Berlin bei Nacht. Die Millionen-Metropole pulsiert: jung, überhitzt, quirlig, in den Hippster-Clubs parlieren Männer, die mit ihren buschigen Vollbärten aussehen wie Veteranen des amerikanischen Bürgerkriegs mit Frauen, die interessiert ihr Louis-Vuitton-Täschchen baumeln lassen. Wortfetzen zerschneiden die Musikmischung aus Hipp-Hopp, Rapp und R&B: "California Love"..."Dann habe ich mich komplett comitted".... "you keep on rockin’ "... "Start-up-Produktportfolio...". Berlin ist nicht mehr "arm aber sexy", die selbsternannten Macher mit den markigen Sprüchen und den etwas zu kurzen engen Jeans könnten auch in München oder Hamburg die Umwelt an ihren Erfolgsweisheiten teilhaben lassen.

Dies Klientel schart sich dann auch um den Rolls Royce Ghost Black Badge, verliert kurz die mühsam antrainierte Coolness und bekommt glänzende Augen, wenn der Blick auf die dunklen Felgen mit den 22 gefalteten Karbonschichten und der schwarzen Kühlerfigur "Spirit of Ecstasy" fällt, nur um dann wieder in den Heldenmodus zu verfallen: "Aber der Bentley, den ich letztens gefahren bin ...", begleitet von einem beifälligen Wippen der weiblichen Begleitung mit Pferdeschwanz. Jetzt verlassen wir mit dem schwarzen Ghost dieses überhitze Berlin in Kreuzberg, Prenzlau oder Mitte. Nicht der hippe Kiez ist das Ziel der Reise mit dem schwarzen Ritter, sondern das morbide, das nihilistisch-düstere Berlin, abseits des Neonlichts und der ostentativen Coolness.

Mit der Kraft von 450 kW / 612 PS und einem maximalen Drehmoment von 840 Newtonmetern gleitet der schwarzgewandete Rolls-Royce Ghost Badge durch die Nacht - das sind 40 PS beziehungsweise 60 Nm mehr als im regulären Ghost. Ja, Kraft ist genügend vorhanden. Die Straßen werden schlechter, die Löcher im Fahrbahnbelag würden das Fahrwerk jedes Kleinwagens und die Bandscheiben der Passagiere auf eine ernste Probe stellen, doch die Luftfederung des Ghost bügelt diese Unebenheiten als unwesentlich weg. Die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ist in dieser Gegend ebenso wenig relevant, wie der Durchschnittsverbrauch von 14,6 Litern. Lediglich der Sprint von null auf 100 km/h in weniger als fünf Sekunden, verleiht dem knapp 2.5 Tonnen schweren Luxuskreuzer in eine unnachahmliche Souveränität.

Viel Handwerkskunst

Mit jedem Meter, den wir uns von den hippen Szene-Stadtteilen entfernen, verändert sich die Stimmung von Lifestyle zu sinister. Statt hell erleuchteter Schaufenster, die gewollt anders gestaltet sind, als die Massenauslagen der Kaufhausketten, werden die Lichter dunkler und die Fassaden der Gebäude grauer. Straßenlampen flackern und werfen einen fahlen gelblichen Schein auf bröckelnde Häuser-Fassaden. Graffiti statt frischer Farbe. Die immer weniger werdenden Menschen, die entlang der Straße huschen, tragen löchrige Jeans und speckige Bomberjacken mit dem obligatorischen Kapuzenpulli (Kapuze natürlich über den Kopf gezogen).Der typische leicht vornübergebeugte Gang, Hände in den Hosentaschen mit dem rotglühenden Punkt zwischen Lippen, der in regelmäßigen Abständen oranger wird, wird durch einen verstohlenen etwas verwunderten was-wollen-die-hier-Seitenblick auf den wuchtig-eleganten Nachfalter unterbrochen.

Im Innern des Rolls Royce Ghost Black Badge huschen diese Eindrücke an einem vorbei. Die dicken Scheiben sperren nicht nur den sonoren Klang des mächtigen Zwölfzylinders aus, sondern auch die Geräusche das Hundegebell in Lichtenberg entlang der Köpenicker Chaussee. Lediglich die ziemlich laute Berliner Schnauze zweier Taxifahrer durchdringt den Schutzmantel. "Kiek mal, watt’n ditte für ener? Det is’n Rolls-Royce, wa?". Man fühlt sich wie einem Kokon aus feinstem Leder. Wir verweilen vor einem alten Zementwerk. Der Blick fällt auf das Armaturenbrett mit den schimmernden Applikationen. Rolls-Royce verweist stolz darauf, dass feine Aluminium-Fasern mit 0,014 Millimetern Durchmesser mit Carbon-Fäden