| von Stefan Grundhoff

Ein kompakter Crossover und dann noch aus dem Volumensegment als Basisvariante für mehr als 33.000 Euro? Noch vor zwei Jahren hätten die meisten Kunden da wild den Kopf geschüttelt. Doch das Elektrozeitalter sorgt nicht nur für lokal emissionsfreie Fahrzeuge, sondern auch für Kaufpreise, dass einem Hören und Sehen gleichermaßen vergehen. In Betracht kommen die Fahrzeuge für die meisten Kunden überhaupt nur durch niedrige Leasinggebühren und die stattlichen Subventionen von bis zu 10.000 Euro. Für viele dürfte der Opel Mokka mit einem 130-PS-Benziner trotzdem die bessere Wahl sein. Er startet ohne Bezuschussung immerhin bei knapp über 22.000 Euro.

Der neue Opel Mokka, wahlweise mit Benzin-, Diesel- oder Elektroantrieb zu bekommen, sieht fraglos klasse aus. Die Front mit dem nebulös kreierten Vizor-Design, einer schwarzen Kühlermaske im Stile von Zorro oder den historischen Seat-Boca-Negra-Modellen, ist markant und ebenso sehenswert wie das knackige Heck, die kurzen Überhänge und die großen Räder. "Klar und mutig - so sieht das Opel-Design der Zukunft aus. Der neue Mokka zeigt athletische Proportionen kombiniert mit präzise strukturierten, fließenden Oberflächen", sagt Opel-Designchef Mark Adams. Keine Frage, der Mokka sorgt optisch für Aufsehen, egal ob Elektroauto oder nicht. Unter dem schicken Dress gibt es allzu bekannte Technik aus dem PSA-Konzern. CMP-Plattform und Antrieb kennt man bereits von Modellen wie dem Opel Corsa, dem Peugeot 208 oder dem technischen Zwillingsbruder DS3 Crossback E-Tense. Daher gibt es auch schmale Kost bei der Antriebstechnik, denn der 4,15 Meter lange Mokka-e ist zwar in vier Ausstattungsvarianten zwischen 33.250 und mehr als stattlichen 40.180 Euro zu bekommen, aber beim Elektroantrieb gibt es keine Alternative und das gesamte Antriebsspektrum ist mit Leistungen zwischen 100 und 136 PS dünn.

Anders als der bisherige Opel Mokka gibt es die zweite Generation - 120 Kilogramm leichter geworden - nur noch mit Frontantrieb. Die Franzosen haben die Allradoption bei der CMP-Plattform einfach gestrichen. Das wird nicht nur in Österreich und der Schweiz viele Käufer kosten. Zudem sind 100 kW / 136 PS nicht viel für einen sportlich gezeichneten Crossover, der der Konkurrenz gerade auch in Köln und Wolfsburg Angst machen soll und zu so manchem Premiummodell herüberschielt. Das bestätigt sich im Fahrbetrieb, denn der stattliche 1,6 Tonnen schwere Klein-SUV ist ab dem Start zwar flott unterwegs, doch Bäume lassen sich mit ihm nicht ausreißen. Dafür sind 260 Nm einfach zu wenig. Immerhin geht es aus dem Stand in 9,0 Sekunden auf Tempo 100, doch abgeregelte 150 km/h Höchstgeschwindigkeit sind in deutschem Autobahntempo eine Verzichtserklärung, die so manchem Elektromodell die Kunden vergrault. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten ab Tempo 100 / 120 wird es mit der Beschleunigung oder einem kleinen Zwischenspurt auf Autobahn und Bundesstraße zäher, als es einem lieb ist.

Basispreis: über 33.000 Euro

Dabei würde das stramm abgestimmte Fahrwerk durchaus einiges mehr an Engagement und Leistung vertragen. Die Lenkung ist leichtgängig, könnte jedoch etwas mehr Rückmeldung über die Beschaffenheit der Fahrbahn geben. Dabei bringt der der Opel Mokka-e seine Leistung schon aufgrund des niedrigen Schwerpunktes gut auf den Boden und ist auch bei schnellen Wechselkurven kaum aus der Ruhe zu bringen. Doch es ist wie es ist: 100 kW / 136 PS / 260 Nm sind in dieser Gewichtsklasse eben nicht viel. Bei der Reichweite sortiert sich der Mokka-e im unteren Mittelfeld ein, denn eine maximale Reichweite von rund 310 Kilometern geht in Ordnung. Viel weniger darf mit Blick auf die üblichen Verbraucher oder niedrige Außentemperaturen nicht sein und ein zweites, größeres Akkupaket ist aktuell nicht in Planung. Die Kapazität der Batterie liegt bei 50 kWh, wobei der Normverbrauch des Mokka- knapp 18 kWh pro 100 Kilometer betragen soll. Im Gegensatz zum Opel Corsa-e gibt es serienmäßig das mehr als empfehlenswerte dreiphasige Laden. An der normalen Wallbox dauert das Nachtanken jedoch stattliche 5:15 Stunden. Deutlich akzeptabler sind die rund 30 Minuten, in denen der Akku an einer öffentlichen DC-Ladestation mit 100 kW auf immerhin 80 Prozent erstarkt.

So gefällig wie das schicke Äußere ist auch der Innenraum des Opel Mokka-e - zumindest auf den ersten Blick. Die animierten Instrumente und das zentrale Multifunktionsdisplay mit zehn beziehungsweise zwölf Zoll Diagonale gefallen. Die weithin sichtbaren Applikationen, die einem beim Topmodell Ultimate einen Karbonlook vergaukeln, wirken dagegen genauso preiswert wie die zahlreichen Hartplastikelemente in Armaturenbrett und Türtafeln. Dafür sitzt es sich bequem und wohl konturiert. Jedoch lassen sich die Sitze nur vorne beheizen und eine elektrische Heckklappe gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. So muss man selbst Hand anlegen, um die Klappe zu öffnen und den 310 bis 1.060 Liter großen Laderaum nutzen zu können. Dabei können die Finger schon einmal schmutzig werden.

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