Schönheit alleine reicht nicht, sagt der Volksmund. Das gilt für Menschen, Pferde und für Automobile. Diese leidvolle Erfahrung machen die Fans der italienischen Alfa-Romeo-Schönheiten schon seit einigen Jahren. Auch der Range Rover Evoque gilt seit seinem Debüt 2011 als Lifestyle-Beau, der vor allem beim weiblichen Klientel Anklang findet. Nicht selten springt eine Dame mit Gucci-Brille im Haar und Louis Vuitton-Tasche am Arm aus dem schicken Briten. Das zeigt: Der britische Schönling ist kein Volks-SUV. Bei Preisen von mindestens 34.500 Euro ist das kein Wunder. Der gefahrene Evoque TD4 Diesel mit 132 kW / 180 PS ist nicht unter 53.100 Euro zu haben.

Damit ist die Modellpflege um 1.000 Euro teurer als das Vorgänger-Modell. Die Krux beim bisherigen Evoque war, dass die Hülle zwar ein Blickfang war, das Interieur und vor allem das altbackene Infotainment aber mit der ansehnlichen Optik nicht mithalten konnten. Dem Verkaufserfolg tat das keinen Abbruch: Seit seinem Debüt im September 2011 haben sich weltweit 450.000 SUV-Fans für den Evoque entschieden, davon rund 20.000 in Deutschland. Aber, und da sind wir wieder bei der eingangs postulierten Weisheit, in Zeiten, in denen Infotainment, Wohlfühl-Atmosphäre und Konnektivität immer wichtiger werden, sind die Autofahrer mit einem schönen Blechkleid alleine nicht mehr zufrieden.

Das wissen auch die Produktstrategen im englischen Birmingham und haben dem Cockpit eine technologische Frischzellenkur verpasst, indem sie das “In-Control-Touch-Infotainment System” aus dem Jaguar XE in das Cockpit des SUVs implantiert haben. Der Acht-Zoll-Touchscreen ist ein Fortschritt gegenüber dem bisherigen Bedienkonzept und der digitale Monitor zwischen den Rundinstrumenten gefällt mit gut ablesbaren mehrfarbigen Anzeigen. Dagegen wirken die Schaltflächen auf dem zentralen Bildschirm altbacken, was aber nichts an der zufriedenzustellenden Funktionalität ändert. Die Mittelkonsole trübt den ansehnlichen Anblick aufgrund der Hartplastik-Haptik.

Das feine Oxford-Leder und die glänzenden Chrom-Applikationen laden zum Verweilen in der Fahrgastzelle des Evoque ein. Auf Wunsch können es sich die beiden vorderen Passagiere auf klimatisierten Massage-Sitzen bequem machen. Das optionale Head-Up-Display mit Laser-Grafik versorgt den Fahrer mit allen wichtigen Informationen. Dabei ist erfreulich zu sehen, dass Land Rover die Bilder gegen die Windschutzscheibe projiziert und kein Klappvisier verwendet. Auch bei den Assistenzsystemen holen die Briten auf: Der tote Winkel wird genauso überwacht, wie der Vordermann im Stau oder die Geschwindigkeits-Verkehrsschilder.

Hübsch und geländegängig

Doch ein Range Rover definiert sich auch über die Geländegängigkeit, da macht der Evoque keine Ausnahme. Schließlich haben die britischen SUV-Spezialisten da einen Ruf zu verlieren. Also erbt der Kompakt SUV einige Spielereien von den großen Brüdern. Das ATPC ist ein Tempomat für das Gelände, bei dem sich der Fahrer auf das Steuern konzentrieren kann und das Vehikel sich um die Geschwindigkeit kümmert, die am Lenkrad eingestellt wird. Das Wade-Sensing zeigt an, wie sehr dem Fahrzeug das Wasser bis zum Hals steht, wenn es durch das nasse Element geht. Da ist es gut zu wissen, dass die maximale Watttiefe 50 Zentimeter beträgt. Wenn es einmal schmutzig und rutschig wird, kommt man mit dem Evoque gut voran. Auch steile Ab-und Auffahrten erledigt der Briten-Kraxler mit einem lässigen Schulterzucken.

Eine Wachablösung gibt es unter der Motorhaube. Jetzt sorgen die neuen Igenium-Diesel für Vortrieb. Der Wechsel tut dem Evoque gut. Das neue Aggregat ist mit einem maximalen Drehmoment von 430 Newtonmetern und 132 kW / 180 PS nicht nur kräftig und hat mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,1 Litern einen gemäßigten Durst, sondern verrichtet seine Arbeit auch akustisch sehr zurückhaltend. Die Kraft reicht aus, um das knapp 1,7 Tonnen schwere SUV in 9,0 Sekunden auf Landstraßen-Tempo zu bringen und die Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h qualifiziert das Fahrzeug auch für die linke Autobahn-Spur. Die relativ straffe Federung und die nicht wirklich direkte Lenkung trüben den Fahrspaß nur auf schlechten Straßen und engen Kurven ein wenig.

Äußerlich ist die neue die Modellüberarbeitung vor allem an den aufpreispflichtigen Voll-LED-Scheinwerfern, den etwas größeren Nüstern in der Frontschürze und den etwas schmaleren Nebelscheinwerfer zu erkennen. Wer mit dem geschnürten Evoque-Paket immer noch nicht zufrieden ist, sollte sich bis zum nächsten Jahr gedulden. Denn dann gibt es die lang erwartete Cabrio-Version des Kompakt-SUVs. Die wird sicher nicht ganz billig sein, aber dafür glänzt dann die Gucci-Brille in der Sonne und die Louis-Vuitton-Tasche landet schwungvoll von oben auf dem Beifahrer-Sitz.

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Wolfgang Gomoll; press-inform