| von Stefan Grundhoff

Porsche ist ein Meister der Scheibchenlehre. Kein anderer Hersteller holt aus einem solch überschaubaren Produktportfolio so viel Variantenreichtum heraus und verdient damit derart viel Geld. Während sich andere Marken bemühen, die Varianzen an allen Ecken und Enden zu reduzieren sowie das Portfolio ebenso einfach wie übersichtlich für die Kunden zu machen, stellen die Zuffenhausener die Fans vor eine große Aufgabe. Bestes Beispiel ist der überarbeitete Porsche Panamera. Optisch hat sich kaum etwas getan und selbst Experten müssen zweimal hinschauen, ob es sich um das neue Modell oder den bisherigen Vier-Tür-Spaßmacher handelt. Doch unter dem Blech gab es viel Liebe zum Detail und mehr Varianten als je zuvor.

Nur am Rande des Motorenportfolios steht dabei der GTS - längst serienmäßig ein Allradler, der an sich GTS 4 heißen müsste. Wie auch beim Porsche 911 eher eine Ausstattungsvariante als eine echte Motoralternative, aber mit höchsten Ehren versehen und bei sportlichen Kunden begehrter denn je. Unverändert wird der neue Panamera GTS von einem vier Liter großen V8-Doppelturbo mit stimmungsvollem Klangbild angetrieben. Der ist nicht mehr ganz so schamlos wie einst, als der GTS noch von einem Saug-V8 munter bespaßt wurde, ist aber unverändert hörenswert. Im Gegensatz zu anderen Panamera-Modellen trägt der GTS die ohnehin so begehrte Sportabgasanlage serienmäßig unter seinem Rock. "Der neue Panamera GTS bietet nicht nur mehr Leistung als das Vorgängermodell, sondern auch ein emotionaleres Fahrerlebnis durch die neue Saugmotorcharakteristik des V8-Aggregats und die optimierte Sportabgasanlage", sagt Baureihenleiter Thomas Friemuth.

Mit der Modellpflege gibt es einen leichten Leistungsnachschlag von 460 auf 353 kW / 480 PS mit leicht verbesserten Fahrleistungen. So spurtet der knapp über zwei Tonnen schwere Panamera GTS aus dem Stand dank Allradverzahnung mit dem Asphalt in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und knackt wenn gewünscht gerade so die 300-km/h-Marke. Unverändert beeindruckend ist die Leistungsentfaltung des vier Liter großen Achtzylinder-Turbos, die zeigt, dass es auch ohne Elektropower nach vorne geht - und wie. Dass er bissiger am Gas hängt, linearer beschleunigt und so einfach noch mehr Laune macht als bisher lässt sich kaum herausfahren. Dazu war schon die bisherige Panamera-Generation gerade als GTS einfach zu gut. So macht die 5,05 Meter lange Limousine mit den sportlichen Attributen Laune erster Klasse und schiebt aus nahezu jedem Drehzahl- und Geschwindigkeitsbereich an, als gäbe es kein Ende der Straße. Dabei passen die wohlkonturierten Sportsitze mit ihren zahllosen Verstellmöglichkeiten einfach zu gut, während man das Geschehen an der Vorderachse über das griffige Alcantara-Steuer mit seinem Durchmesser von 37,5 Zentimetern bestens im Griff hat. Der Fahrprogrammschalter an dem kleinen Bediensatelliten bleibt ebenso praktisch wie hässlich. Der GTS-Normverbrauch: 10,7 Liter Super auf 100 Kilometern.

Teures Vergnügen ab 136.933 Euro

Einmal mehr begeistert, wie fahraktiv sich dieses Dickschiff gerade im Grenzbereich bewegen lässt. Im Komfortbereich ist der Unterschied zu den drei Wettbewerbern Mercedes S-Klasse, Audi A8 und BMW 7er trotz spürbarer Verbesserungen nach wie vor deutlich spürbar. Da ist der Panamera dank seiner Luftfeder stärker geworden - aber nicht derart entspannt und lässig wie die elitäre Luxusliga. Doch wer es etwas direkter, sportlicher und fahraktiver mit entsprechend hohem Komfortniveau mag, wird am überarbeiteten Porsche Panamera gerade als GTS seine helle Fahrfreude haben. Dafür sorgt nicht nur das exzellente Triebwerk, sondern eben eine feine Fahrwerksabstimmung mit prächtiger Lenkung und einem entsprechend großen Langstreckenpotenzial. "Wir wollten den Spagat noch weiter spreizen und die großen Stärken des Panamera betonen", erklärt Friemuth weiter, "deshalb haben wir das Auto sportlicher und zugleich komfortabler gemacht. Dafür haben wir den Fahrkomfort und die Kurvenstabilität durch die Optimierung aller Fahrwerksysteme spürbar erhöht." Das gelang insbesondere durch eine Verbesserung der elektromechanischen Wankstabilisierung, neuen Verstelldämpfern und neuen Lagern für Motoren und Achsen, was einiges an Komfort brachte.

Ein paar hundert Kilometer nimmt man mit dieser Sportlimousine gerne auf sich; gerade wenn man es zwischendurch doch einmal fliegen lassen will. Genau das kann der Porsche Panamera GTS besser als die meisten Wettbewerber und auch seine leistungsstarken Brüder. Gerade auch, weil die sportlich abgestimmte Luftfederung ebenso serienmäßig an Bord ist wie der Allradantrieb, der über das achtstufige Doppelkupplungsgetriebe mit der entsprechenden Leistung versorgt wird. Der ein oder andere hätte vielleicht lieber eine Wandlerautomatik, die einen weiteren Komfortgewinn brächte.

Neben aller Sportlichkeit und dem entsprechenden Komfort überzeugt der mindestens 136.933 Euro teure Porsche Panamera GTS mit dem bekannt hohen Alltagsnutzen. Auch wenn die Passagiere im Fond zwar bequem, aber nicht derart komfortabel wie in den Luxusmodellen von Audi, BMW und Mercedes sitzen, lässt es sich auch hier gut aushalten. Klimatisierung, Sitzheizung im Fond oder Bildschirmentertainment - alles wenn gewünscht an Bord. Der Laderaum lässt einem mit 495 bis 1.334 Liter ebenfalls alle Möglichkeiten. Und ganz nebenbei: wer will, kann immerhin noch 2,2 Tonnen schwere Anhänger an den Haken nehmen. Wobei die meisten Kuppelfans sich doch eher für den variableren Cayenne entscheiden werden.

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