Die jüngsten Klassikmessen in Paris, Essen und Stuttgart haben es eindrucksvoll gezeigt: die Preise auf dem Markt der Autoklassiker sind stramm bis teuer, wenn nicht gar astronomisch. Was kann man noch kaufen, um neben allem Fahrspaß eine ernsthafte Wertsteigerung zu erzielen? Wer ein paar Tipps beachtet, erspart sich eine risikovolle Fahrt ins Ungewisse, verbrennt kein Geld und hat am Steuer noch jede Menge Spaß mit seinem Klassiker.

Seit je her gelten Oldtimer als solide Wertanlage - zumindest wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Zunächst einmal sollte man sich die Frage stellen, ob es ein Oldtimer oder ein Youngtimer jüngerer Bauart sein soll. Die Übergänge sind fließender als irgendwelche Jahresgrenzen, die ganz nach Auslegung irgendwo zwischen 20 und 30 Jahren Alter liegen. Bis vor Jahren galt die uneingeschränkte Regel, dass Oldtimer wertstabiler und damit als rollende Anlage deutlich sicherer als Youngtimer seien. Das gilt für eine Reihe von Modellen nach wie vor, doch bieten einem Youngtimer mitunter die Möglichkeit, auf ein zunehmend begehrtes Modell aufzuspringen, dessen Preis sich noch auf einem günstigen Niveau befindet, in den nächsten Jahren jedoch nennenswert nach oben gehen wird. Bei vielen Oldtimer ist das Maximum bereits oftmals erreicht und das Preisniveau ändert sich kaum noch.

Wer sich für einen Klassiker entscheidet, sollte zunächst einmal das eigene Herz sprechen lassen. Denn ein Auto nur zu kaufen, weil es gerade günstig oder gut erhalten ist, ist nur den halben Weg. Wer keine italienischen Autos wie einen Alfa Spider oder einen Fiat 131 mag, sollte die Finger ebenso von ihnen lassen, wie ein Klassikfan, der sich über den historischen Wert eines Buchhaltermodells vom Typ Ford Granada oder Opel Rekord im Unklaren ist. Ist ein Traumauto wie ein Mercedes 300 SL, ein Porsche 356 oder ein BMW Z8 weit außerhalb des eigenen Finanzrahmens, heißt es, eine Alternative zu finden, die den Geldbeutel nicht schröpft und die eigene Stimmung in ungeahnte Höhen schweben lässt. Gerade das bieten nicht selten Youngtimer oder junge Oldtimer, weil man sich mit ihnen ein Stück Kindheit zurückholen kann. Oftmals fuhr der eigene Vater, der Onkel oder das nette Nachbar das Auto oder konnte sich genau dieses eben nicht leisten.

Schwieriger Porschemarkt

So ist es zu erklären, dass heute einst wenig charismatische Fahrzeuge aus den 70er oder 80er Jahren zu begehrten Oldtimern geworden sind. Wenig überraschend, dass echte Sportwagen, Cabrios /Roadster und Coupés begehrtes als schnöde Limousinen sind. Da der eigene Klassiker nur selten das Alltagsauto ist und insbesondere am Wochenende oder im Urlaub Spaß machen soll, ist die Nachfrage nach einem Modell wie dem Mercedes 280 SL der Pagodenbaureihe größer als nach einer Limousine aus der damaligen Zeit. Doch viele Preise sind längst durch die Decke gegangen. Eine top restaurierte Pagode vom Typ Mercedes 280 SL kostet heute schnell 300.000 Euro, ein mäßiges Modell noch immer über 100.000 Euro; vor wenigen Jahren war das kaum mehr als die Hälfte.

Wer einen Porsche sucht, braucht starke Nerven, ein prall gefülltes Bankkonto und Spaß bei der Suche. Gerade die Preise der 911er Modelle sind in den Jahren durch die Decke gegangen. Kosteten die wenig beliebten 911 SC aus Anfang der 80er Jahre vor Jahren rund 30.000 Euro, so sind hierfür längst 50.000 Euro oder mehr fällig. Gute Elfer-Modelle aus den Baureihen G, 964 und 993 sind kaum mehr zu bekommen und die Preis liegen in einem vertretbaren Pflegezustand mit durchsichtiger Historie durchweg über 60.000 Euro. der einst wenig geliebte Porsche 996 ist gerade als breitbackiger Carrera 4S oder Turbo ein Auto, was sich deutlich nach oben entwickelt. Längst sind auch Targas oder Versionen mit der mäßigen Getriebeautomatik begehrt. Nach wie vor sind deutsche oder europäische Fahrzeuge jedes Herstellers teurer als jene Importe aus den USA und längst sind Modelle aus Japan mit ihrem guten Pflegezustand und der durchweg geringeren Laufleistung viel mehr als ein Geheimtipp. Wer einen Mercedes 500 E oder einen Mazda MX-5 der jeweils ersten Serie sucht, keinen Toyota Corolla in Europa findet, wird hier ebenso fündig wie Fans von Audi, Jaguar, Aston Martin oder Land Rover / Range Rover.

Keine Buchhaltermodelle

Ein auf und ab gab es in den vergangenen Jahren für viele Modelle aus Frankreich und England. Modelle wie der Citroen 2CV, ein Renault R4 / R5 oder ein Peugeot 604 in Langversion stehen nicht nur bei frankophilen Autofans höher denn je im Kurs. Die Briten hatten schon immer ein Herz für Motorleistung, Zylinder und sich öffnende Cabriodächer. Mit einem Modell wie einem Rover 3500 SD1, einem Classic Mini oder einem Triumph TR6 fällt man am Wochenende oder im Oldtimerclub längst mehr auf, als mit jedem BMW 507 oder einem Porsche 911 S. Die Alltagsautos von einst sind heute begehrter denn je, wenn sie einen guten Pflegezustand, eine geringe Laufleistung und vielleicht sogar noch eine interessante oder gar komplette Historie haben. Wer sich mit der einzelnen Marke oder einem speziellen Modell nicht auskennt, sollte mindestens einen Experten hinzuholen. Ein Oldtimergutachten allein besagt wenig, denn die Zahl der Gefälligkeitsgutachten ist riesig und einen genauen Wert bilden die Gutachten nur sehr kurzfristig ab.

Dennoch ist ein oder mehrere Oldtimergutachten zumindest ein guter Anhaltspunkt zu Pflegezustand, durchgeführten Restaurationen, technischer Ausstattung und Realitätsnähe der versprochenen Laufleistung. Wer nicht nur Spaß am Steuer haben will, sondern auch sein Vermögen mehren möchte, sollte auch innerhalb einer Modellreihe nicht irgendetwas kaufen. Generell sind Sportmodelle und limitierte Editionen - auch mit seltenen Ausstattungen oder Farben - besonders begehrt. Zudem ist das Topmodell oder die höchste Motorisierung beliebter als andere Modelle. Bei der Ausstattung selbst sollte der Erstbesitzer damals nicht gespart haben, denn so hoch der einmalige Unterhaltungswert auf einem manuellen Flockvelourssitz oder mit Buchhalterausstattung auch ist: gesucht sind die bestmögliche Ausstattung, möglichst viele Kreuze in der Liste der Extras und eben die stärkste Motorisierung. Das sieht bei einem Porsche 944 CS nicht anders aus als bei einem Lancia Thema, Mercedes 600 SEL oder einem Jaguar XJR.