| von Stefan Grundhoff

Das Angebot, mit dem Daimler sein Nutzfahrzeug Vito anbietet, ist gigantisch. Antrieb, Sitzplätze, Lademöglichkeiten - der Variabilität sind kaum Grenzen gesetzt. Den Transporter gibt es mit verschiedenen Radständen, Tür- und Fenstervarianten, Dachreling oder Trägern. Der Laderaum lässt sich dabei mit Holzfußboden, Schienensystem zur Lastenverankerung, Zurrschienen an der Seitenwand oder Innenverkleidungen funktionell ausstatten. Für die Kastenwagen ist optional ein besonders belastbarer Kunststoffboden verfügbar, der das Programm aus Metall- oder Holzladeboden ergänzt. Dachaufbauten und Trägersysteme sowie Gepäckraumwannen stehen entweder ab Werk oder als Zubehör zur Verfügung. Für mehr Komfort und ein vereinfachtes Handling soll nach der Modellpflege das neue Schienensystem im Vito Tourer sorgen, mit dem sich die Sitzbänke im Fond leichter verschieben lassen.

Es gibt den Mercedes Vito als Topversion auch mit einem 239 PS starken Dieselmotor, nebst Allradantrieb und jeder Menge Komfort. Ganz nebenbei gibt es ebenso wie bei der eng verwandten V-Klasse ab sofort auch eine Luftfederung. Wer seinen Vito als Pkw zulässt und ihn damit zu einem Zwilling der V-Klasse macht, darf sich auf der Autobahn ab sofort auf der linken Spur einordnen. Denn mit der Modellpflege ist der Vito als 124 cdi mit der neuen Antriebsallzweckwaffe aus dem Hause Daimler zu bekommen. Der Dieselmotor vom Typ OM 654 leistet in seiner aktuell stärksten Ausbaustufe 176 kW / 239 PS und ein maximales Drehmoment von 500 Nm.

Hört sich nach viel an - und so fährt sich der stärkste Vito auch. Unverkennbar fehlen dem Triebwerk zwei Brennkammern und damit die Laufruhe und die bullige Souveränität eines Sechszylinders, doch in Sachen Fahrleistungen gibt es nichts zu meckern. "Das Vierzylinder-Diesel-Aggregat OM 654 ist ein Meilenstein der Dieseltechnologie und bringt unseren Vito auf der Straße satt nach vorne. Bereits bei niedrigen Drehzahlen schiebt das Fahrzeug gleichmäßig und dynamisch an", erläutert Andreas Hasselwander, Chefentwickler der Mercedes Midsize Vans, "durch deutliche Kraftstoffeinsparungen überzeugt der 2,0 Liter große Dieselmotor zudem auch in Sachen Effizienz. Insassen profitieren außerdem von einer angenehm leisen Laufkultur und verminderten Vibrationen." Verfügbar ist der große Diesel allein für die beiden Versionen von Vito Tourer und Vito Mixto, die beide prächtig am Gas hängen und beladen wie unbeladen ungewohnt kraftvoll für einen Transporter beschleunigen. Weniger interessant ist dabei der Spurt 0 auf Tempo 100 in 7,9 Sekunden als vielmehr der kraftvollen Zwischenspurt aus mittleren und selbst hohen Geschwindigkeiten. Auf der Autobahn schafft der stärkste aller Vitos 210 km/h und gibt sich mit einem überaus akzeptablen Normverbrauch von 6,3 Litern Diesel auf 100 Kilometern zufrieden.

