Hybridpionier Toyota freut sich wie kaum ein anderer, dass die bei den Japanern zumeist ungeliebten Dieselmotoren immer mehr in Verruf geraten. Nachdem die vergangenen Jahre in vielen europäischen Ländern alles andere als erfolgreich waren und der Marktanteil in einem Land wie Deutschland abstürzte, hat sich Toyota erholt; insbesondere, weil die eigenen Hybridmodelle von den Dieselproblemen profitierten. Da kommt der erneute Rückruf von 2,4 Millionen Hybridautos zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, weil man Volkswagen als größten Autohersteller der Welt so schnell als möglich ablösen will.

Beim jüngsten Toyota-Rückruf geht unter anderem um Software-Probleme und Brandrisiken bei den beiden Modellen C-HR / Prius im Motorraum. Der weltweite Massenrückruf kommt zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn gerade starten die Japaner eine Offensive, wollen mit Modellen wie dem Camry, sowie den jüngst vorgestellten Modellen Corolla und Supra emotionaler werden. "Qualität, Hybrid und TNGA (Toyota New Global Architecture) sind die drei Säulen unseres künftigen Wachstums in Europa", sagt Johan van Zyl, Präsident und CEO von Toyota Motor Europe. "durch die Stärkung dieser Grundlagen bleiben wir auf Kurs in Richtung nachhaltiges Wachstum. Wir erwarten für 2018 Zuwächse bei Absatz, Hybridmix und Gewinn und nähern uns damit unseren Zielen für 2020. Aber wir stehen nicht still: Die Bedürfnisse unserer Kunden ändern sich - und damit auch unsere Lösungen. Wir werden zunehmend neue Konnektivitäts- und Mobilitätsdienste in Europa anbieten und damit eine noch bessere Mobilität für alle ermöglichen."

Toyota gilt weltweit als der Hersteller, der den Hybridantrieb speziell in den USA und Asien hoffähig gemacht hat. Die Japaner haben bis zu diesem Sommer mehr als zwölf Millionen Hybridfahrzeuge verkauft; den Großteil davon jedoch nicht als moderne Plug-In-Hybriden und allein diese gelten in China zusammen mit reinen Elektrofahrzeugen als die subventionierte Klasse der NEV (New Energy Vehicles). Nur ein vergleichsweise kleiner Anteil des hybriden Bestsellers Prius wird beispielsweise als Plug-In-Variante verkauft, die an der Steckdose geladen werden und eine bescheidene Strecke von rund 25 Kilometern elektrisch zurücklegen kann. Ein Grund für die Kaufzurückhaltung beim Prius PHEV ist der üppige Aufpreis, denn während der Toyota Prius Comfort beispielsweise in Deutschland bei 30.290 Euro startet, kostet der identische Prius als Plug-In-Hybrid mindestens 37.550 Euro - ein Kostennachteil, der sich in dem normalen Lebenszyklus durch die Ersparnis von Kraftstoffkosten kaum herausfahren lässt.

Solides Jahr 2018

China fördert jedoch nur noch seine politisch gewünschten NEV-Modelle, die allein aus Plug-In-Hybriden und Elektrofahrzeugen bestehen. Auch in den USA will man zukünftige Hybriden speziell dann fördern, wenn diese rein elektrisch eine Strecke von mindestens 70 bis später wohl 100 Kilometern rein elektrisch fahren können. Um beim anhaltenden Wachstumstrend in China nicht außen vor zu bleiben, wird FAW Toyota, einer beiden lokalen Kooperationspartner, in den nächsten Monaten fünf neue Modelle vorstellen. Darunter befinden sich eine Plug-in-Hybrid-Variante des Volumenmodells Corolla und die neuen Generationen von RAV4, Corolla und Vios. Zudem will Toyota sein aktuelles Topmodell Avalon ab diesem Herbst auch in China produzieren und mit dem Verkauf im März beginnen. Der Toyota Corolla PHEV basiert auf der bestehenden Corolla-Limousine. Gerade diese PHEV-Modell dürfte sich in China einer großen Nachfrage erfreuen, weil bereits die normale Version mit Verbrennungsmotor zu einem der meistverkauften Modelle im Kompaktwagensegment geworden ist. Der zweite lokale Kooperationspartner GAC Toyota bietet bereits das amerikanische Volumenmodell Camry an, der ab 2019 auch wieder als Hybridversion auch nach Europa kommen soll. Oberklassemodell Avalon und Mittelklasseversion Camry sind dabei mit dem gleichen Hybridsystem unterwegs; werden kurzfristig jedoch nicht als Plug-In angeboten. Weil die Nachfrage nach Elektroautos in China stark wächst, bringt Toyota 2020 das erste Elektromodell auf den Markt. Bis 2022 / 2023 könnten es sogar fünf elektrische Modelle werden.

