| von Stefan Grundhoff

Nach großen Finanzproblemen hat sich Nio in den vergangenen Monaten prächtiger denn je gemacht. Erst ging der Aktienkurs innerhalb weniger Monate durch die Decke, dann konnten die Chinesen Ende 2020 Rekordzulassungen feiern. Viel Rückenwind für den neuen Nio ET7, die erste Elektrolimousine der Chinesen. Das Design des Luxusmodells kann sich sehen lassen und die Reichweite wird der Konkurrenz durch eine neue Feststoffbatterie viel Kopfzerbrechen bereiten. Denn der sehenswerte Viertürer ist als Allradler mit drei Batteriepaketen zu bekommen. Wie bei den anderen Modellen setzt Nio dabei auf ein Batteriewechselsystem. Bis Ende des Jahres sollen in China 500 solcher Wechselstationen entstehen, die einem die zähen Ladevorgänge im Alltag ersparen sollen. Pro Tag können an jeder der Ladestationen bis zu 321 Akkupakete gewechselt werden.

Angetrieben wird die 5,09 Meter lange und stattliche 1,98 Meter breite ET7-Luxuslimousine mit den gefälligen Formen von zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse. Der vordere Permanentmagnetmotor leistet 180 kW / 245 PS, während am Heck ein zweiter E-Motor mit 300 kW / 407 PS arbeitet. Durch die insgesamt 480 kW / 648 PS sind sportliche Fahrleistungen garantiert und anders als bei den beiden Crossovern dürfte auch nicht bei 200 km/h Schluss mit dem dynamischen Vortrieb sein. Aus dem Stand geht es in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und aus der gleichen Geschwindigkeit soll der elektrische Allradler nach 33,5 Metern wieder zum Stehen kommen. Beeindruckend sind zumindest zwei der drei Akkupakete, die William Li, Firmengründer und CEO von Nio, bei der Weltpremiere des Fahrzeugs auf dem Nio Day in Chengdu vorstellte. Das kleine Akkupaket mit 70 kWh soll Reichweiten von rund 500 Kilometern ermöglichen. Deutlich interessanter dürften für die meisten Kunden die beiden größeren Akkupakete mit 100 kWh und sogar 150 kWh (als Festkörperbatterie) sein, mit denen der Nio ET7 Reichweiten von 700 bzw. 1.000 Kilometern ohne Nachladen realisieren soll. Die erstmals bei einem Serienfahrzeug verbaute Feststoffbatterie des Topmodells hat eine Energiedichte von 360 Wh/kg.

Der neue Nio ET7 ist ab sofort in der Nio-App bestellbar; ausgeliefert wird jedoch erst Anfang 2022. Das Basismodell kostet 448.000 RMB (56.000 Euro) ohne Batteriemiete und 378.000 RMP mit der monatlichen Batteriemiete. Das besonders gut ausgestattete Modell der Premier Edition kostet 526.000 RMB (66.000 Euro). Der ET7 ist das erste Modell von Nio, das mit einem Komplettangebot von Fahrerassistenzsystemen geordert werden kann. Das volle Paket an Assistenzsystemen kostet monatlich jedoch eine Gebühr von 680 RMB (86 Euro). Mit dem intelligent vernetzten Assistenzsystem will Nio den ET7 stufenweise autonom auf Autobahnen, in der Stadt und beim Parken unterwegs sein und auch einen automatischen Batteriewechsel ermöglichen. Bedient wird das ganze über ein 12,8 Zoll großes Display in der Mitte der Armaturentafel sowie das bereits bekannte NOMI-Bediensystem mit künstlicher Intelligenz. Schnellste Bearbeitungszeiten soll dabei ein Hochleistungsrechner mit Namen Adam garantieren, der dank Nvidias Orin-SoCs-Prozessor mit 1.016 Tera-Operationen pro Sekunde acht GB Daten in gleicher Zeit erzeugen kann. Davon merken die Insassen nichts und sitzen wahlweise auf klimatisieren Massage-Ledersitzen oder Sesseln aus erneuerbarem Rattan. Das Soundsystem tönt aus 23 Lautsprechern mit bis zu 1.000 Watt.

Bereits registriert?