Unter zwei Metern

Wer sich für das Topmodell entscheidet, kann von dem Basispreis des Mercedes Vito Worker für 18.990 Euro (netto) natürlich nur träumen. Das Topmodell als 5,14 Meter lange Version des Mercedes Vito Tourer mit langem Radstand und Allradantrieb bereitet für rund 56.000 Euro (netto) nicht nur Freude auf dem zumeist dienstlichen Weg, sondern schlägt auch ein nennenswert großes Loch in die Betriebskasse. Die meisten Kunden sind nicht mit dem Topmodell unterwegs, sondern erwärmen sich für die schwächeren Vito-Versionen 114 cdi, 116 cdi oder 119 cdi mit 136, 163 oder 190 PS, deren Verbrauchsspektrum zwischen 5,8 und 6,5 Litern liegt. Im Vergleich zur Vorgängergeneration sind das 13 Prozent weniger Verbrauch bei einem Modell wie dem Mercedes Vito 119 cdi. Für die nötige Sauberkeit der Dieselabgase zählen unter anderem Abgasrückführung, Diesel-Katalysator, Partikelfilter und SCR-Katalysator mit AdBlue-Zuführung. Zudem ist der Vito als Einstiegsvariante auch mit der Motorenfamilie OM 622 (102 und 136 PS) erhältlich, die obligatorisch an Sechsgang-Handschaltung und Vorderradantrieb gekoppelt ist.

Erstmals sind alle Hinterradvarianten mit der neunstufigen Getriebeautomatik ausgestattet, die die bisherige Version mit sieben Schaltstufen ersetzt und besonders bei mittleren Geschwindigkeiten präziser arbeitet. Der Fahrer kann dabei zwischen den beiden Fahrprogrammen Sport und Comfort wählen, was in der Realität kaum eine Bedeutung haben dürfte. Auf Wunsch sind die Modelle mit dem neuen 654er-Dieselmotor auch als Allradversion zu bekommen, was besonders bei der Topversion des Vito 124 cdi sinnvoll ist. Praktisch im Alltag: selbst mit Allradantrieb und trotz der leicht erhöhten Bodenfreiheit bleibt die Gesamthöhe des Vito knapp unter der Zwei-Meter-Marke - wichtig für Tiefgaragenparker und regelmäßige Nutzer von Waschstraßen.

Hightech und Navigation von gestern

Besonders komfortabel wird es in Modellen wie dem Mercedes Vito Tourer 124 cdi mit der neuen Luftfederung. Das neue Luftfederungssystem passt das Fahrwerk dabei an die Umstände an, wobei durch eine leicht erhöhte Bodenfreiheit der Fahrkomfort auch in unebenem Gelände erhalten bleibt. Die Dämpfung selbst reguliert sich an jedem Rad nach Fahrsituation, Tempo und Oberfläche selbstständig über zwei getrennte Ventile für die Zug- und Druckrichtung in den Dämpfern. Der Fahrer kann die Luftfeder aus drei verschiedenen Fahrprogrammen auswählen. Beim Vito mit Hinterradantrieb kann der Transporter bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h um bis zu 35 Millimeter angehoben werden. Danach senkt sich das Fahrzeug automatisch wieder auf Normalniveau. Im Fahrprogramm Comfort verbleibt das Fahrzeug auf Standardhöhe. Erreicht der Vito mindestens 110 km/h, senkt sich der Transporter selbstständig um zehn Millimeter, um die Aerodynamik zu verbessern und den Verbrauch zu optimieren. Im Programm Sport ist das Fahrzeug ohnehin um zehn Millimeter tiefer. Unabhängig vom gewählten Fahrprogramm ist die pneumatische Niveauregulierung vollautomatisch und ladungsunabhängig aktiv, was sich nicht nur im Hängerbetrieb angenehm bemerkbar macht.

Zu den bekannten Stärken des Mercedes Vito gehört der variable Innenraum, der auch in Sachen Wertigkeit mittlerweile deutlich zulegen konnte. Nicht gefallen kann jedoch das optionale Navigationssystem, das nicht auf dem neuesten Stand ist und auch bei gewerblichen Nutzern viele Wünsche offenlässt. Einen Hauch Hightech bietet dagegen die umfangreiche Sicherheitsausstattung sowie Details wie der digitale Rückspiegel. An den müssen sich die Augen etwas gewöhnen, doch die Sicht nach hinten ist damit auch bei verdeckten Scheiben nicht eingeschränkt. Eine Heckkamera kommt auch bei schlechter Sicht bestens zurecht und sendet ein scharfes Bild auf den Bildschirm mit 1.600 x 320 Pixeln im Innenspiegel. Über den Abblend-Kippschalter kann der digitale Innenspiegel vom Kamerabild auf die analoge Sicht umgestellt werden. Und gerade mit der Topversion sollte man auf der Autobahn regelmäßig auch einmal nach hinten schauen.

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