Erst kürzlich hatte Toyota seine weltweiten Verkaufs- und Produktionsprognosen für das laufende Jahr marginal angehoben. Das Unternehmen geht davon aus, dass der weltweite Absatz auf 10,52 Millionen Einheiten (ehemals 10,5 Millionen) ansteigen wird. Die Prognose wird insbesondere aufgrund der chinesischen Verkäufe verbessert. Das Unternehmen aus Tokio hat Anfang des Jahres das globale Produktionsziel bei 10,4 Millionen und das Umsatzziel bei 10,5 Millionen angegeben, was einem Wachstum von 0,8 bzw. 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zuvor hatte Toyota angekündigt, die Autoproduktion in China bis 2030 auf 3,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu verdreifachen, während die China-Importe auf 500.000 Einheiten steigen sollen.

Konzentration auf China

Die Japaner versuchen nicht nur weltweit mehr Fahrzeuge zu verkaufen, sondern auch die eigene Hybridtechnik an andere Hersteller zu vertreiben. Allzu gerne hätte man mit der deutschen Konkurrenz und hier speziell mit BMW zusammengearbeitet, mit denen man ab 2019 das Sportwagendoppelpack aus BMW Z4 und dem Schwestermodell Toyota Supra produzieren lässt. Doch die deutsche Konkurrenz rümpft über die Hybridmodelle ohne Plug-In-Funktion und die betagten Lithium-Ionen-Akkus seit Jahren die Nase. Nachdem man zunächst Hersteller wie Mazda für eine technische Zusammenarbeit gewinnen konnte, wurde Toyota nunmehr auch in China fündig. Eine Kooperation mit Geely soll es ermöglichen, Kunden eine breite Palette von Plug-In-Hybriden und Elektromodellen anbieten zu können. Geely hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 rund 90 Prozent seines Umsatzes mit NEV-Verkäufen zu erzielen, davon 35 Prozent BEV und 65 Prozent Plug-In-Hybriden.

Toyota plant, die Kapazitäten in seinem chinesischen Werk Guangzhou kurzfristig auf 120.000 Einheiten zu erweitern. Mit den zwei Hybridvarianten von Corolla und Levin wird Toyota sein NEV-Produktionsvolumen in China im kommenden Jahr von derzeit 41.500 auf 74.100 im Jahre 2020 beinahe verdoppeln. Um die NEV-Lücke so schnell als möglich zu schließen, wird Toyotas Joint Venture mit der Guangqi Automotive Corporation zudem das vollelektrische Modell des GAC iX4 herausbringen, der auf der gleichen Architektur wie der Chuanqi GS4 unterwegs ist. Der Produktplan von Toyota sieht vor, bis zum Jahr 2030 ein NEV-Verkaufsvolumen von insgesamt 5,5 Millionen Einheiten zu erreichen; wobei die neuen Modelle zunächst für den chinesischen Markt gedacht sind. Laut Prognose von IHS Markit wird Toyotas NEV-Produktionsvolumen bis 2022 auf 160.000 Einheiten steigen.