| von Wolfgang Gomoll

Die Modellpflege des Opel Crossland beginnt mit einem Minus. Wo früher noch stolz ein X im Namen des kleinen Crossovers prangte, herrscht jetzt gähnende Leere. "Genau wie der Mokka verzichtet der neue Opel Crossland jetzt auf das X als Namenszusatz. Damit wird das Modell-Portfolio weiter synchronisiert", erklärt ein Opel Sprecher. Gut, einen Allradantrieb bietet der Crossland ohnehin nicht - da kann auch das X verschwinden. Wenn es darum geht, warum es mit dem Mokka und dem Crossland bald zwei Modelle im gleichen Segment gibt, geraten die Rüsselsheimer Marketing-Spezialisten dann schon mehr ins Schwimmen. Dann wird der Mokka zum "ausdrucksstarken Crossover im urbanen Lifestyle", während der Crossland "funktionell und geräumig" sei, eben etwas für bodenständige Familien. Aha. Immerhin kommt die Beschreibung des Crossland ohne Denglisch aus. Aber dass zwei Fahrzeuge letztendlich um die gleiche Kundschaft buhlen, passt so gar nicht in die französisch-portugiesische Effizienz-Doktrin des Konzernchefs Carlos Tavares. Allerdings ist der Crossland seit seinem Erscheinen 2017 mit insgesamt rund 80.000 verkauften Einheiten die Nummer drei in der Opel-Rangliste in Deutschland und mit circa 350.000 Modellen international die Nummer zwei.

Gute Voraussetzungen also für den aufgefrischten Crossland, dem das Facelift optisch gut tut. Kaum parkt man das Auto, kommt ein Opel-Kenner um die Ecke und erkundigt sich nach dem Wagen. "Das ist doch der neue Crossland, oder?". Auf das "ja" und das selbstverständliche Gewähren der Bitte, sich mal den Innenraum ansehen zu dürfen, kommt die nächste fachkundige Aussage: "Da hat sich ja nicht so viel getan". Stimmt ebenfalls. Auf Wunsch gibt es ein jugendlicheres Interieur mit einigen farbigen Applikationen, aber das Herz des Infotainments ist nach wie vor ein Acht-Zoll-Monitor und die Grafik des Navigationssystems war schon vor drei Jahren, als der Crossland (damals noch mit X) erschien, nicht mehr aktuell.

Nur gut, dass die Möglichkeit besteht, sein Handy per Apple CarPlay und Android Auto zu "spiegeln" und man sich an der gewohnten App-Grafik des eigenen Smartphones orientieren kann - ein entsprechendes Datenvolumen vorausgesetzt. Bei den Assistenzsystemen trumpft der Crossland dann schon besser auf: Toter-Winkel-Warner, Tempomat, Head-up-Display (nach wie vor mit ausfahrbarem 3,5-Zoll-Bildschirm), eine 180-Grad-Rückfahrkamera und natürlich LED-Scheinwerfer mit Abbiegelicht, Fernlichtassistent samt automatischer Leuchtweitenregulierung - um nur einige zu nennen. Auch eine Verkehrszeichenerkennung unterstützt den Piloten, aber auf die sollte man sich nicht zu hundert Prozent verlassen, da sie ab und an mal ein Schild übersieht. Ist zwar selten der Fall und dass in einer Ortschaft keine 100 km/h zu fahren sind, ist ohnehin klar. Bei den schräg stehenden breiten C-Säulen ist der technische Schulterblick durchaus hilfreich, allerdings ist der Tote-Winkel-Warner nur in einem Geschwindigkeitsfenster zwischen zwölf km/h und 140 km/h aktiv.

Verbessertes Fahrwerk

Der 81 kW/110-PS-Motor passt gut zum 1.259 Kilogramm schweren Crossland. Allerdings wird der aufgeladene Dreizylinder erst jenseits von 2.500 U/min so richtig arbeitswütig. Das hält das Aggregat aber nicht davon ab, seine Präsenz mitzuteilen. Ansonsten hilft die Sechsgang-Handschaltung, die Triebwerks-Zurückhaltung im unteren Drehzahlbereich zu kaschieren und das Optimum aus dem maximalen Drehmoment von 205 Newtonmetern herauszuholen. So knackt das SUV nach 10,9 Sekunden die 100 km/h Marke und ist bis zu 187 km/h schnell. Damit ist man für die meisten Fahrten schnell genug unterwegs. Als Norm-Durchschnittsverbrauch gibt der Rüsselsheimer Autobauer 6,1 Liter pro 100 Kilometer an (WLTP). Wir kamen auf 6,9 l/100 km.

Bei unserer Fahrt im Prä-Faceliftmodell des Crossland (damals noch mit X) bemängelten wir das Fahrwerk, das hölzern anfederte, aber dann zum Nachwippen neigte. Die Opel-Ingenieure haben sich dieser Schwachstelle angenommen,"umfassend überarbeitet" und eine neue Dämpfer-Abstimmung ertüftelt. Durch die geringere Rückfederung (Zugstufe) und höhere Stoßdämpferkompression (Druckstufe) verhält sich das Fahrwerk jetzt harmonischer, auch wenn die konzeptbedingte Untersteuerneigung sich irgendwann gegen die Ingenieurskunst durchsetzt. Ein leichter Hang zum Nachwippen und Wanken in schnellen Kurven bleibt ebenfalls bestehen. Und weil die Rüsselsheimer Techniker gerade so schön in Fahrt waren, haben sie sich die Lenkung auch gleich vorgenommen. Ebenfalls mit Erfolg. Die Steuerung spricht spontan, aber nicht übernervös aus der Mittellage heraus an und ist deutlich mitteilsamer als bisher. Auf das erweiterte ESP "IntelliGrip" (bei Peugeot "Grip Control") aus dem PSA-Regal, bei dem die Stabilitäts- und Traktionskontrolle den Verhältnissen angepasst werden kann, müssen die Crossland-Käufer bis zum nächsten Jahr warten.

Unverändert bleiben die guten Sitze samt der ausfahrbaren Oberschenkelauflage. Die hinteren Plätze können um 15 Zentimeter in Längsrichtung verschoben werden, aber selbst wenn man das voll ausnutzt, wird es für Erwachsene jenseits der 1,83 Meter Körpergröße um das Haupt herum eng. Die Beinfreiheit ist ebenfalls nicht besonders üppig. Dass man den Winkel der Lehne verstellen kann, ist bequem, hilft aber bei der Kopffreiheit nur bedingt, da die Dachschräge sich nach unten neigt. Der Kofferraum bleibt mit einem Volumen von 410 bis 1.255 Liter und der mit 73 Zentimeter etwas zu hohen Ladekante gleich. Apropos hoch: Der Opel Crossland kostet aktuell mindestens 18.516,13 Euro und ist damit um rund 1.000 Euro günstiger als der Mokka. Die gefahrene 1,2-Liter-Variante schlägt mit 24.842,52 Euro zu Buche.

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