Kombis sind derzeit alles andere als trendig. Viele, die sich über zwei Jahrzehnte für einen praktischen Kombi begeistern konnten, schielen längst zu einem SUV herüber oder fahren diesen bereits. Was tun, wenn der schnöde Kombi zu langweilig ist und der nötige Platz für ein Coupé oder eine Limousine fehlt? Immer wieder versuchten es in den vergangenen Jahrzehnten Hersteller mit einem Shooting Brake; einer betont lifestyle-orientierten Symbiose aus Kombi, Schrägheckmodell und Coupé. Schlicht gesagt sieht ein Shooting Brake dynamischer aus als ein Kombi; hat aber nicht dessen variable Platzvorteile. Mercedes versuchte so seinem eleganten Vier-Tür-Coupé CLS einen Bruder zur Seite zu stellen - der floppte und bekommt in der neuen CLS-Generation keinen Nachfolger. Stattdessen versucht es erstmals Porsche mit einem ähnlichen Modell.

Die Bezeichnung Panamera Sport Turismo soll dabei vorneweg keinerlei Assoziationen mit einem blassen Kombi aufkommen lassen. Der Sport Turismo bietet kaum mehr Platz als der normale Panamera, lässt sich aber etwas leichter beladen und sieht ganz nebenbei besonders schick aus. Das Konzept ist nicht neu und wurde zum Beispiel mit der Konzeptstudie des Audi Avantissimo auf der Internationalen Automobilausstellung im Jahre 2001 leistungsstark und sehenswert auf breite Pneus gestellt. Bei Audi blieb dem Avantissimo die Serienumsetzung versperrt. Porsche setzt dieses 5,05 Meter lange Konzept nunmehr um und hofft im anhaltenden SUV-Wahn mehr Erfolg zu haben, als andere Shooting Brakes in den vergangenen Jahren. "Der Panamera Sport Turismo ist für Porsche der Vorstoß in ein neues Segment unter Beibehaltung aller Porsche-typischen Werte und Attribute", unterstreicht Michael Mauer, Designchef bei Porsche.

Bis zu B-Säule ist der Sport Turismo dabei mit dem normalen Panamera identisch. Doch während sich bei diesem die Dachlinie dann seicht nach unten verabschiedet, hat der Shooting Brake mehr Platz im Fond und ein Heck, das nicht nur wegen Rückleuchten und Scheibe stark an den Porsche Macan erinnert. Die verlängerte Dachlinie geht in einen verstellbaren Spoiler über, der sich variabel dem Tempo anpasst. Bis zu einer Geschwindigkeit von 170 km/h reduziert das aerodynamische Luftleitelement im eingefahrenen Zustand mit einem Winkel von minus sieben Grad den Luftwiderstand und trägt so zur Verbrauchsoptimierung bei. Ist man schneller unterwegs, fährt der Dachspoiler automatisch in die Performance-Stellung und erhöht mit einem Anstellwinkel von plus ein Grad Fahrstabilität und Querdynamik.

Reiner Viersitzer

Was beim Porsche Panamera Sport Turismo ebenso überrascht wie bei der Schrägheckvariante, ist die Handlichkeit, mit der sich der über zwei Tonnen schwere Trum im Eiltempo durch enge Kurven pressen lässt. Je größer der Radius, umso prächtiger durchpflügt der 4+1-Sitzer Scheitelpunkt und Kurvenausgang. Die Lenkung präzise, wie man es von einem Porsche kennt und die Wankbewegungen sind so minimal wie sonst bei keinem anderen in dieser Liga. Bleibt die Frage nach der rechten Motorisierung. Wer sich das grüne Feigenblatt vorhalten will, dem sei der 462 PS starke Plug-In-Hybrid empfohlen, dessen 330 PS starker V6-Turbo mit Unterstützung des 136 PS starken Elektromotors in Sachen Tatendrang keine Wünsche offenlässt. Doch wenn schon Panamera, und dann gleich den Sport Turismo, darf man sich gut und gerne auch gleich die Turboversion gönnen. 404 kW / 550 PS und 770 Nm ab 1.950 U/min sorgen für brachialen Vortrieb aus jedem Drehzahlbereich. Natürlich ließe sich auch mit der 330 PS starken V6-Basisvariante oder dem bulligen V8-Diesel leben; Allrad bieten schließlich alle und die sportlich-straff abgestimmte Luftfederung haben alle S-Versionen. Doch das perfekte Powerpaket bietet acht Brennkammern, vier Liter Hubraum, 550 PS trampelnde Pferde und über 300 km/h Spitze. Vollgas auf der Autobahn oder lässig über die Landstraße kreuzen? Wer es sportlich mag, findet hier eine Alternative zu den sportlichsten Varianten von BMW 7er oder Mercedes S-Klasse. Dazu passt auch das griffig und direkt arbeitende Doppelkupplungsgetriebe mit seinen acht Schaltstufen, das gerade unter Last prächtig arbeitet; ohne Wandler jedoch im Komfortbereich Wünsche offen lässt.

Mit dem Sport Turismo ist erstmals ein Panamera mit einer dreisitzigen Rückbank ausgestattet. Da die zwei äußeren Plätze als Einzelsitze ausgelegt sind, ergibt sich hinten allenfalls eine kaum nutzbare 2+1-Konfiguration. Real ist der Zuffenhausener ein Viersitzer. Optional kann der Panamera Sport Turismo auch offiziell viersitzig mit zwei elektrisch einstellbaren Einzelsitzen hinten bestellt werden. Bein- und Kopffreiheit sind vorbildlich - die Sitze könnten jedoch etwas nachgiebiger sein. Die Nutzbarkeit des Gepäckraums profitiert von der weit öffnenden, serienmäßig elektrisch betätigten Heckklappe und der knapp 63 Zentimeter hohen Ladekante. Bis zur Oberkante der Rücksitze bietet der Sport Turismo mit bis zu 520 Litern gerade einmal 20 Liter mehr Stauvolumen als die Sportlimousine. Dachhoch beladen und mit umgeklappten Fondsitzen erhöht sich der Zugewinn auf immerhin 50 Liter. Die drei Rücksitzlehnen lassen sich separat oder komplett umklappen (Verhältnis 40:20:40); die Entriegelung vom Gepäckraum aus erfolgt elektrisch. Sind alle Lehnen umgeklappt, entsteht eine nahezu ebene Ladefläche. Das Ladevolumen vergrößert sich in diesem Fall auf bis zu 1.390 Liter. Kein Kombi-Gardemaß, aber mehr als genug für Goldtasche und Kinderwagen.

Auf den Markt rollt der Porsche Panamera Sport Turismo Anfang Oktober. Die Preise beginnen in Deutschland für den 330 PS starken Panamera 4 Sport Turismo bei 97.557 Euro. Die Topversion Porsche Panamera Turbo Sport Turismo kostet mindestens 158.604 Euro.