Das älteste und bekannteste Peninsula Hotel steht im Herzen der ehemals britischen Enklave Hong Kong. Über 20 Jahre nach der Rückgabe an China hat der einstige Stadtstaat mit seinen mehr als sieben Millionen Einwohnern nichts von seiner europäisch-asiatischen Anziehungskraft verloren. Eine der exklusivsten Möglichkeiten, in Hong Kong übernachten ist das Peninsula Hotel, 1928 an der Salisbury Road eröffnet, mit seinen 246 Zimmern und 64 besonders exklusiven Suiten. Mindestens genauso exklusiv wie das Hotel im nördlichen Stadtteil Kowloon gelegen, ist seine Flotte an Fahrzeugen. Denn den Hotelgästen steht eine Vielzahl von speziell individualisierten Rolls-Royce Phantom Modellen zur Verfügung. Ergänzt wird die Flotte durch zwei Mini Clubman und eine Reihe von Toyota-Vans für Kleingruppen - beide natürlich auch in dem einzigartigen Peninsula-Grün lackiert. "Diese Farbe hieß früher Brewster Green und jetzt Peninsula Green, weil sie Sir Michael so gut gefällt", erklärt Martin Oxley, Fuhrmeister im Peninsula. Der 62jährige Brite mit den breiten Schultern und den fröhlichen Augen ist Herrscher über eine der exklusivsten Shuttleflotten der Welt.

Doch die 14 tief dunkelgrünen Phantom-Limousine aus dem Jahre 2006 sind nicht annähernd so spektakulär wie das Prunkstück des Fuhrparks, der in der Tiefgarage unter der Hotelvorfahrt einen Ehrenplatz hat. Denn das exklusivste Modell des Peninsula ist ein Rolls-Royce Phantom II aus dem Jahre 1934. Damit ist die dunkelgrüne Staatskarosse nur sechs Jahre jünger als das Hotel selbst. Seine Premiere feierte das Fahrzeug im Oktober 1934 auf dem Messestand des Karosseriebauers Messrs Barker & Co. bei der London Motorshow. Von dem Rolls-Royce Phantom II mit dem Sedanca De Ville Aufbau, gibt es weltweit nur drei Fahrzeuge; zwei davon befinden sich im Eigentum der Peninsula Hotels. Neben dem Exemplar in Hong Kong hat auch das Peninsula-Schwesterhotel in Tokio eine identische Limousine im hauseigenen Fuhrpark.

"Der Phantom II ist bei uns nur bei ganz besonderen Anlässen im Einsatz", erzählt Heidi Wong, für die Öffentlichkeitsarbeit des Peninsula in Hong Kong verantwortlich, "wir haben für diese Limousine aus dem Jahre 1934 speziell geschulte Fahrer, die unserer Fuhrparkleiter Martin Oxley koordiniert." Seit Mitte der 70er Jahre sind die Gäste des Peninsula Hotels mit Rolls-Royce Fahrzeugen unterwegs. Bereits im Jahre 1976 bestellte die Hotelkette acht Silver Shadows; vier Jahre später folgten neun Silver Shadow II. Im Laufe der Jahre wurde der wohl exklusivsten Hotelfuhrpark der Welt mit Rolls-Royce-Modellen vom Typ Silver Spirit (1987), Silver Spur III (1994), Silver Spur (1995, 1998 und 2004) aufgefrischt, ehe 2006 14 Phantom die komplette Flotte ablösten. Im Jahre 1994 kam zusammen mit neun Silver Spur III auch der historische Rolls-Royce Phantom II in den Fuhrpark. Vor seinem ersten Einsatz wurde die Limousine des Karosseriebauers und einstigen Hoflieferanten Messrs & Barker von Grund auf restauriert.

Flotte von 15 Rolls-Royce-Modellen

Natürlich bekam die Limousine mit dem Kennzeichen "327" auch die obligatorische Lackierung in dem ehemaligen Brewster Green mit der honiggelben Coachlinie. Versteckt hinter Holzklappen können die Insassen im dunkel belederten Fond zu einem der zwei Autotelefone greifen, die wie eine eigene Zeitreise anmuten. Auf der stramm gepolsterten Rückbank haben zwei Personen bequem Platz und wer sich vom Chauffeur gestört fühlt, kurbelt einfach die Trennscheibe hoch. Zeitgemäß gibt darunter eine kleine Bordbar, perfekt für einen entspannten Whiskey während gelbliche Leuchten den Fond in ein warmes Licht tauchen. Wenn die Dame im Fond vor ihrem großen Auftritt am Abend noch einmal Lidstrich und Lippenfarbe nacharbeiten möchte - Spiegel sind vorhanden.

So freundlich Martin Oxley im Umgang ist, so unnachgiebig ist der Flottenchef, wenn es um die Fahrzeuge in seiner Obhut geht. Rolls-Royce ist für den tatkräftigen Briten der perfekte Partner. Das soll sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern. "Lexus und Bentley rufen mich immer wieder an und wollen mit uns ins Geschäft kommen. Auch Tesla hat sich gemeldet und wollte uns ein Auto hinstellen. Doch Rolls-Royce ist das beste Auto. Es geht um die Zuverlässigkeit. Solange es nichts Vergleichbares gibt, bleibt es bei Rolls-Royce", stellt Oxley unmissverständlich klar. Rolls-Royce übernahm wie in den 20er und 30er Jahren üblich nur die Produktion von Fahrgestell, Antrieb und Mechanik. Für alles Weitere waren Karosseriebauer verantwortlich wie in diesem Fall Messrs Baker & Co., der dem Chassis den besonders exklusiven Sedanca De Villa Aufbau aufsetzte. Der Rolls-Royce Phantom II wird wie alle Fahrzeuge aus dem Peninsula-Fuhrpark peinlich genau gepflegt und vor jeder noch so kurzen Fahrt ein weiteres Mal durchgecheckt. Kein Wunder, dass der britische Hotelkoloss unter der hochgeklappten Motorhaube genauso peinlich sauber ist, wie im Innenraum oder dem hochflorigen Ladeabteil.

Angetrieben wird der Rolls-Royce Phantom II von einem 7,7 Liter großen Reihensechszylinder, der immerhin 88 kW / 120 PS leistet. Höchstgeschwindigkeit: unbekannt, denn der Phantom II ist nur in der Stadt unterwegs und da ist zumeist bei 60 km/h Schluss. Statt von einer Getriebeautomatik wie in den letzten Jahrzehnten üblich, muss der geschulte Peninsula-Chauffeur in diesem rund 5,60 Meter langen Viertürer noch echte Handarbeit verrichten. So gibt es keine Lenkunterstützung und die die Viergang-Handschaltung ist nur in den oberen Gängen synchronisiert. Trotzdem gleitet der Klassiker unter sachkundiger Führung des livrierten Chauffeurs lautlos und gleichmäßig aus der Hotelausfahrt und reiht sich auf der Salisbury Road in den turbulenten Nachmittagsverkehr von Kowloon ein. Nach ein paar Runden geht es hinab in die Tiefgarage, wo die jüngeren Mitglieder des Fuhrparks erstrahlen. Bis zum nächsten Prunkeinsatz hat der Rolls-Royce Phantom II Entspannung verdient. Vorher werden mit einem weichen Lappen nur noch ein paar Tropfen beseitigt; es hatte geregnet.