| von Wolfgang Gomoll

Renault macht gerade einiges richtig. Die Ernennung des ehemaligen Seat-CEOs Luca de Meo zum Chef der Rhombus-Marke anstelle des farblosen Thierry Bolloré bringt der französische Autobauer zumindest Sympathiepunkte. Dass der freundliche Italiener auch in Krisenzeiten weiß, wie man den Karren aus dem Dreck steuert, hat er bei der chronisch kränkelnden VW-Tochter Seat gezeigt.

In Indien haben die Franzosen mit dem Kwid ebenfalls bewiesen, wie es geht. Der kleine Crossover avancierte im hart umkämpften Markt des Subkontinents zum Bestseller, indem Renault sich auf das Wesentliche konzentriert hat. Also das, was den immer anspruchsvoller werdenden indischen Autokäufern wichtig ist, ohne sich dabei in Detailversessenheit zu verlieren, die nur den Preis nach oben treibt. Genau dieses Erfolgsmodell wendet Renault jetzt eine Klasse höher mit dem Triber an.

Der Renault Triber ist eigentlich mehr Minivan, macht aber optisch mit seiner Crossover-Optik was her. Der angedeutete Unterbodenschutz und die erhöhte Bodenfreiheit vermitteln in den Augen der indischen Autofahrer Souveränität und Wertigkeit. Dazu gilt man mit einem SUV auf dem Subkontinent als hip. Mit einer Länge von 3,99 Metern kommt man mit ihm auch im hektischen Trubel der indischen Metropolen gut zurecht. Aufgrund der höheren Sitzposition hat man das Gewusel der Stufenhecklimousinen und Kleinstwagen gut im Blick. Beim Rangieren hilft die Rückfahrkamera.

Komfortables Fahrwerk

Wie schaut es mit dem Platz und der Flexibilität aus? Drei Sitzreihen bei einer Länge von weniger als vier Metern sind per se schon aller Ehren wert. Wenn jetzt aber ganz hinten nicht nur eine Pseudo-Mitfahrgelegenheit ist, die maximal für Kinder geeignet ist, dann wird die Sache mehr als interessant. Da die Sitze der zweiten Reihe sich mit einem Handgriff nach vorne zusammenfalten lassen, ist der Einstieg für Erwachsene auf die Rückbank ohne Turnübung machbar. Dass dann noch ausgewachsene Mannsbilder jenseits der 1,85 so viel Platz finden, dass Kurzstrecken erträglich sind, ist bemerkenswert.

Zaubern können sie auch bei Renault nicht: Der Platz ist auch im Triber endlich. Also ist der Kofferraum bei Vollbestuhlung mit 84 Litern kaum der Rede wert. Aber die Rücksitze sind ebenfalls ruckzuck entfernt und dann werden 625 Liter daraus. Das liegt auch daran, dass die Lehnen eher Yogamatten gleichen denn einem europäischen Sportsitz. Beim Anblick des Gestühls, auf dem Fahrer und Beifahrer Platz nehmen, würden die Vertreter der "Aktion Gesunder Rücken" die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ja, die Auflage für die Oberschenke ist zu kurz und von Seitenhalt kann nicht wirklich die Rede sein, aber beim Stop-and-go Verkehr auf Indiens Straßen spielt das kaum eine Rolle und beim Dauer-Stau in Städten wie Mumbai (wir brauchten sechs Stunden für weniger als 100 Kilometer) thront man bequem genug.

Konzentration auf das Wesentliche

Selbst auf den Autobahnen, auf denen gerne mal Menschen unvermittelt die Fahrbahn kreuzen, wird selten schneller als 100 km/h gefahren. Dafür reicht der Dreizylinder-Benziner, der mit seinen 54 kW / 73 PS und seinem maximalen Drehmoment von 96 Newtonmetern alles andere als ein Kraftmeier ist, vollkommen aus. Geschalten wird mit einem manuellen Fünfganggetriebe. Bald wird es ein aufgeladenes Triebwerk und eine Automatik geben, einen Diesel sucht man vergebens. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt, bügelt die obligatorischen Schlaglöcher nach Möglichkeit weg und passt so sehr gut zu den indischen Rüttelstraßen.

Im Interieur wird das Renault-Geschäftsmodell ebenfalls deutlich: Konzentration auf das Wesentliche. Bei den indischen Temperaturen ist eine Klimaanlage fast schon eine Pflichtnummer, auch wenn die keine Automatik hat. Dafür gibt es eine gekühlte Ablage in der Mittelkonsole. Das Cockpit hat digitale Anzeigen und das Infotainment ermöglicht Apple CarPlay und Android Auto. Bedient wird alles über einen acht Zoll Touchscreen. Klingt vertraut? Ist es auch. Im Triber werkelt globale Renault-Technik - natürlich im Vergleich zu den Europäern etwas abgespeckt. Irgendwie muss die Rechnung bei einem Einstiegspreis von knapp 6.400 Euro ja aufgehen. Im Lenkrad befindet sich statt der Fernbedienungstasten ein Plastikelement und auch unterschäumte Oberflächen sucht man vergebens. Hartplastik, wohin die Hand greift und dazwischen (zum Beispiel in den Türablagen) blanke, unverkleidete Schrauben. Trotzdem - aufgemerkt VW - der Mut zur Schraube zahlt sich aus und man bekommt bei Renault viel Auto fürs Geld.