| von Stefan Grundhoff

Porsche setzt abseits des 911ers derzeit nahezu alles auf den Elektroantrieb. Das gilt nicht nur für den Taycan, sondern auch für sein Erfolgsmodell, den Panamera. Waren von dem bisher nur zwei Varianten als Plug-in-Hybride zu bekommen, so haben die Schwaben mit der jüngsten Modellpflege eine dritte Version nachgelegt. Nicht zuletzt auch um die Kunden abzuholen, die sich nach wie vor einen Kilometerfresser mit Dieselmotor gewünscht hätten. Wer nicht unbedingt das Topmodell mit mittlerweile 700 PS als Panamera Turbo S E-Hybrid bewegen möchte, ist mit dem Panamera 4S E-Hybrid und seinen stattlichen 560 PS bestens bedient. Doch es geht auch anders, denn wer meist auf der Autobahn unterwegs ist und alltags wie wochenends mit hohen Tempi seine Kilometer schrubbt, dem bringt die Teilzeitelektrisierung kaum etwas. Für ihn ist der Porsche Panamera 4S die rechte Wahl, denn er hat nennenswert mehr Leistung als der blasse Basissechszylinder und verfügt obligatorisch über den mehr als empfehlenswerten Allradantrieb.

Statt der blassen 330 PS des Basis-V6 und den imposanten 560 PS des 4S E-Hybrid muss der Porsche Panamera 4S allerdings ebenfalls mit sechs Zylindern auskommen. Dank Turboaufladung leistet der 2,9 Liter große V6 immerhin 324 kW / 440 PS und ein maximales Drehmoment von üppigen 550 Nm, das stetig zwischen 2.000 und 5.500 U/min zur Verfügung steht. Der Klang tönt typisch nach einem hungrigen V6 und leider nicht so bullig wie ein V8, doch sonst kann man dem Panamera 4S nicht viel vorwerfen. Der zwei Tonnen schwere Viertürer beschleunigt dank guter Gewichtsverteilung sowie Allradantrieb aus dem Stand in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von stattlichen 295 km/h. Wer es darauf anlegt, presst den 5,05 Meter langen Koloss in knapp zehn Sekunden über die 160-km/h-Marke und knackt die 200er-Marke in 15,8 Sekunden. Noch imposanter neben der direkten Ansprache des Triebwerks ist der Zwischenspurt. Von Tempo 80 auf 120 km/h bei einem schnellen Überholmanöver auf Autobahn oder Landstraße dauert es mit 2,8 Sekunden kaum länger als einen realen Augenblick.

Dabei lockt der Porsche Panamera 4S mit einem Normverbrauch von 8,8 Litern Super auf 100 Kilometern. Weit entfernt von den illusorischen 2,0 Litern Verbrauch, mit denen die 560 PS starke 4S-PHEV-Version zumindest auf dem Papier lockt, wenn sie mit einem prall gefüllten Akkupaket unterwegs ist. Real sollte es flott bewegt ohne Elektrounterstützung mit unter elf Litern Super für die 4S-Variante gehen - allemal ordentlich für eine zwei Tonnen schwere Luxuslimousine mit 440 PS und knapp 300 km/h Höchstgeschwindigkeit. Und die 75 Liter Tankvolumen sorgen dafür, dass man die Zapfsäule nicht allzu oft ansteuern muss. Was dem Fahrer unter Umständen abgehen könnte, ist der elektrische Fahrgenuss. Nach der Modellpflege sind die hybriden Panameras mit einem 17,9-kWh-Batteriepaket unterwegs, das die elektrische Reichweite auf bis zu 54 Kilometer erhöht.

Komfortabler als zuvor

Wer will, kann die elektrische Reichweite bis zur Einfahrt in den Innenstadtbereich mit dem Programm E-Hold halten oder den leeren Akku mit E-Charge wieder bis auf 80 Prozent erstarken lassen. Das alles bleibt beim Panamera 4S außen vor und vielen Fahrern dürfte das wohl durchaus gefallen. Einsteigen, losfahren und bei Bedarf an der Tankstelle flüssiges Gold nachtanken - dazwischen hat man jede Menge Fahrvergnügen, denn das Fahrwerk des Porsche Panamera ist durch die Modellpflege besser und insbesondere komfortabler geworden. Der Panamera schaffte vorher den Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit gekonnt; nunmehr noch etwas besser, weil das Entwicklungsteam rund um Thomas Friemuth sich nicht nur die sportliche Seite der viertürigen Schräghecklimousine vorgenommen hat, sondern dem Schwaben auch bessere Langstreckenattribute mitgaben.

"Wir wollten den Spagat noch weiter spreizen und die großen Stärken des Panamera betonen", erklärt Thomas Friemuth, "deshalb haben wir das Auto sportlicher und zugleich komfortabler gemacht. Dafür haben wir den Fahrkomfort und die Kurvenstabilität durch die Optimierung aller Fahrwerksysteme spürbar erhöht." Das gelang insbesondere durch eine Verbesserung der elektromechanischen Wankstabilisierung, geänderten Verstelldämpfern und neuen Lagern für Motoren sowie Achsen. Dagegen halten sich die optischen Veränderungen nach der Überarbeitung des mindestens 118.221 Euro teuren Porsche Panamera 4S in engen Grenzen. Etwas Feinschliff an der Front und am Heck lassen den Viertürer mehr als zuvor an das Aushängeschild 911 erinnern. Im Innenraum nimmt der Fahrer das neue Lenkrad und einen modernen Zentralbildschirm wohlwollend zur Kenntnis. Die Sitze sind exzellent, aber straff bezogen und wohl konturiert. Auch hinten lässt es sich gut sitzen; dafür sorgt schon der Radstand von 2,95 Metern. Der Laderaum bleibt unverändert - je nach Lage der Rücksitze zwischen 495 und 1.334 Litern.

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