Nachdem Porsche vor Jahren über Nacht seine Dieselmodelle einstellte und damit insbesondere die Kunden des gerade in Europa überaus erfolgreichen Macan Diesel vor den Kopf stieß, geht es diesmal überlegter zur Sache. Auch weil viele Händler auf die Barrikaden gingen, als sich herumsprach, dass der kommende Porsche Macan ein reiner Elektro-SUV werden würde, entschieden die Porsche-Verantwortlichen, dem aktuellen Macan mit einer zweiten Modellpflege nochmals eine Verlängerung des Lebenszyklus zu geben. "In Europa steigt die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen kontinuierlich. Das Entwicklungstempo in den Weltregionen in Bezug auf die Elektromobilität ist jedoch unterschiedlich", erläutert Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner, "wir bringen daher im Jahresverlauf 2021 ein weiteres Nachfolgemodell des aktuellen Macan mit konventionellem Antrieb."

Derweil ist das Entwicklungsteam des Porsche Macan bereits mit der neuen, elektrischen Generation unterwegs. Bisher liefen die Tests vorrangig auf dem streng gesicherten Testgelände in Weissach, doch zunehmend geht es jetzt auf die öffentlichen Straßen und auf externe Testgelände in aller Welt. "Die Erprobung im realen Umfeld beginnt und ist einer der wichtigsten Meilensteine im Entwicklungsprozess", sagt Steiner. Bis zur Markteinführung des ersten vollelektrischen Macan im Jahre 2023 sollen weltweit rund drei Millionen Testkilometer unter verschiedenen Bedingungen absolviert werden. Dabei steckt in den Prototypen bereits einige Erfahrung aus ungezählten Versuchskilometern - gefahren im virtuellen Raum am Rechner.

Seit Jahren setzen die Entwickler aller Hersteller auf Tests an Hochleistungsrechnern, was gleichermaßen Zeit und Kosten spart. Statt realer Fahrzeuge aus dem Prototypenbau, die zumeist pro Stück viele hunderttausend oder gar Millionen Euro kosten können, nutzen die Ingenieure digitale Prototypen, die anhand von Rechenmodellen Eigenschaften, Systeme und Aggregate des zukünftigen Fahrzeugs mit hoher Genauigkeit nachbilden. Beim Elektro-Macan gibt es aktuell 20 digitale Prototypen für Simulationen in den verschiedenen Entwicklungskategorien wie Aerodynamik, Energiemanagement, Bedienung oder Akustik. "Wir führen den Datenstand der einzelnen Fachbereiche regelmäßig zusammen und bauen damit ein möglichst detailliertes virtuelles Gesamtfahrzeug auf", erklärt Andreas Huber, Teamleiter für digitale Prototypen bei Porsche.

Andere Temperaturbereiche für den Elektro-Macan

Die Vorarbeiten für den kommenden Porsche Macan, der auf der neuen Elektroplattform PPE entsteht, laufen bereits seit langem. "Wir haben schon beim Projektstart vor rund vier Jahren mit einem Umströmungsmodell begonnen", berichtet Thomas Wiegand, Leiter der Aerodynamikentwicklung. Wie bei allen Fahrzeugen mit Elektromotor kommt der Aerodynamik eine besondere Bedeutung zu, da selbst kleinste Verbesserungen in der Strömung große Auswirkungen haben können. Neue Methoden ermöglichen mittlerweile eine präzise Simulation von Aero- und Thermodynamik. "Bei der Entwicklung des vollelektrischen Macan ist die digitale Welt unverzichtbar", betont Aerodynamiker Wiegand.

Das elektrische Antriebssystem von der Batterie bis zum Motor erfordert ein ausgeklügeltes Konzept von Kühlung und Temperierung, das sich von dem eines Fahrzeugs mit konventionellem Antrieb wesentlich unterscheidet. Während bei Verbrennungsmotoren ein Temperaturfenster von 90 bis 120 Grad angestrebt wird, verlangen Elektroantrieb, Leistungselektronik und die Hochvoltbatterie je nach Komponente einen Bereich zwischen 20 und 70 Grad. Kritische Szenarien gibt es weniger beim Fahren, sondern eher beim Hochgeschwindigkeitsladen bei hohen Außentemperaturen.

Straßentests sind trotz Simulationen unverzichtbar

Doch nicht nur die Aerodynamik und erste tausende von Testkilometern wurden am Rechner abgespult; auch das neue Anzeige- und Bedienkonzeptes für die nächste Macan-Generation entstand rein virtuell und wurde dann in erste Sitzkosten gebracht. "Durch die Simulation kann man Anzeigen, Bedienvorgänge und wechselnde Einflüsse während der Fahrt aus Fahrersicht beurteilen", erklärt Fabian Klausmann aus dem Entwicklungsbereich Driver Experience. Testfahrer sind dabei nicht nur die Experten selbst, sondern auch fachfremde Probanden. Bis ins kleinste Detail können so alle Interaktionen zwischen Fahrer und Fahrzeug untersucht und gezielt optimiert werden, noch bevor das erste physische Cockpit entsteht.

Nach umfangreichen Tests sowie entsprechenden Baugruppen- und Designfreigaben wurden nunmehr erste physischen Prototypen des vollelektrischen Macan Realität. Sie werden regelmäßig der virtuellen Weiterentwicklung angepasst. Umgekehrt fließen die Erkenntnisse aus der Straßenerprobung direkt in den digitalen Entwicklungsprozess ein. "Die Dauererprobung auf abgesperrten Prüfgeländen und öffentlicher Straße unter realen Bedingungen ist nach wie vor unverzichtbar, um die Fahrzeugstruktur, die Betriebsfestigkeit und die Zuverlässigkeit von Hardware, Software und aller Funktionen nach unseren hohen Qualitätsmaßstäben abzusichern", unterstreicht Porsche-Vorstand Steiner. Das herausfordernde Testprogramm unter klimatischen und topografischen Grenzbedingungen umfasst beim vollelektrischen Macan unter anderem Disziplinen wie das Laden und die Konditionierung der Hochvoltbatterie. "Der vollelektrische Macan mit seiner 800-Volt-Architektur wird ebenso wie der Taycan eine Porsche-typische E-Performance bieten", verspricht Steiner und nennt als Entwicklungsziele unter anderem eine langstreckentaugliche Reichweite, hochleistungsfähiges Schnellladen und reproduzierbare Best-in-Class-Fahrleistungswerte. Eines wurde allen Entwicklern von Steiner ins Lastenheft geschrieben: "Der vollelektrische Macan wird das sportlichste Modell in seinem Segment sein."

Kostenlose Registrierung

Newsletter
Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Ich habe die AGB, die Hinweise zum Widerrufsrecht und zum Datenschutz gelesen und akzeptiere diese.

*) Pflichtfeld

Sie sind bereits registriert?