer kapitalen Panne beginnen kann. Im Falle des Fahrzeugs, mit dem die Schwaben in die Kompaktwagenklasse starteten, war es „ein Spurwechselmanöver, das uns ein Geweih aufsetzte“ wie Dirk Kielhorn, Produktmanagement Compact Cars, scherzte – womit selbstredend der „Elchtest“ gemeint war.

Der berühmteste Umfaller der Autoindustrie 

Scherzen lässt sich darüber auch aus Daimlersicht gut, weil man mit der nachfolgenden Einführung des ESP die Panne mit einem technologischen Coup ausmerzte und weil der bis heute berühmteste Umfaller der Autoindustrie der Erfolgsstory der Kompaktmodelle nicht geschadet hat. Seit März 1997 wurden deutlich über 5,5 Millionen Kompaktwagen von Mercedes-Benz, darunter über drei Millionen A-Klassen und dass die Marke mit dem Stern eine seit Jahren andauernde Wachstumsstory schreibt, hat – neben dem Trend zu SUV – vor allem auch mit dem Erfolg der Kompaktmodelle zu tun. Neben den absoluten Verkaufszahlen einer der wichtigsten Aspekte: insbesondere mit der A-Klasse erreicht man eine im Schnitt deutlich jüngere und weiblichere Zielgruppe. In China etwa ist jeder dritte A-Klasse Kunde unter 30, in Europa liegt der Käuferanteil dre Frauen bei 40 Prozent.

Wagte Mercedes nach der  etwas bieder geratenen ersten Generation den radikalen Image-Schnitt des Modell Richtung Sportlichkeit und machte die A-Klasse damit von Senioren- zum Juniorenmodell, findet die Revolution jetzt im Innern statt. Hartmut Sinkwitz, Leiter Interieur Design, verspricht: „Das Interieur ist ein großer Schritt in Richtung Avantgarde, verleiht dem Begriff Modern Luxury neue Qualität im Kompaktsegment.“

Vom Senioren- zum Juniorenmodell

Neben neuen Materialien, einer avantgardistisch gestalteten Instrumententafel, trägt zum neuen Raumgefühl der opulente Einsatz von Licht bei. Die Formel laut da von 12 auf 64: bei der Ambientebeleuchtung der neuen A‑Klasse stehen mit dem Generationswechsel fünf Mal so viele Farben zur Verfügung. Doch nicht nur die Farbvielfalt steigt, auch mit der emotionalen Inszenierung will man Maßstäbe im Segment setzen: Die verschiedenen Farben werden zu zehn Farbwelten komponiert und ermöglichen ein Lichtbild mit spektakulären Farbwechseln.

Die Farbwelten passen sich auf Wunsch an die verschiedenen Stile des Widescreen-Displays an, so dass ein harmonischer Gesamteindruck entsteht. Hinzu kommen Lichteffekte, die der Kunde individuell aktivieren kann.

Bereits in einer frühen Entwicklungsphase wurde die avantgardistische Ambientebeleuchtung berücksichtigt und entsprechend in den Innenraum integriert. Dies zeigt sich beispielsweise im Übergangsbereich zwischen Ober- und Unterteil der Instrumententafel. Durch eine Kombination aus indirekter und direkter Beleuchtung entsteht dort ein ganz besonderes Lichtambiente, vergleichbar der Lichtinszenierung eines historischen Gebäudes bei Nacht. Regelrecht schwärmerisch wird Sinkwitz, wenn er auf Innenleben und Lichtspiel turbinenartigen Lüftungsdüsen mit galvanisierten Oberflächen zu sprechen kommt. Bei der Innenraumbeleuchtung kommt ausschließlich langlebige und energiesparende LED-Technik zum Einsatz.

Orientierung an der Oberklasse

Ein wichtiges Stichwort mit Blick auf die Interieurgestaltung ist „Oberklasse“. Der Anspruch, mit der neuen Generation Details aus deutlich höher positionierten Modellen in die A-Klasse zu bringen, ist deutlich erkennbar. So stammt das multifunktionale Lenkrad aus der S‑Klasse. Und auch bei den Vordersitzen halten mit Sitzklimatisierung, Massagefunktion und Multikontursitz Komfortausstattungen aus höheren Segmenten Einzug.

Das gilt auch fürs Gestühl. Die Sitze wurden komplett neu konstruiert, so Heiko Thiel aus der Mercedes Sitzentwicklung. Dazu wurde erstmals im Kompaktsegment eine computergestützte Komfortsimulation eingesetzt, wodurch eine „viel differenzierter Entwicklung“ möglich ist, sprich eine noch individuellere Einstellung auf die Bedürfnisse des jeweiligen Fahrers oder der Fahrerin. Und: obwohl zusätzliche Technik in die Sitze kommt, hat man drei Kilo pro Sitz abgespeckt. Aus dem Vollen fräst der Autobauer auch bei den Material- und Farbkombinationen. Einfaches Textil gibt es gerade noch in der Basisversion, danach kommen für die von Adient gelieferten Sitze stark dreidimensional geprägt Stoffe zum Einsatz.

Über all der Betonung von Sportlichkeit und Connectivity-Möglichkeiten hat man den Nutzwert nicht vergessen. Zwar spart man sich die Informationen zu den Außenmaßen noch auf, im Innenraum gibt es aber ein deutlich gesteigertes Raumgefühl, bessere Rundumsicht und mehr Platz. Der Nutzwert steigt durch mehr Schulterraum (vorn +9 mm, hinten +22 mm), Ellenbogenbreite (vorn +35 mm, hinten +36 mm) und Kopffreiheit (vorn +7 mm, hinten +8 mm). Zudem erleichtert wird der Einstieg in den Fond. Auf 370 Liter erhöht (+29 Liter) wird das Kofferraumvolumen. Die Ladeöffnung fällt dank zweigeteilter Heckleuchten 20 cm breiter aus als bisher, zugleich ist der Boden des Kofferraums 11,5 cm länger. Dadurch ist beim über Mercedes Me gefundenen Getränkehändler Platz für zwei Getränkekisten mehr, die man dann auch noch leichter beladen kann.