Es gibt in der Wirtschaft den Begriff der "Hidden Champions", also Unternehmen, die Erfolge vorzuweisen haben, die aber in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. So gesehen ist auch der Renault Trafic ein solcher Meister, der im Schatten des übermächtigen VW-Bus steht. Immerhin wurden von dem französischen Kleintransporter seit 1980 mehr als zwei Millionen Exemplare verkauft. Jetzt wagen sich die Gallier aus der Deckung und wollen ihr Licht nicht länger unter den Scheffel stellen. Schließlich wird der Trafic in mehr als 40 Ländern in 275 Varianten mit zwei Längen und zwei Höhen verkauft. Darunter auch der Passagier-Kleinbus SpaceClass. Bei der Variabilität braucht sich die Großraum-Limousine schon mal nicht zu verstecken: Bis zu neun Passagiere haben Platz, die Sitzbänke in der zweiten und dritten Reihe sind auf Schienen montiert, daher längs verschiebbar und lassen sich herausnehmen. Die Sitzneigung ist in fünf Stufen verstellbar.

Das Stichwort lautet: "Pkw-sierung". Der Trafic soll weg vom reinen rustikalen Blaumann-Image hin zum Alleskönner mit entsprechender Technik. Das fängt schon beim leicht veränderten Aussehen an. Der überarbeitete Renault Trafic hat das Voll-LED-Licht sowie das C-förmige Tagfahrlicht vom Renault Clio übernommen. Diese Veränderungen machen das Antlitz nicht nur schicker, sondern haben auch einen handfesten praktischen Nutzen: Dadurch steigt die Leuchtstärke beim Abblendlicht um 34 Prozent und beim Fernlicht um 50 Prozent. Damit hört die Transformation des Nutzfahrzeugs nicht auf. Die Technik hält, was die Optik verspricht. Das kommt vor allem dem Trafic SpaceClass zugute, mit dem Renault Konkurrenten, wie den VW T6 und dem Opel Zafira Life Käufer abjagen will.

Das Cockpit mit dem sieben-Zoll-Infotainment-Bildschirm und dem neuen Schaltknauf des Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes ist sehr eng an das der Pkw angelehnt. Deswegen ist jetzt auch die Einbindung des Smartphones via Apple CarPlay oder Android Auto möglich und Renault R-Link sorgt für die Vernetzung. Eine Rückfahrkamera und der Weitwinkel-Innenrückspiegel in der Sonnenblende auf der Beifahrerseite helfen beim Rangieren. Ein Tempomat entspannt bei langen Autobahnetappen.

Bei Steigungen müde

Mit der Modellpflege halten beim Renault Trafic auch aktuelle Diesel-Triebwerke Einzug. Neben dem bekannten 1,6-Liter-Aggregat (dCi 95) mit 70 kW/95 PS kommen beim Transporter die drei neuen 2,0-Liter-Turbodieselmotoren zum Einsatz, die bis zu 18 kW / 25 PS mehr Leistung und 40 Newtonmeter mehr Drehmoment als die bisherigen 1,6-Liter-Aggregate bieten. Beim getesteten Top-Motor mit 125 kW / 170 PS bedeutet das: von null auf hundert in 11,9 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 174 km/h. Der Norm-Durchschnittsverbrauch beträgt 6,3 Liter pro 100 Kilometer. Per Eco-Mode-Taste lässt sich der Spritverbrauch weiter reduzieren: Neben der Motorleistung und das maximale Drehmoment (380 Newtonmeter) wird auch die serienmäßige Klimaautomatik zurückgefahren.

Auf Landstraßen macht der Bulli-Gegner so richtig Spaß. Der Zweiliter-Selbstzünder rasselt vor sich hin und lässt Schiffsdiesel-Gefühl durchschimmern, sodass man sich am Steuer fühlt wie ein Kapitän der Landstraße: Dank der erhöhten Sitzposition sowie den großen tief herunter gezogenen Scheiben hat man alles im Blick und mit dem 125 kW / 170 PS geht es flott voran. Da kommt das von den Renault-Verantwortlichen so oft zitierte Pkw-Fahrgefühl auf. An Steigungen müht sich der Kleinbus dagegen etwas und das Triebwerk meldet sich lauter zu Wort. Auch das sonst unauffällig agierende Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe kann diese Durchzugsschwäche nicht kaschieren.

Bei schlechten Straßen ließ das sonst solide wirkende Testfahrzeug ein paar Verarbeitungsmängel erkennen - denn das Interieur knackte und knarzte beim Überfahren von Bodenunebenheiten. Der Hartplastik-Anteil ist groß, aber da kochen andere auch nur mit Wasser. Hilfreich sind die Nutzfahrzeugs-Gene, wenn es um das Verstauen der Utensilien geht. Es gibt kaum eine Ecke des Cockpits, wo man nicht eine Ablagemöglichkeit findet, das reicht von der Sonnenbrille bis zu großen Trinkflaschen. Das Gestühl und damit auch die Sitzposition des Fahrers ist ebenfalls verbessert, man sitzt jetzt weniger aufrecht und daher bequemer als bisher. Lange Etappen haben so etwas von einem Fernsehabend auf dem Sofa. Allerdings hat der mit mindestens 53.097 Euro auch seinen Preis.