Von wegen britisches Understatement: Der Range Rover Autobiography Dynamic stellt mit seinen vier glanzpolierten Auspuffendrohren seine Potenz ostentativ zur Schau. Die aggressivere Optik ist Teil der Strategie der "Special Vehicle Operations" (SVO), die BMW M und Mercedes AMG die Kunden abjagen soll. Doch das ist nur ein Teil der ansehnlichen britischen Edel-Medaille. "Wir treten mit den Luxus-Modellen gegen Rolls Royce und Bentley an", erklärt SVO-Chef Mark Stanton. Wie der Namen schon andeutet, soll der Range Rover Autobiography Dynamic das Beste aus Luxus und Fahrspaß vereinen. Der Grundpreis für den britischen Edel-Sportler ist mit 167.000 Euro dementsprechend ambitioniert. Dafür bekommt der Kunde jede Menge geboten: Unter anderem Perforiertes Semi Anilin Leder, besondere Nähte, ausgesuchte Holz-Applikationen- und - so viel Extravaganz muss sein - rote Schaltwippen. Da juckt es den Fahrer gleich in den Händen.

Die Geburtsstätte dieses Vehikel befindet sich in der Oxford Road in der englischen Industriestadt Coventry. Hier erfüllen 1.200 Mitarbeiter Kundenwünsche. Alles exklusiv und hochgeheim: Der Zugang zum Allerheiligsten erinnert mit seiner schweren weißen Pforte an Supermans Festung der Einsamkeit. "Factory of Dreams" (Fabrik der Träume) heißt die Produktionsstätte im Jaguar-Land Rover Jargon. Den Kunden mangelt es an nichts. Auf schicken Ledersesseln können Sie auf einem 40,6-Zoll-Riesen-Touchscreen ihr Wunschauto bis in das kleinste Detail konfigurieren und sich das Ergebnis gleich in 4K-Auflösung anschauen. Den Wünschen sind (fast) keine Grenzen gesetzt: Rund 15.000 Farben sind möglich. Besonders gerne genommen: zweifarbige Lackierungen für den Range Rover Autobiography. "Wir kennen unsere Produkte am besten. Also glauben wir, dass wir einen besseren Job machen als andere Veredler", meint Greg Clark, der bei Jaguar Land Rover die Personalisierungsabteilung leitet und sein Können auch schon bei Mercedes-AMG unter Beweis gestellt hat.

Maßgeschneidert also. Der Range Rover Autobiography Dynamic ist für Selbstfahrer gemacht, die den Luxus zu schätzen wissen. Ein eher jüngeres Publikum. Neben den feinen Materialien hat Land Rover in den letzten Jahren am Infotainment gefeilt. Das war auch nötig. Die Verbesserungen sind deutlich sichtbar. Nur bei der deutschen Sprachausgabe englische Straßen mangelt es bei noch: Zum Beispiel bei der Hambidge Lane (etwa: Hämbidsch Lähn) spricht das Navigationssystem jeden Buchstaben eins zu eins deutsch aus, was zum Schmunzeln führt.

Nach wie vor komfortabel

Das Grinsen wird noch breiter, sobald sich der bewährte 405 kW / 550 PS Fünfliter-Kompressor Motor an die Arbeit macht. Das V8-Triebwerk generiert mächtig Druck, feuert das immerhin 2.457 Kilogramm schwere Vehikel in 5,4 Sekunden auf Landstraßen Tempo und stürmt ohne Rücksicht auf Verluste bis zur Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Die sämige Beschleunigung des zwangsbeatmeten Triebwerks überzeugt: Steigt man aufs Gas, tritt einem die Wucht des Sprints auch jenseits der 100 km/h mit einer spürbaren Vehemenz ins Kreuz, dem maximalen Drehmoment von 680 Newtonmetern sei Dank. Das sonore Grollen der Verbrennungs-Symphonie aus den vier Heck-Trompeten ist präsent, ohne jedoch die Gehörgänge der verwöhnten Insassen allzu sehr zu malträtieren. Das entspricht dem gediegen dynamischen Konzept des Luxus-Jets. Dem Kundenwunsch entsprechend. Da spielt auch der Norm-Durchschnittsverbrauch von 12,9 Litern pro 100 km/h keine große Rolle.

Das Zusammenspiel des Standard-Radstands von 2.92 Metern und die Tieferlegung der Karosserie um acht Millimeter sorgt für einen Hauch mehr Agilität als beim Normalo-Range Rover. Dieser angedeutete Tiefflug hat aber so gut wie keine Auswirkungen auf den Komfort des schnellen Range Rovers, den es übrigens nur mit dieser einen Motorisierung gibt. Auch mit den optionalen 22 Zoll-Reifen steckt der Range Rover Autobiography Dynamic sämtliche Unebenheiten ziemlich geschmeidig weg. "Wir bezeichnen dieses Fahrzeug als Gentleman#’s Express", sagt Mark Stanton.

Oligarchen und andere X6-M-Liebhaber können sich also entspannt zurücklehnen: Bei aller Wucht kann der PS-potente Range Rover bei der Agilität nicht mit dem Münchner Konkurrenten mithalten. Soll er auch nicht. Die Lenkung ist zwar einigermaßen präzise, aber zu leichtgängig und in schnell gefahrenen Kurven drängt das Gewicht des stattlichen Briten merklich nach außen. Das entspricht dem Gusto der Käufer, die übrigens im Fond deutlich mehr Platz haben als das Münchener SUV. Ein Gentleman’'s Express eben.