| von Alexandra Riegler

Während draußen ein kleiner Schneesturm aufzieht, herrscht in den Hallen geordnetes Getümmel. Schulklassen und Familien ziehen vorbei, ein Labrador der örtlichen Polizei dreht sich am Marmorboden begeistert im Kreis. Zwischen Imbissecke und Blutspendemobil heuern die Marines an.

Mit rund tausend Fahrzeugen auf knapp 93.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche nennt sich die Chicago Auto Show größte Automobilmesse des Landes. Seit sich die North American International Auto Show in Detroit eine Runderneuerung verpasste und ihren Termin im Januar gegen den Juni tauschte, sind die Chicagoer die Ersten im Kalender. Johan de Nysschen, seit Herbst COO der Volkswagen Group of America und North America Region, sieht dadurch eine „gewisse Bedeutungserhöhung“ der Veranstaltung für die Presse: „Ich bin optimistisch was die Zukunft der Chicagoer Show betrifft.“

Jeder Dritte testet

In den Hallen glänzen SUVs und Pickups so weit das Auge reicht. Die Messe wirkt passend für den Mittleren Westen: bodenständig und familienfreundlich. Bei Subaru, versteckt hinter den Modellen Ascent und Forester Sport, suchen Welpen aus örtlichen Tierheimen ihren neuen Besitzer.

Jeder dritte Besucher absolviert auf der Chicago Auto Show eine Testfahrt. Weil es Winter ist, haben Toyota, Jeep und Ram Trucks einen Parcours in der Halle aufgebaut. Ebenso Volkswagen, das gegenüber von GMC den 2021 Atlas Cross Sport ausprobieren lässt. Die Strecke ist einer Wüstenlandschaft nachempfunden, an einigen Plastikkakteen baumeln noch die Strichcodes. In der Südhalle bei Jeep sitzen Mitarbeiter am Steuer der Modelle Wrangler Unlimited, Grand Cherokee und Liberty und chauffieren Passagiere über eine Geländestrecke. Manchmal stoppt ein Fahrzeug auf halber Höhe der steilen Brückenabfahrt und die Insassen quietschen wie auf der Hochschaubahn.

Kaufentscheidungen

70 Prozent der Besucher – die Zahl schreiben die Veranstalter in Rot – hätten sich in den letzten Jahren hier für ihr nächstes Auto entschieden. Sechs von zehn würden den Kauf innerhalb der nächsten zwölf Monate tätigen. Die Statistiken sollen verdeutlichen, dass Hersteller in Chicago auf Tuchfühlung mit den Kunden gehen können. „Chicago, L.A. und New York sind für uns ganz klar die großen Verbraucher-Shows“, sagt Bill Fay, Senior Vice President für Automotive Operations bei Toyota North America. Entsprechend wolle man weiterhin auf diesen Messen hervorstechen.

Erwartungsgemäß rege ist auch in Chicago das Interesse an Elektroautos. Zwar waren unter anderem Audis e-Tron, die Modelle Chevy Bolt EV, Mustang Mach-E, Jaguar I-Pace, Nissan Leaf und Porsche Taycan zu sehen. Doch insgesamt ist es mit der Auswahl noch nicht weit her. Tenor unter Besuchern und Ausstellern: Richtig groß wird das Thema erst ab nächstem Jahr.

Ist am Ende also alles gut und haben Automessen doch Zukunft? Was die Konsumentenausrichtung beträfe, sei Chicago immer schon stark gewesen, sagt de Nysschen. Zurücklehnen geht aber gar nicht. „Alle Autoshows müssen sich weiter neu erfinden und mehr interaktive Erlebnisse bieten.“

Bilder: Alexandra Riegler

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