Wer erinnert sich nicht an seine Kindheit, als man staunend einen Lotus Esprit im James Bond-Abenteuer "Der Spion, der mich liebte" bewunderte. Klassische Automobilmarken üben heute noch einen unwiderstehlichen Reiz aus, den sich nicht selten Investoren zu Nutze machen wollen, um auf dem hartumkämpften Markt zu reüssieren. Aston Martin erweckt seinen Ableger Lagonda zum Leben und möchte so laut Chef Andy Palmer eine neue Luxusmarke kreieren, eine moderne Alternative zu Rolls Royce oder Bentley; ein Auto für die Generation Smartphone. Das ist ein ambitioniertes Unterfangen. 2021, so der Plan, soll erst ein SUV und später eine Limousine erscheinen, jeweils ausschließlich mit Elektroantrieb. Der Preis für den Edel-Crossover? Mindestens 200.000 Euro. Eher mehr. Ob der klangvolle Name alleine ausreicht, um eine Nobelvariante des Tesla Model X an den Mann zu bringen, wird die Zeit zeigen und daran liegen, wie die Briten das Thema Luxus umsetzen. Schließlich ist der Trend zum Elektro-SUV unabsehbar und viele springen auf den gewinnversprechenden Zug auf.

Einen Schritt weiter bei der Instrumentalisierung eines historischen Namens geht Brabham Automotive. Schließlich gab es nie einen Straßenwagen mit diesem Namen, jedoch brachte der 1948 von Jack Brabham gegründete Rennstall einige legendäre Rennwagen hervor, darunter das Staubsauger-Auto Brabham BT46B oder den Weltmeister-Boliden von Nelson Piquet 1983, den Brabham BT52. Pünktlich zum 80jährigen Gründungsjahr präsentiert die von Jacks Sohn David geleitete Firma einen Supersportwagen, den Brabham BT62, und hofft, dass der Rennglanz vergangener Tage auf die modernen Straßenfahrzeuge abstrahlt. Mit einer Leistung von 710 PS und einem Trockengewicht von 972 Kilogramm verspricht das Fahrzeug ansprechende Fahrleistungen. Der Preis für den BT62, von dem zunächst nur 70 Stück gebaut werden, beträgt rund 1,37 Millionen Euro. Später soll es noch mehr Autos mit dem Traditionsnamen geben. Für David Brabhams Plan steht McLaren Automotive Pate, denen es gelang mit Sportwagen ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufzuziehen. Allerdings steht es noch in den Sternen, ob Brabham die 1000-Auto-Produktionszahl knackt, wahrscheinlicher ist da schon ein exklusives Nischen-Dasein.

Borgward ist da mehrere Schritte weiter und produziert in einer Fabrik nahe Peking schon fleißig Autos. Im Jahr 2018 sollen es 80.000 sein; keine Menge, die die Automobilwelt in ihren Grundfesten erschüttert. Aus der ehemaligen Bremer Automarke, die von Carl Friedrich Wilhelm Borgward aus dem Boden gestampft hat, ist mittlerweile in chinesischer Autobauer geworden. Denn die "Beiqi Foton Motor" hat die Namensrechte aufgekauft. Die beiden SUVs BX7 und BEX5 sollen auch bald in Deutschland angeboten werden und - so der Plan - irgendwann auch in Bremen vom Band laufen. In diesem Jahr ist der Expansion der Marke nach Teilen von Lateinamerika und des Mittleren Osten geplant. Zuletzt machten immer wieder Gerüchte die Runde, dass Foton nach neuen Investoren sucht und es finanziell mit Borgward nicht zum Besten stünde. Immerhin haben sich die Chinesen mi dem ehemaligen BMW-Designer Anders Warming europäisches Know-how eingekauft und planen mit dem BXi7 auch ein Elektro-SUV. Konzeptautos wie die Borgward Isabella machen Mut, doch noch fehlt der große Durchbruch. Ob die Geduld der chinesischen Investoren ewig währt, darf bezweifelt werden.

Italienischer Newcomer

Der traditionsreiche britische Sportwagen- und Rennboliden-Hersteller Lotus wurde nach dem Tod des legendären Visionärs und Gründers Colin Chapman herumgereicht, wie eine Kirmestrophäe. Mittlerweile gehört Lotus Cars dem malaysischen Autobauer Proton und so zum immer größer werdenden Automobil-Imperium des Geely-Besitzers sowie Daimler-Großaktionärs Li Shufu. Langsam geht es bergauf: Der Absatz in Europa sowie den USA zieht an und Fahrzeuge, wie der Lotus Exige Cup 430 Type 25 finden Fans. Das Geschäftsprinzip die Automobilmarke nicht zu entwurzeln, hat schon bei Jaguar Land Rover funktioniert und scheint auch bei Lotus zu greifen. Für Li Shufu ist die Leichtbau-Expertise der Briten wichtig für seine anderen Marken; der Einstieg bei Daimler ist Chance und Risiko zugleich. Zum einen könnte Lotus so mehr Freiheiten erlangen, zum anderen besteht die Gefahr, dass sich Li Shufu sich angesichts seines Vielmarken-Reichs verzettelt und das Interesse an dem Sportwagen-Hersteller verliert.

Ein Newcomer im Reigen der traditionsreichen Namen ist im Grunde keine Automarke, aber mit dem Namen Automobili Pininfarina verbindet man Design-Ikonen wie den Ferrari 308 GTB oder den Ferrari Dino 246. Allerdings hat das italienische Unternehmen auch großes Fachwissen beim Karosseriebau. Grund genug für Mahindra sich die italienische Firma unter den Nagel zu reißen. Schließlich ist dem indischen Automobilbauer der Erfolg, den der heimische Konkurrent Tata mit Jaguar Land Rover hat, ein Dorn im Auge und Blaupause zugleich. Also folgt Mahindra dem Weg des Mitbewerbers und holt sich deutsches Automobilwissen in Form von CEO Michael Perschke, ehemals Audi-Manager, ins Boot. Die Zielsetzung ist eindeutig: Pininfarina soll Mahindras Elektromarke werden. Dementsprechend wird das Erstlingswerk ein elektrischer Supersportwagen werden, der in zwei Sekunden Landstraßentempo erreicht und nach zwölf Sekunden 300 km/h. Am Design tüfteln die Italiener bereits eifrig und beim Luxus-Schaulaufen im kalifornischen Pebble Beach soll das Auto stehen, von dem ab 2020 exakt 100 Exemplare zu einem Preis von rund zwei Millionen Euro verkauft werden.

Alle anderen aufstrebenden Automobilhersteller, die sich einen klangvollen Namen sichern wollen, können sich zurücklehnen. Es gibt noch einige Preziosen auf dem Markt, die mit entsprechender Überredungskunst beziehungsweise Kleingeld eventuell zu haben sind - Lancia, Talbot, Ghia oder Simca wären solche Beispiele.