"Klein, aber oho", lautet das Selbstverständnis der New York International Auto Show. Entgegen der übergroßen Plakate ist die Runde im Jacob K. Javits Convention Center allerdings relativ schnell gedreht. Schmerzende Füße wie auf der IAA in Frankfurt drohen beim Besuch des Messezentrums mitten in Manhattan nicht. Auch wenn schon mehrmals das Requiem auf das automotive Stelldichein unweit des Hudson Rivers gesungen wurde, bemühen sich die amerikanischen Hersteller, das Schaulaufen im Big Apple am Leben zu erhalten.

Vor allem Fiat-Chrysler frönt dem PS-Wahn mit solch hemmungslos überpowerten Fahrzeugen, wie den Dodge Challenger SRT Demon. "Das ist das stärkste Muscle Car der jemals angeboten wurde", frohlockt Dodge PKW-Chef Tim Kuniskis. Um dies zu unterstreichen schafft der Demon als erster Serien-Pkw das Kunststück beim explosionsartigen Start die vorderen Räder anzuheben. Nicht weniger aufregend ist der Jeep Grand Cherokee Trackhawk mit seinen 717 PS, was ihn zum stärksten Serien-SUV der Welt macht. Bei der Präsentation stellten die Amerikaner den Jeep auf einen Rollenprüfstand und fuhren ihn vor vollbesetzten Rängen bis ans Limit aus. Das gibt es nur in den USA.

Unterschiedlicher könnten die Szenen nicht sein. Während sich bei den Amerikanern die Zuseher drängen, herrscht bei Volkswagen Totentanz. Die Wolfsburger haben auf der NYIAS keine echten Neuigkeiten im Gepäck. Auch Audi hat kein echtes Pfund in petto. Lediglich Mercedes hält die teutonische Fahne mit dem AMG GLC 63 mit mächtigen 510 PS hoch. Dagegen manifestieren die japanischen Hersteller, dass sie in den USA nach wie vor eine Macht sind. Lexus stellt seinen neuen LS F Sport im Big Apple vor, nachdem auf der Detroit Motor Show bereits der Lexus LS 500 und auf dem Genfer Automobilsalon die Hybridvariante Lexus LS 500h stand. Wie seine Brüder auch dieser auf der verlängerten Version der globalen Architektur für Luxusfahrzeuge mit Hinterradantrieb (GA-L).

Nissan-Z-Geschichte

Dass die Japaner auch anders können, sieht man ein paar Schritte weiter an einem Auto, das glitzert, blinkt und ständig die Farbe wechselt, als wenn es beim Disco-Klassiker "Saturday Night Fever" eine Hauptrolle neben John Travolta spielt. Die martialische Karte spielt ein SUV im Tarn-Outfit. Ganz anders ist der Subaru Crosstek unterwegs. Der kleine Crossover soll auch in den USA für Umsätze sorgen. Honda lässt auf der New York Auto Show den Saubermann raushängen und erweitert die Clarity Familie um einen Plug-in-Hybriden und eine rein elektrische Version Clarity EV. Die Japaner versprechen, dass die 25,5 kWh-Batterie des Stromers an einem 240 Volt Anschluss in nur 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen sein soll. Der Preis soll um die 35.000 Dollar betragen und die Verkäufe zunächst in den amerikanischen Bundesstaaten Kalifornien und Oregon beginnen. Der Plug-in-Hybride hat eine Kombination aus 181 PS-Motor und 17 kW-Batterie an Bord und soll sogar bis 67 Kilometer weit kommen.

Nissan spielt mit dem 370 Z Heritage auf die goldenen Sportwagen-Zeiten seiner Z-Reihe an. Nicht ohne Grund: Die Sportwagen-Reihe mit dem letzten Buchstaben des Alphabets feiert 2019 ihren 50. Geburtstag. Doch noch bleiben großartige Reminiszenzen an die Vergangenheit aus: Angetrieben wird die Heritage Edition vom bekannten 3,7-Liter-V6 mit 332 PS, der entweder mit einer Siebengang-Automatik oder eben ganz klassisch mit einer Sechsgang-Handschaltung verknüpft werden kann. Die Infiniti-Studie QX80 Monograph soll den Luxus neu definieren. Äußerlich erinnert das mächtige über fünf Meter langen SUV mit dem mächtigen etwas barock anmutenden Kühlergrill-Grill in der Fenstergrafik an einen Kia Soul auf Testosteron. Wo wir gerade beim Thema sind: Fords Edel-Ableger Lincoln hat das Monster-SUV Navigator umfassen überarbeitet und sowohl das Design als die Technik aufgefrischt. Gegen diesen Kreuzer verschwindet der Infiniti geradezu.