| von Stefan Grundhoff

Mit den Modellpflegen der meisten Autos ist es mittlerweile so eine Sache. Die Entwicklungsgelder sind knapp genug und dann fließt das meiste ohnehin in die neuesten Abgas- und Sicherheitsvorschriften. Für Optik und technische Raffinessen bleibt selbst in der umkämpften Mittelklasse nicht mehr viel Raum. Da macht Opel mit seinem Topmodell Insignia unter dem scharfen Spardiktat des Konzern-CEO Carlos Tavares keine Ausnahme - im Gegenteil. Da der 4,99 Meter lange Insignia als Relikt aus der jahrzehntelangen Kooperation von General Motor und Opel gemeinsam entwickelt wurde, bevor PSA ins Spiel kam, ist es für die Verantwortlichen von Opel ein schwieriger Spagat, das Mittelklassemodell fit für die kommenden Jahre zu machen ohne Geld zu verbrennen.

Immerhin lässt sich das neue Modell, das im September offiziell auf den Markt rollt, an seinem neuen Gesicht und einigen Designdetails als Neuling erkennen. Dabei strahlen die beiden LED-Augen an der Front zukünftig noch etwas intelligenter als bisher. Pro Scheinwerfer gibt es nunmehr 84 Lichtmodule, die den Bereich vor dem Fahrzeug ganz nach Geschwindigkeit und Umgebung nicht nur ideal ausleuchten sollen, sondern auch vorausfahrende und entgegenkommende Fahrzeuge aus dem ausgeleuchteten Bereich ausrastern.

Interessantester Insignia-Motor bleibt für Dienstwagenfahrer und Familienväter der zwei Liter große Commonraildiesel, der 128 kW / 174 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 380 Nm bietet, das zwischen 1.500 und 2.750 U/min anliegt und für kraftvollen Durchzug sorgt. Auch wenn die Geräuschdämmung des Insignia schon vor der Modellpflege zu den besseren ihrer Art gehörte, ist der Vierzylinderdiesel zwar kraftvoll, aber kein Leisetreter. Gerade bei höheren Drehzahlen wird der Motor akustisch präsenter als einige Konkurrenten, ohne dabei jedoch störend oder gar laut zu werden. Dabei sollten man gar nicht erst in Erwägung ziehen, sich für die Sechsgang-Handschaltung zu entscheiden. Die Achtgang-Automatik macht einen soliden Job, ohne dabei besonders aufzufallen. Anders als bei der Neungang-Automatik des Benziners gibt es keine Schaltpaddel am Lenkrad; doch wer will, kann die Gangwahl manuell am Getriebetunnel in einer zweiten Schaltebene beeinflussen.

Ab auf die Langstrecke

Aus dem Stand beschleunigt der Fronttriebler Opel Insignia 2.0 Diesel Sports Tourer in 9,1 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 221 km/h. Damit lassen sich auch längere Strecken mit höherem Tempo angenehm zurücklegen, auch wenn es ab Tempo 170 kraftvoller zugehen dürfte und ein stärkerer Selbstzünder der 200-PS-Liga ebenso schmerzhaft fehlt wie ein Allradantrieb. Der Normverbrauch von 5,0 bis 5,7 Litern Diesel sorgt dafür, dass die Reichweitenanzeige im nur teilanimierten Cockpit knapp 1.000 Kilometer anzeigt. So wünscht man sich einen Kilometerfresser, besonders in der beliebten Kombiversion namens Sports Tourer. Kauftipp ist der Opel Insignia 2.0 Diesel Kombi dabei in der edlen Ultimate-Ausstattung, die für 43.651 Euro unter anderem Details wie LED-Licht, elektrische Heckklappe, 18-Zoll-Radsatz, Acht-Zoll-Navigation sowie Alcantarainterieur bietet, deren Sitzheizung vorne wie hinten jedoch ebenso extra kostet wie die für Lenkrad und Windschutzscheibe. Serienmäßig gibt es viel Platz für bis zu fünf Personen und jede Menge Gepäck (560 bis 1.665 Liter). Bis auf weiteres nicht zu bekommen ist eine Plug-in-Variante, die aufgrund der GM-Plattform ebenso wie die ein oder andere technische PSA-Innovation außen vor bleiben muss.

Ohne Aufgeld wird beim Opel Insignia 2.0 Diesel Ultimate ST ein Fahrwerk verbaut, das in dieser Klasse keinen Vergleich scheuen muss. Dabei gefallen die präzise Lenkung, die geringen Aufbaubewegungen bei schnellen Lastwechseln und das ausgewogene Fahrwerk mit seinen Verstelldämpfern, wo besonders der weiche Touring-Modus Entspannung bringt. Straffer muss es in den Modi Normal und Sport gar nicht werden, denn als Kilometerfresser will man die langen Strecken nicht nur ohne Anstrengung, sondern auch flott zurücklegen. Dafür sorgen eben nicht nur die vielfältig elektrisch verstellbaren und klimatisierten Sitze mit einer auffallend blassen Massagefunktion, sondern auch die geringen Windgeräusche durch das Dämmglas und die gelungene Abstimmung von Lenkung, Fahrwerk und Antrieb. Da können die nächsten 600 Kilometer oder mehr einfach kommen - tanken kann man ja ohnehin später.

Der Eintrag "freemium_overlay_form_apr" existiert leider nicht.