Problem erkannt, Problem gebannt. So könnte das Motto beim Facelift, des Kia Ceed lauten. Wobei das Wort Facelift im Zusammenhang mit der Modellüberarbeitung des koreanischen Golf-Konkurrenten eher irreführend ist. Denn der Ceed hat zwar eine optische Auffrischung bekommen, aber die kommt hauptsächlich dem Heck zugute, das mit neuen Leuchten und einer neuen Schürze bestückt frischer auftritt, als bisher. Weil die Koreaner sehr schnell lernen, tun sie es den deutschen Konkurrenten gleich und erweitern die Ausstattungsoptionen um die sportliche GT-Line. Also gibt es jetzt neben einer S-Line (Audi), R-Line (VW) oder M-Paket (BMW) auch eine GT-Line.

Dass die vor allem dem Kia GT pro gut steht, dürfte wohl niemand ernsthaft bezweifeln: Das Heck hat einen Diffusor zwei verchromte Auspuff-Endrohre und 17 Zoll Felgen. Ein bisschen Facelift gibt es dann doch noch. Die Front mit den vier LED-Eiswürfel-Leuchten sieht gut aus. Was die Koreaner in den offiziellen Pressemitteilungen zurückhaltend als Modelljahr verkaufen, bringt vor allem technisch einige Neuigkeiten. Der Dreizylinder-Turbo-Motor wurde sehnlichst erwartet und der feiert bei Kia nun seine Premiere. Um es gleich vorneweg zu sagen, das neue Aggregat schlägt sich im Großen und Ganzen wacker. Solange man das Triebwerk in Ruhe seine Arbeit verrichten lässt, gibt es sich wenige Blößen. Allerdings fällt bereits im entspannten Fahrbetrieb das Turboloch auf. Unterhalb von 2,500 U/min ist das Temperament des 88 kW / 120 PS-Aggregates ziemlich gebremst. Dabei liegt das maximale Drehmoment von 171 Newtonmetern bereits bei 1.750 U/min an. Dieses Manko gleichen viele Schaltvorgänge mit dem manuellen Getriebe größtenteils wieder aus.

Gibt man dem Ceed-Motor die Sporen, meldet er sich protestierend zu Wort, wirkt aber trotz des leichten Knurrens bei höheren Drehzahlen etwas zugeschnürt. Da unterscheidet sich das koreanische Aggregat nicht von den meisten anderen Dreizylindern. Deswegen verwundert es nicht, dass der Kia-Dreizylinder für den Sprint von null auf 100 km/h immerhin 11,4 Sekunden braucht und der Spurt bei 187 km/h schon zu Ende ist. Für einen 120-PS-Motor, der ein gut 1,4 Tonnen schweres Auto antreibt, ist das bestenfalls Durchschnitt. Der neue Dreizylinder ist auch recht durstig. Bei den ersten Testfahrten spuckte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 7,8 Liter pro 100 Kilometer aus, Kia gibt den Verbrauch mit 5,2 l auf100 Kilometer an.

Deutlich harmonischer als bisher agiert das Standard-Fahrwerk, das bei weitem nicht mehr so hölzern auf Unebenheiten reagiert und entspannter abrollt. Wer die GT-Line wählt, bekommt die passend straffere Fahrwerkabstimmung dazu, die sich auch beim Fahren bemerkbar macht. Das neue Torque Verctoring verbessert mit gezielten Bremseingriffen an einzelnen Rädern die Agilität des Ceed deutlich. Selbst bei sehr forcierten Kurvenfahrten, lässt sich der Koreaner nicht aus der Ruhe bringen. Garniert wird das Ganze durch die elektronische Lenkung, die nach wie vor in drei Modi (Normal / Komfort / Sport) betrieben werden kann, sich aber bei weitem nicht mehr so synthetisch anfühlt, wie bisher. Durch die gelungene neue Abstimmung, ist auch die Rückmeldung der Steuerung über den Zustand des Straßenbelags zuverlässiger.

Damit der Ceed sich auch im Haifischbecken Golf-Klasse bestehen kann, lassen die Koreaner eine weitere technische Neuerung aus dem Sack. Das in Eigenregie entwickelte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist ausschließlich mit dem verbesserten 100 kW / 136 PS Diesel erhältlich ist. Die Tüftelei hat sich rentiert. Das neue Doppelkupplungsgetriebe macht einen guten Eindruck und passt gut zum Diesel, der freilich keine Bäume ausreißt. Die Koreaner wollen die neue Schaltung ebenso, wie den Dreizylinder sukzessive über die ganze Modellpalette ausrollen. So wird es den neuen Motor auch bald in der 100-PS-Variante geben, die auch gut zu den Kleinwagen Picanto und Rio passt.

Damit ist die technische Aufrüstung beim Kia Ceed noch nicht beendet: Der Spurwechselassistent überwacht den toten Winkel und den Querverkehr. Außerdem ist eine Verkehrszeichenerkennung neu im Programm. Weder für Geld noch für gute Worte ist ein adaptiver Tempomat zu haben, genauso wenig wie adaptive Dämpfer. Dem Interieur verleiht ein bisschen Klavierlack hier und etwas Chrom da eine höhere Wertigkeit. Mit den Kia-Connected Services wagen sich die Koreaner weiter in das Feld der Konnektivität vor. Allerdings kann man bei dem am 26. September erscheinenden Kia Ceed sein Smartphone weder mit MirrorLink, noch CarPlay oder Android Auto einbinden. Wer sich den neuen Dreizylinder gönnen will, muss beim Sportswagon mindestens 23.590 Euro hinblättern, bekommt dafür aber die wirklich schicke GT-Line.

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Wolfgang Gomoll