Opels Marketingchefin Tina Müller ist nie um einen griffigen Slogan verlegen. Auf "Umparken im Kopf" folgt jetzt "Zukunft für alle". Dieser neue Wahlspruch würde jeder Partei, die an der Bundestagswahl teilnimmt, gut zu Gesicht stehen. Beim Rüsselsheimer Autobauer bedeutet das, dass Extras und Technologien, die eigentlich nur bei teuren Modellen zur Verfügung steht, jetzt auch bei Autos niedrigeren Klassen zu haben ist. Das Konzept ist bei Opel nicht neu. Früher hieß nur etwas technokratisch "Demokratisierung von Technik". Die Marke mit dem Blitz lässt dieser Ankündigung Taten folgen.Nützliche Extras und hilfreiche Assistenten, wie etwa Head-Up-Display, Toter-Winkel-Warner, Spurhalte-Assistent, adaptiver Tempomat und eine Surround-View-Kamera sind an Bord. Die künstlich generierte Vogelperspektive ist auch dringend nötig. Denn mit einer Länge von 4,99 Metern ist der Insignia Sports Tourer ein Trumm von einem Auto, das vor allem beim Blick nach hinten nicht das übersichtlichteste ist. Das Wachstum kommt vor allem den Fond-Passagieren zu Gute, die in der zweiten Reihe fürstliche Platzverhältnisse vorfinden.

Der Kofferraum legt ebenfalls zu und hat jetzt ein Volumen von 560 bis 1.665 Liter. Das sind 130 Liter mehr als beim Vorgänger, oder ein ganzer Koffer. Im Vergleich mit den Konkurrenten schneidet der Opel bei der Raumökonomie nicht immer überragend ab: Der Passat Variant ist 4,77 Meter lang (also 22 Zentimeter kürzer als der Insignia Sports Tourer) und hat ein Gepäckteil einem Fassungsvermögen 650 Liter bis 1.780 Liter, beim Ford Mondeo Turnier (4,87 Meter lang) sind es 525 Liter bis 1.630 Liter und beim Mazda 6 Kombi (4,81 Meter lang) 522 bis 1.664 Liter. Einiges an Blech und Platz ist daher vorhanden. Auch was die Ausstattung angeht, bietet der Kombi einiges. Der 125 kW / 170 PS starke Diesel mit der neuen Achtgangautomatik kostet in der umfangreichen Business Innovation Ausstattung 38.065 Euro. Der Testwagen, der beinahe alles bietet, was das Autofahrerherz begehrt, darunter einen Fahrersitz mit Massage-Funktion und adaptive Dämpfer schlägt mit 43.220 Euro zu Buche. Und wer will, kann dem Sports Tourer sogar ein großes Panorama-Dach gönnen, das es bei der Limousine nicht gibt. Selbst wenn die Technik nicht immer ganz so ausgefeilt ist, wie bei BMW, Mercedes und Audi, schlägt sich der Opel gegenüber den direkten Konkurrenten auf diesem Feld beachtlich. Auch der Innenraum kann sich sehen lassen, wenn man über das wenig ansehnliche Plastik der Blinkerhebel und mancher Bedieneinheiten hinwegseht. Immerhin gibt es beim Opel ein echtes Head Up Display und keinen ausklappbaren Plastikbildschirm.

Der 170 PS Diesel reißt trotz des maximalen Drehmoments von 400 Newtonmetern keine Bäume aus, hält sich aber akustisch vornehm zurück, was bei langen Strecken durchaus hilft. Schließlich ist der Sports Tourer das bevorzugte Fahrzeug von Handlungsreisenden. Die Fahrleistungen sind in Ordnung: Nach 8,9 Sekunden fällt die 100 km/h-Marke, bis 223 km/h schafft der Opel Lademeister und der Verbrauch von 5,5 l/100 km passt. Dass der knapp 1,7 Tonnen schwere Kombi bis zu 200 Kilogramm gegenüber dem Vorgänger abgespeckt hat, hilft der Agilität, auch wenn die Lenkung nicht den letzten sportlichen Pfiff vermittelt und ein Fünf-Meter-Schiff eher für die Abfahrt als den Slalom gemacht ist. Der Komfort ist die große Stärke des Sports Tourers, allerdings kann die eifrig agierende Achtgang-Automatik eine spürbare Atempause des Turboladers unterhalb von 2.300 Umdrehungen nicht kaschieren. Wer auf einen kraftvollen Antritt verzichten kann, ist mit dem 136-PS-Diesel und der Sechsgang-Handschaltung gut bedient. Wenn man den 1.6 Liter-Selbstzünder mit eifrigen Fahrstufenwechseln bei Laune hält, kommt man mit 212 km/h Top-Speed und einem Norm-Durchschnittsverbrauch von 4,5 l/100 km gut voran.