| von Wolfgang Gomoll

Auch wenn der Chef eines großen Autobauers publikumswirksam am Steuer eines Elektrofahrzeugs die Alpen überquert, ergibt die Elektromobilität in den Städten aktuell am meisten Sinn. Doch die Nutzfahrzeuge haben die Automobilhersteller bisher eher stiefmütterlich behandelt. Das ändert sich jetzt: Mercedes bringt den EQV auf den Markt und Opel den Zafira-e. Für die Rüsselsheimer ist der Elektro-Kleinbus keine Raketenwissenschaft. Die Zutaten stammen wie schon beim Corsa-e aus dem PSA-Konzernregal. Man nehme die EMP2-Plattform, garniere diese mit einer Lithium-Ionen-Batterie und füge einen Elektromotor hinzu. Fertig ist der elektrische VW-Bulli-Gegner.

Damit jeder seinen passenden Zafira-e bekommt, gibt es den Stromer in drei Längen sowie mit zwei Batteriegrößen: 50 Kilowattstunden und 75 Kilowattstunden. Für manche Gewerbetreibende ist die Version mit den kleineren Akkus die beste Wahl, die immerhin eine Reichweite von 231 Kilometern verspricht. Wichtig ist dann allerdings, dass man eine zuverlässig ansteuerbare Ladestation hat. Wir waren mit einem Zafira-e in der M-Länge (4,96 Meter; S: 4,60 Meter und L: 5,30 Meter)) und dem großen Lithium-Ionen-Energiespeicher unterwegs. Das bedeutet eine Norm-Reichweite von 329 Kilometern.

Von außen sieht man dem elektrifizierten Großraumvan sein Elektro-Innenleben hauptsächlich an der Typenbezeichnung und der Ladeklappe vorne links an. Beim Entern des Fahrzeugs freut man sich über die gewohnte Umgebung und keinerlei Platzeinbußen aufgrund der Batterie, die unter den Boden geschnallt ist. Die Schiebetüre öffnet elektrisch und in unserer Version finden bis zu sieben Personen Platz. Richtig gemütlich ist es trotz der in Längsrichtung verschiebbaren Sitze nur in den ersten beiden Reihen. Ganz hinten geht es dann schon enger zu.

Drei Fahrmodi

Auch im Cockpit erwarten den Fahrer keine unliebsamen Überraschungen: Ein Head-up-Display mit Klappscheibe ist vorhanden, der Automatikregler am gewohnten Platz und die Sitze bequem. Allerdings fehlt die klassische Mittelkonsole und damit einige praktische Ablagen. Dass der Infotainment-Touchscreen nur sieben Zoll groß ist, stört dagegen kaum. Schließlich befinden wir uns in einem Nutzfahrzeug und nicht in einem Pkw mit allem Unterhaltungs-Pipapo.

Wie bei den PSA-Elektromodellen üblich bietet der Zafira-e drei Fahrmodi an, die eine direkte Auswirkung auf die Leistung haben. Wie beim Corsa-e bedeutet "Eco" auch beim Kompaktvan gebremster Schaum, denn es geht es beim Zafira-e mit 60 kW / 82 PS und 190 Nm vorwärts. Wir haben diesen Modus bei der ersten Ausfahrt getestet und festgestellt, dass es zum Mitschwimmen im Stadtverkehr locker reicht. Allerdings war das 2.140 Kilogramm schwere Fahrzeug leer, voll beladen dürfte es zäher vorangehen. Wir nutzten bergauf auf der Autobahn und zum Überholen kurzzeitig den Normal- (80 kW / 109 PS und 210 Nm) sowie den Sport-Modus (100 kW / 136 PS und 260 Nm) und kamen auf eine Reichweite von 319 Kilometern. In der Stadt und mit möglichst viel Rekuperieren sollen laut Opel sogar über 400 Kilometer drin sein. Um diese Option auszuschöpfen, reicht es nicht, den B-Knopf zu drücken, dann muss die Bremse her.

Förderung möglich

Der Vollständigkeit halber seien hier noch die Fahrleistungen des Zafira-e Life genannt: Nach 13,3 Sekunden sind 100 km/h erreicht und die Höchstgeschwindigkeit ist bei 130 km/h beschränkt. Opel gibt als Verbrauch 27,3 kWh / 100 km an, wir erreichten auf der ersten kurzen Runde 32,7 kWh. Immerhin beträgt die Anhängelast bis zu einer Tonne (gebremst bei zwölf Prozent Steigung). Aufgrund des um 350 Kilogramm höheren Gewichts als bei einem vergleichbaren Dieselmodell sind die Federn spürbar härter ausgelegt. Die Opel-Techniker haben versucht, dass mit einer moderaten Dämpferabstimmung zu kompensieren. Allerdings schwingt deswegen der Karosserieaufbau bisweilen etwas nach. Eine endgültige Einschätzung lässt sich auch hier erst mit einem voll besetzten Fahrzeug treffen.

Mit einem Grundpreis von aktuell 55.904,20 Euro (50 kWh) beziehungsweise 61.752,94 Euro (75 kWh) kann der Zafira-e mit 7.500 Euro gefördert werden. Dafür bekommt man auch einige Helfer, darunter einen hilfreichen Toter-Winkel-Assistenten und einen Spurassistenten. Wichtig ist auch, dass der Zafira-e einen 11 kW dreiphasigen Onboardlader (Tankdauer: 4 Stunden, 45 Minuten (50 kWh) beziehungsweise rund 7 Stunden für die 75 kWh Batterie) verbaut hat. Nutzt man die 100 kW Schnelllademöglichkeit, sind die 50-kWh-Akkus in rund 30 Minuten zu 80 Prozent gefüllt, die 75-kWh-Version benötigt 15 Minuten länger. Ende des Jahres sollen die ersten Modelle beim Händler stehen und sind auf alle Fälle einen Blick wert.

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