• McLaren Chef-Test-Fahrer Chris Goodwin (rechts) und Redakteur Marcel Sommer mit dem neuen McLaren 570 S. Alle Bilder: McLaren / press-inform

    McLaren Chef-Test-Fahrer Chris Goodwin (rechts) und Redakteur Marcel Sommer mit dem neuen McLaren 570 S. Alle Bilder: McLaren / press-inform

  • Die Türen gehen nach vorn-oben auf.

    Die Türen gehen nach vorn-oben auf.

  • Hier ist alles auf Tempo zugeschnitten.

    Hier ist alles auf Tempo zugeschnitten.

  • 570 PS treiben den McLaren 570 S an.

    570 PS treiben den McLaren 570 S an.

  • Das Heck des McLaren 570 S.

    Das Heck des McLaren 570 S.

  • Bis zu 328 km/h ist er schnell.

    Bis zu 328 km/h ist er schnell.

  • Allein für diesen Blick lohnen sich die rund 200.000 Euro.

    Allein für diesen Blick lohnen sich die rund 200.000 Euro.

  • Der V8 liegt unterhalb eines Carbongeflechts.

    Der V8 liegt unterhalb eines Carbongeflechts.

  • Der Tacho des McLaren 570 S.

    Der Tacho des McLaren 570 S.

  • Hier lassen sich Fahrwerk und Motor konfigurieren.

    Hier lassen sich Fahrwerk und Motor konfigurieren.

  • Ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sorgt für die Gangwechsel.

    Ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe sorgt für die Gangwechsel.

  • Selbst das Piktogramm ist auf Rennen eingestellt.

    Selbst das Piktogramm ist auf Rennen eingestellt.

  • Technische Daten.

    Technische Daten.

Das berühmte Festival of Speed im britischen Goodwood hat Vieles zu bieten. Zum einen alte Fahrzeuge von unschätzbarem Wert, Rennwagen mit einer langen Liste an Siegen und Neuwagen, die dort ihre dynamische Premiere feiern, sprich zum ersten Mal in Aktion zu erleben sind. Zu letzterer Gattung gehört dieses Jahr der neue Einstiegs-Sportler im Hause McLaren. Der 570 S, was auch gleichzeitig die Höhe seine Pferdestärken verrät, glänzt dieses Jahr in einem knalligen Orange mit Supersportlern jeder nur denkbaren Marke um die Wette. Doch beim Um-die-Wette-Glänzen bleibt es nicht. Niemand geringerer als der Chef-Test-Pilot Chris Goodwin selbst lädt zu einer Mitfahrt an diesem, für McLaren so wichtigen Tag ein. Eines sei schon jetzt verraten: Nicht nur für den britischen Hersteller bleibt dieser Tag unvergessen.

Der Erstkontakt mit dem 328 Kilometer pro Stunde schnellen Geschoss fällt bereits erwartungsfroh aus. Die schnittige Front mit zahlreichen Lufteinlässen und geschwungenen Anbauteilen ist zum einen zwar nicht sonderlich überraschend oder gar neu. Doch gibt sie schon einen ersten Aufschluss auf das, was eventuell noch folgt. Denn langsam sieht der 1.313 Kilogramm schwere Heckantrieb-Sportwagen nicht aus. Ein Blick auf den Hintern wandelt jedes Gesicht in ein hoffnungsvolles Grinsen. Der 3,8 Liter große V8-Mittelmotor ist zwar kaum zu sehen, aber allein seine Anwesenheit unterhalb des Carbongeflechts steigert die Adrenalinzufuhr im Blut. Auf dem Papier stehen 9,5 Sekunden für den Tempo 200-Sprint ? na dann nichts wie los.

Der 48 Jahre alte Chef-Testfahrer gibt per Druckknopf das Zeichen zum Fluten der acht Brennkammern. Sofort wird der gesamte, zugegebenermaßen recht überschaubare Innenraum des Zweisitzers zum Klangkörper umfunktioniert. Es blubbert, es wabert, es brummt ? herrlich. Nach einer kurzen Einführung in die ebenfalls sehr übersichtlich gestaltete Armatur des wahrscheinlich rund 200.000 Euro teuren Supersportlers stehen die Zeichen auf Abfahrt. Zeit für ein paar kleine Sätze vom Piloten gibt es noch: “Die Idee war, einen echten Sportwagen zu schaffen, der leicht und einfach zu fahren ist. Wir haben ja noch andere, stärkere Fahrzeuge im Portfolio. Das ist unser Every-Day-Car. Ach ja, keine Sorge: Der Hill Climb hier in Goodwood ist ja eigentlich gar kein echtes Rennen…”

Ob nach dem Wort Rennen noch etwas anderes folgt, ist nicht überliefert. Denn die Launch-Control und der von ihr ausgelöste V8-Sound beherrscht nun alles. Trotz Helm wird schnell klar, dass der Kleine ganz schön laut schreien kann ? und dann geht es los. Erster Gang, zweiter Gang, Rechtskurve mit leicht ausbrechendem Heck und dann die verhältnismäßig lange Gerade. Der McLaren 570 S geht nach vorn, als gäbe es kein Morgen und keine Physik. Nur gut, dass der auf den täglichen Nutzen ausgelegte Sportler abschließbare Ablagefächer für Smartphone und Co in den nach oben öffnenden Türen hat. Ansonsten hätte sich alles aus den Hosentaschen gen Heck verabschiedet. Die steinerne Schikane steht bevor. Auf das kurze, bestimmte und dabei sehr genaue Anbremsen folgt eine weitere Beschleunigungsstrecke.

Es fällt auf, dass die 600 Newtonmeter Drehmoment an den Hinterrädern unglaublich gut auf der Straße ankommen und zugleich sehr präzise zu dirigieren und beherrschen sind. Die Lenkung zeigt Gokart-ähnliche Bewegungsmuster, die später auch von Chris Goodwin als solche beschrieben werden. Das Gaspedal gibt spontane Gasstöße ohne eine Gedenkmillisekunde weiter und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe wechselt die Gänge, ohne dass es jemand mitbekommt. Als Profi greift Chris Goodwin natürlich das ein oder andere Mal selbst an die Schaltwippen, doch auch dann ist kaum etwas zu spüren. Es scheint beim neuen McLaren 570 S einfach alles zu passen. Das große LCD-Display ist gut abzulesen, die Piktogramm-Figur auf dem für die Belüftungseinstellung vorgesehenen Bildschirm trägt einen Helm und die Federung ist trotz Supersport-Genen überraschend komfortabel abgestimmt. Die große Frage, die sich einem am Ende solch einer gelungenen Premiere stellt, ist eigentlich nur folgende: Warum sollte ich mir einen Größeren und damit auch Teureren kaufen? Denn die halbe Sekunde, die ein 231.500 Euro teurer 650 S schneller auf Tempo 100 ist, holt ein guter Fahrer schon auf den ersten Metern heraus.

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Marcel Sommer; press-inform