Die Konkurrenz hat zuletzt mächtig draufgesattelt. Mercedes hat seinen AMG-GLC schon seit längerem mit 476 sowie 510 PS im Angebot und kürzlich zog erstmals auch BMW nach. Der Doppelpack aus X3 / X4 bekam das lange geforderte Garchinger M-Logo verliehen. Diese Weihen brachten den beiden Kraftpaketen ebenfalls jeweils 480 bzw. 510 PS. 0 auf Tempo 100 in kaum mehr als fünf Sekunden und 285 km/h Spitze sind wüste Werte für einen Familien-SUV der beliebten Mittelklasse. Ähnlich viel Dampf hat noch der Alfa Romeo Stelvio QV, der seine 510 PS ebenfalls überaus dynamisch an beide Antriebsachsen verteilt und mit brüllendem Klang ebenfalls über 280 km/h schnell ist. Etwas überraschend, dass das Topmodell des Porsche Macan mit dem Turbo-Signet am Heck mit nur 324 kW / 440 PS ein derart nennenswertes Leistungsdefizit hat. Das gilt auch für das maximale Drehmoment, das mit 550 Nm zwar bereits ab niedrigen 1.800 U/min anliegt und bis 5.600 Touren stetig auf Abruf steht. Doch die Konkurrenz holt aus sechs bzw. sogar acht Brennkammern bis zu 700 Nm heraus.

Dabei täte man dem 4,68 Meter langen Porsche Macan Turbo Unrecht, ihn zu einem lahmen Gaul abzustempeln. 440 PS, 0 auf Tempo 100 in exzellenten 4,5 Sekunden und 270 km/h sind prächtige Werte und die Lässigkeit, mit der der zwei Tonnen schwere Mittelklasse-SUV seine Leistung auf den Boden zaubert, ist allemal beeindruckend. Doch weder der Auftritt noch die Fahrleistungen des Macan Turbo sind so, wie man sie von einem Topmodell mit Turbo-Schriftzug erwartet. Die Lenkung ist grandios, die Bremsen sind klasse und die Abstimmung von Federn sowie Dämpfern ist ohnehin eine Liga für sich. Statt einer Luftfederung reicht vorne wie hinten eine fein abgestimmte Einzelradaufhängung mit Stahlfedern inklusiv variabler Dämpferverstellung. Echten Fahrspaß kann man eben nicht nur eine Klasse darüber erleben. Gerade diese SUV-Mittelklasse bietet für viele Kunden eine perfekte Symbiose aus Alltagsnutzen und Sportlichkeit. Doch 440 PS sind mittlerweile in dieser Klasse zu wenig, als dass einem der Mund offen stehenbleiben würde. Der Normverbrauch: 9,8 Liter Super Plus auf 100 Kilometern.

Der Porsche Macan Turbo ist prächtig motorisiert und fährt sich auf Landstraße oder Autobahn mehr als dynamisch, doch es fehlt eben der giftige Pfeffer, der einem beim 911 Turbo die Sinne raubt oder einen beim Panamera Turbo SE in die Sportsitze presst. Zudem würde eine Mehrstufenautomatik wohl gerade im Komfortbereich einen lässigeren Job als das siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe machen. Das arbeitet gerade unter Last überzeugend; hat jedoch die ein oder andere Komfortschwäche bei langsamer und mittelschneller Fahrt in niedrigen Drehzahlen.

Der Innenraum zeigt sich im bekannten Look, denn Porsche brachte im mindestens 91.922 Euro teuren Macan Turbo zwar sein neues 10,9 Zoll großes Touchdisplay in die Mittelkonsole, doch der mit Schaltern überfrachtete Mitteltunnel und die analogen Instrumente wirken im Gegensatz zu den perfekt sitzenden Sportstühlen etwas in die Jahre gekommen. Das gilt nicht für das Ladevolumen, denn das ist mit 488 bis 1.503 Litern ebenso auf der Höhe wie das Platzangebot im Allgemeinen. Gerade weil die Rückbank in einem Modell wie dem Porsche Macan Turbo nur selten von Personen besetzt sein dürfte.