Als Nissan Ende 2010 den Juke auf den Markt brachte, "da sollte er polarisieren", sagt Matt Weaver, Nissans Design-Chef in Europa: "Man mag ihn oder man hasst ihn." Nun kommt nach gut 70.000 verkauften Exemplaren die zweite Generation des Juke - mit deutlich entschärftem Design. Wiedererkennen wird man ihn auf der Straße immer noch. Aber die spacigen Wülste und Linien sind nun deutlich dezenter.

Insgesamt ist die zweite Generation des im britischen Sunderland gebauten Crossover etwas voluminöser geworden. In der Länge ist er um 7,5 Zentimeter auf 4,210 Meter gewachsen. In der Breite hat er um 3,5 Zentimeter auf 1,8 Meter zugelegt und in der Höhe um 1,5 Zentimeter auf 1,595 Meter. Bei Nissan kommt man ob der Proportionen in ein wenig bescheidenes Schwärmen: "Er kombiniert den eleganten Stil einen Coupés mit der satten Haltung eines Crossover und den Abmessungen einer sportlichen kleinen Schräghecklimousine - das beste aller Welten." Da fehlt ja dann nichts mehr.

 

Bleiben wir bei der Optik. Die tief liegenden runden Scheinwerfer in Voll-LED tragen nun ein Y-förmiges Lichtdesign. Darüber wie gehabt die nun schmalen Tagfahrlichter. Geblieben ist der dreidimensionale Kühlergrill.Und das coupéartig nach hinten abschwingende Dach. Die Rückleuchten ragen wieder dreidimensional aus der Karosserielinie hervor - allerdings dezenter als zuvor. Wählbar sind elf Lackierungen sowie bis zu 19 Zoll große Leichtmetallfelgen für die Radhäuser.

Irre Nähmaschine
Die größeren Dimensionen wirken sich vor allem im Innenraum aus. Der Radstand wuchs auf 2,636 Meter. Das verschafft den Passagieren in der zweiten Reihe nun 5,8 Zentimeter mehr Kniefreiheit. Ein Kritikpunkt an der ersten Generation des Juke waren gerade die arg beengten Platzverhältnisse im Fond. Nun geht es dort zwar nicht fürstlich zu - aber deutlich erträglicher. Besonders macht sich der Wachstumsschub auch über den Köpfen bemerkbar: Dort wuchs der Luftraum um immerhin gut einen Zentimeter. Der Kofferraum bietet mit jetzt 422 Liter Fassungsvermögen deutlich mehr als die der Mitbewerber und die Laderaumöffnung ist quadratischer und breiter als beim barocken Vorgänger. Be- und Entladen wird so deutlich einfacher.

Innen wirkt der Juke nach wie vor etwas arg auf jugendlich getrimmt: kräftige Farben, runde und geschwungene Formen, die Materialien sind hochwertig. Immerhin sitzt man jetzt etwas besser, die Sitze sind ausreichend weit verstellbar und komfortabel. Das in Tiefe und Neigung einstellbare Lenkrad ist unten abgeflacht, was auch das Einsteigen erleichtert. In der Mitte des Cockpits sitzt ein acht Zoll großes Display. Noch besser wäre, wenn das auch ansonsten gewöhnungsbedürftig Navigationssystem diese Größe besser nutzen würde - so ist die Darstellung eher auf dem Niveau von Briefmarken.

Basisversion ab 18.990 Euro
An Motoren lässt Nissan beim neuen Juke keine Wahl: Immer arbeitet der Dreizylinder-Turbobenziner unter der Haube. Er liefert aus einem Liter Hubraum eine Leistung von 86 kW/117 PS ab und ein maximales Drehmoment von 180 Nm, das zwischen 1.750 und 4.000 U/min. anliegt. Per Overboost sind kurzzeitig auch 200 Nm möglich. Sobald es in höhere Touren geht, hört sich der Motor an wie eine irre gewordene Nähmaschine, im moderaten Drehbereich ist er deutlich leiser und angenehmer im Klang. Ein Spurtwunder ist das Aggregat ebenfalls nicht - man muss fleißig schalten, um es bei Laune zu halten und selbst moderate Anstiege sind im sechsten oder selbst fünften Gang kaum möglich. Nissan gibt für den Standard-Spurt des 1,2 Tonnen schweren Juke eine Zeit von 10,4 Sekunden an (Automatik: 11,1 Sekunden), die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Immerhin arbeitet die 6-Gang-Handschaltung knackig und mit kurzen Wegen. Die optionale 7-Gang-Doppelkupplung kommt mit der Anfahrschwäche des Motors etwas besser klar.

Über die Lenkung lässt sich nur gutes sagen: präzise, mit genügend Rückmeldung und passendem Lenkwiderstand. Als Verbrauch nennt Nissan einen Schnitt von sechs Liter Super auf 100 Kilometer (nach der neuen NEFZ-Messung). Das wäre eine Emission von 136 g CO2/km. Real dürfte es schon ein gutes Stück mehr werden, da Dreizylinder im Alltag gerne gestriezt werden, um auf Leistung zu kommen. Das Fahrwerk ist meist moderat, nur wenn es auf der Straße besonders holprig zugeht, rumpelt es bis ins verlängerte Rückgrat hinein. Zwar gibt es einen Schalter, über den sich einer von drei Fahrmodi (Eco, Standard, Sport) anwählen lässt - aber viel Unterschied war beim Wechseln dann doch nicht zu merken.

Was die Assistenzsysteme betrifft, bietet der Juke eine sehr ordentliche Auswahl. Notbremsassistent mit Fußgänger- und Fahrradfahrererkennung, Spurhalte-, Totwinkel- Verkehrszeichen- und Querverkehrsassistent, intelligenter Geschwindigkeitsassistent und ProPilot, der den Juke automatisch in der Spur und sicherem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug hält - die Auswahl ist breit. Und natürlich fehlt auch nichts, was unter dem Stichwort Connectivity läuft: Internetanschluss, Smartphone-Integration, Google Assistant und Bose-Soundsystem inklusive Lautsprechern in den Kopfstützen. Das alles ist in der Basiversion ab 18.990 Euro zu haben. Für die teuerste Ausstattungsvariante ist man aber auch mit 29.990 Euro dabei.