| von Stefan Grundhoff

An sich war der 911 Targa vor Jahren dem Tode geweiht. Mit der Elfer-Generation des Porsche 993 verkam das ehemals manuell herausnehmbare Targadach aus Komfortgründen zu einem gläsernen Schiebedach - zugegeben üppigen Ausmaßes und mit elektrischer Bedienung. War die überdimensionale Dachluke in der ersten Generation zwar schick anzuschauen, aber nicht gerade für uneingeschränkte Dichtigkeit bekannt, wurden diese Probleme bei den Nachfolgegenerationen 996 und 997 ausgemerzt. Doch es blieb wie es war. Wer ein wirklich offenes Auto wollte, der entschied sich eben für ein 911 Cabriolet von Porsche- die meisten anderen für das Coupé mit oder ohne Schiebedach.

Erst bei der vergangenen 991er-Generation wurde der Targa wieder zu einem echten Targamodell; stark angelehnt an das Cabriolet. Genauso sieht es beim aktuellen Elfer aus, denn auch beim 911 der Generation 992 sind Targa und Cabrio technisch weitgehend baugleich - allein das Stoffdach wird beim Targa durch ein zweiteiliges Dachkonstrukt ersetzt. Mit einem Druck auf das Bedienmodul erhebt sich die ungemein schicke Glaskuppel der Heckscheibe, fährt nach hinten und verschluckt auf beinahe geheimnisvolle Art und Weise das eigentliche Dach. So haben die beiden Insassen nach knapp 20 Sekunden ungestörten Blick nach oben und können gerade bei heruntergelassenen Seitenscheiben die Landschaft des Schwarzwaldes genießen. Ab Tempo 70 müssen sich die Targa-Fahrer zumindest akustisch mit den Verwirbelungen im Innenraum arrangieren, die sich in etwa so anhören, als ob man bei höheren Geschwindigkeiten die hinteren Seitenscheiben an einem Auto geöffnet hat. Nicht wirklich nervig, aber eben nicht so geräuschlos, wie man in einem 911 Cabrio unterwegs ist.

Unverändert ist der Porsche 911 Targa nur als Allradler zu bekommen. Der normale Targa 4 ist dabei mehr als ausreichend; der 4S trotzdem das meistgekaufte Modell. "Das liegt daran, dass die Targa-Modelle neben dem Turbo besonders komplett ausgestattet sind", erläutert Baureihenleiter Frank-Steffen Walliser. Daher eher unverständlich, dass Porsche seinen 911 Targa auf Wunsch auch mit der kaum nachgefragten Handschaltung anbietet. Besser passt zum Targa unzweifelhaft das gut abgestufte Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Wer manuell in die Gangwahl eingreifen will, kann das über die Schaltpaddel ohnehin jederzeit tun. Die Sitze sind top, die Verarbeitung ebenfalls. Geschmacksache bleibt der analoge Drehzahlmesser in der Mitte der Instrumente. Er wirkt alles andere als modern.

Targa 4 reicht locker aus

Der aufgeladene Dreiliter-Boxermotor ist mit seinen 331 kW / 450 PS eine grandiose Besetzung für den Porsche 911 Targa 4S. Dank 530 Nm maximalem Drehmoment bietet der Targa 4S offen wie geschlossen Fahrleistungen, die man bis vor wenigen Jahren allein vom Topmodell 911 Turbo / Turbo S her kannte. Aus dem Stand donnert das Teilzeit-Cabrio in spektakulären 3,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht kaum weniger beeindruckende 304 km/h Spitze. Doch auch mit dem kleineren 385-PS-Aggregat und seinen 450 Nm kann man sehr schnell und überaus ambitioniert unterwegs sein. Serienmäßig bieten beide Doppelkupplung, Allradantrieb und elektronische Dämpferregelung, deren Spreizung gerne noch etwas breiter sein dürfte. Jedoch hat nur der Targa 4S serienmäßig die elektronisch geregelte Quersperre an der Hinterachse, die gerade bei kurvenreicher Straße ein Gewinn ist. Den Rest regeln das exzellente Fahrwerk und die präzise Lenkung.

Während der Basis-Bügel vorne auf 19-Zöllern und hinten auf 20-Zöllern rollt, ist der sportlicher positionierte Porsche 911 Targa 4S mit 20-/21-Zöllern unterwegs. Kein Muss ist die Keramik-Composite-Bremsanlage. Die Preise starten bei 128.486 Euro für den 911 Targa 4 und bei 143.956 Euro für den 911 Targa 4S. Mittlerweile hat der Porsche 911 - als Targa ebenso wie als Coupé oder Cabrio - auch bei den Sicherheits- und Fahrerassistenzsystemen deutlich nachgelegt. Erstmals gibt es nicht nur einen Abstandstempomat, sondern auch eine Bodenfreiheit, die sich für wiederkehrende Ein- und Ausfahrten frei programmieren lässt. Schließlich soll es aus dem Schwarzwald auch einmal wieder heim gehen.

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