| von Wolfgang Gomoll

Bei Renault Deutschland haben sie momentan trotz der Corona-Krise gut lachen. Der Grund: Der Elektrofloh Zoe verkauft sich gerade wie geschnitten Brot. Allein in der ersten Juli-Hälfte hat die Rhombus-Marke 2.000 Kaufanträge zu verzeichnen. Ein positiver Effekt der Förderungsmaßnahmen des Bundes. Auch wenn der Clio E-Tech als Vollhybride nicht bezuschusst wird, hoffen die Verantwortlichen dennoch auf die Strahlkraft des reinrassigen Stromers Zoe. "Wir haben die Elektro-Expertise", sagt Produktmanager Nils Rohwer und was die fehlende Förderung angeht, wollen sich die Renault-Manager Gedanken machen, um das durch Rabatte auszugleichen. Ein hehres Ansinnen. Doch manche Autos nimmt man nicht einmal geschenkt. Und ein Vollhybrid gehört nicht zu der Gattung, die per se einen hohen Kaufanreiz auslösen. Schließlich verbindet man mit dieser Fahrzeuggattung schlechte Erfahrungen mit Gummiband-CVT-Getrieben und müden Motoren, bei denen die elektrische Unterstützung fast wirkungslos verpuffte. Doch da hat sich einiges getan.

Der Renault Clio E-Tech 140 nutzt im Grunde den gleichen Antriebsstrang wie die beiden Plug-in-Hybride Megane und Capture. Der besteht aus einem 1,6-Liter-Verbrenner mit 67 kW / 91 PS, einem Elektromotor (26 kW / 49 PS mit 205 Nm) und dem HSG-Generator (15 kW / 20 PS und 50 Nm). Insgesamt ergibt das eine Systemleistung von 103 kW / 140 PS. Das Herz dieses Antriebsstrangs ist das "CVT-artige" (Renault) DogBox-Getriebe, dessen Prinzip von den Formel-1-Boliden stammt. Der verhältnismäßige starke Starter-Generator ist für die ideale Drehzahl verantwortlich, um die fehlende Synchronisation auszugleichen. Außerdem ist die Reibung des Getriebes stark reduziert, das hilft bei der Energie-Rückgewinnung und senkt den Verbrauch. Die Energie kommt von einem 1,2 kWh-Akku der japanischen Firma Hitachi, der rund 45 Kilogramm wiegt. Das soll für eine rein elektrische Reichweite von maximal vier Kilometern und eine E-Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h reichen. Allerdings ist der Antriebsstrang des Clio E-Tech primär auf Effizienz und Elektrounterstützung ausgelegt.

Das Zusammenspiel der Antriebskomponenten funktioniert einwandfrei. Der 1.313 Kilogramm schwere Clio bewegt sich dank der spürbaren Elektrounterstützung entspannt durch die Stadt und über die Landstraßen. Von einem winselnden Verbrenner-E-Motor-Gespann vergangener Tage keine Spur mehr. Lediglich, wenn man dem Antriebsstrang plötzlich Leistung abverlangt, fällt das Getriebe in alte Gummiband-Gewohnheiten zurück und der Motor meldet sich mit hoher Stimmlage zu Wort. Deswegen ist der Sport-Fahrmodus nicht die beste Wahl. Immerhin braucht der kleine Franzose knapp unter zehn Sekunden, um Landstraßentempo zu erreichen, und ist bis zu 180 km/h schnell. Am besten schaltet man den Clio in "MySense" und überlässt dem System das Kommando. Sparfüchse aktivieren das Fahrprogramm "Eco" und sind mit gebremsten Schaum unterwegs.

Laut Renault schafft der Clio E-Tech 140 dank der sich schnell füllenden Batterie 80 Prozent der Stadtfahrten elektrisch und so eine Verbrauchsreduzierung von rund 40 Prozent. Unterm Strich ergibt das einen Norm-Verbrauch von 4,0 Liter pro 100 Kilometern. Wir erreichten bei der Testfahrt inklusive einer kurzen schnellen Autobahnetappe 4,3 l/100 km. Wer den Ganghebel auf "B" stellt, aktiviert die stärkere Motorrekuperationsbremse und schafft bei vorausschauender Fahrweise fast das One-Pedal-Feeling. Dabei ist der elektrifizierte Clio kein beinharter Asphaltritter, allerdings könnten die Sitze etwas mehr Seitenhalt und eine längere Oberschenkelauflage bieten. Die Bedienung des Infotainments mit dem neun Zoll großen Tablet-Touchscreen geht problemlos vonstatten. Auf dem sieben Zoll großen Cockpitdisplay direkt vor dem Fahrer erhält man alle notwendigen Informationen. Allerdings sind die Anzeigen einen Schuss zu verspielt. Bleibt zum Schluss noch der Blick auf den Preis: Der liegt bei mindestens 21.874,28 Euro - aber die sind ja verhandelbar. Wer sein Auto nicht laden kann, ist mit dem Renault Clio E-Tech 140 gut aufgestellt.

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