Ist der Arona der bessere Ibiza? Seats kleiner Crossover teilt sich mit dem kompakten Brüderchen zumindest schon mal die technische Basis und eine ganze Reihe von Bauelementen. Die beiden sind die ersten Autos aus dem VW-Konzern, die auf der A0-Plattform des Mobilen Quer Baukastens aufbauen - und die spanischen Autobauer strahlen darob vor Stolz.

Mit 4.138 mm Länge ist der Arona, der nach einer Stadt auf Teneriffa benannt wurde, acht Zentimeter länger als der Ibiza, mit 1.552 mm zehn Zentimeter höher. An dem Höhenwachstum ist neben mehr Bodenfreiheit auch ein größerer Innenraum verantwortlich. So oder so: Auch ein kleiner SUV ist ein SUV - entsprechend wartet der Arona mit diversen Bequemlichkeiten auf. So liegt der "Hüftpunkt" im Vergleich zum Ibiza um fünf Zentimeter höher. Entsprechend können Passagiere besser ein- und aussteigen und sitzen höher. Das sorgt für eine bessere Rundumsicht auf den Straßenverkehr. Dank seiner Höhe bietet der Arona zudem etwas mehr Kopffreiheit. Insgesamt sorgt das für ein besseres Raumgefühl.

Hinten sind die Sitze sechs Zentimeter höher als im Ibiza und auch dort gibt es genügend Luftraum über dem Scheitel. Der Platz im Fond ist - wie in Kompaktautos üblich - nicht gerade üppig. Zu dritt, wie von Seat versprochen, wird man dort keine Freude haben. Aber zu zweit können selbst größer gewachsene Passagiere ihre Knie ohne große Probleme unterbringen.

Innen sieht der Arona seinem kleinen Bruder sehr ähnlich. Das Armaturenbrett liegt höher als beim Ibiza, die Frontscheibe ist steiler. Die gute Verarbeitung und die angenehmen Materialien sorgen für so etwas wie Wohlfühlambiente. Alles ist klar gezeichnet und übersichtlich, die analogen Instrumente gut und klar einsehbar. Ein digitales Kombielement oder Amazons Alexa als Sprachassistent sind zumindest schon mal angekündigt.

Kultiviert und rund

Die Sitze liefern guten Seitenhalt und Komfort. Das griffige Multifunktions-Lenkrad ist in Tiefe und Neigung verstellbar. Was man etwas vermisst, das ist die Variabilität. Ärgerlich: Der Luftstrom der Lüftungsdüsen lässt sich nicht per Drehrad steuern. Wer sich nicht mehr anpusten lassen will, der muss die Lamellen komplett schließen - oder das Gebläse ausstellen.

Zu den großen Pluspunkten des Arona gehört der leicht zu beladende Kofferraum. Mit 400 Litern, die sich durch das Umklappen der Rückbank auf bis zu 1.280 Liter erweitern lassen, bietet der SUV 45 Liter mehr als der Ibiza. Im Vergleich zu Konkurrenten wie dem Jeep Renegade oder dem Fiat 500X liegt er zum Teil ähnlich weit über dem Durchschnitt, an den Opel Crossland X reicht er fast heran. Praktisch ist der variable Ladeboden, der sich auf höherem Niveau einrasten lässt und dann eine ebene Ladefläche mit der Ladekante bildet.

Deutlich werden die Unterschiede zwischen Arosa und Ibiza auf der Straße. Der Schwerpunkt der SUV-Karosserie liegt naturgemäß höher. Dazu kommt eine komfortablere Abstimmung des Fahrwerks. Beides führt zu einem deutlich entspannten Fahren auch in engen, flott gefahrenen Kurven. Der City-SUV wuselt dank seiner kompakten Abmessungen und eines agilen Handlings gekonnt durch den urbanen Dschungel. Aber auch auf längeren Strecken kann man dank der bequemen Sitze und des entspannt gefederten Fahrwerks ermüdungsfrei unterwegs sein. Der Arona hat ausschließlich Frontantrieb - Allrad ist auch nicht geplant.

Vergleichsweise bescheidene Preise

Mit dem 1,6-Liter-Diesel ist der Arona bestens ausgestattet. Er macht ihn mit seinen 85 kW/115 PS zwar nicht zum Renner, sorgt bei dem keine 1.400 Kilogramm schweren Crossover aber für durchaus flotten Vortrieb. Das maximale Drehmoment von 250 Nm liegt bereits bei 1.500 U/min. an. Ein angenehmer Effekt: Der Arosa ist sehr schaltfaul zu fahren, lässt sich auch mit der flott und präzise arbeitenden 6-Gang-Handschaltung fast wie mit einer Automatik bewegen.

Das Spurtpotenzial von 0 auf 100 km/h setzt mit 10,5 Sekunden keine Bestmarke, reicht aber im Alltag völlig aus. Genauso wie die Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Der Motor selbst bleibt leise und zurückhaltend, läuft kultiviert und rund. Auch Abroll- und Windgeräusche sind gut gedämpft. Offiziell liegt der Durchschnittsverbrauch bei 4,1 Liter auf 100 Kilometern - real kam während des Praxistests ein Durchschnitt von 6,1 Liter zusammen. Das ist ein sehr ordentlicher Wert.

Bei den Assistenzsystemen hat sich Seat für den Arona breit aus den Konzernregalen bedient und zieht mit dem Ibiza gleich. Verfügbar sind unter anderem ein zuverlässig funktionierender adaptiver Tempomat, Auffahrwarner, Berg-Anfahrhilfe, eine Mulde zum induktiven Laden von Smartphones. Optional kommen unter anderem Totwinkelwarner und Einparkhilfe dazu.

Und da Seat mit dem Arona vor allem auf eine jüngere Kundschaft setzt, fahren die Spanier das Thema Konnektivität ganz groß. Apples CarPlay ist sehr einfach einzubinden und funktioniert einwandfrei. Unterm Strich ist das Navi des Smartphones sogar die bessere, weil informativere Wahl. Natürlich funktionieren auch Android Auto und Mirror Link. Die Darstellung ist auf der von Tastfeldern links und rechts eingerahmten, acht Zoll großen Touchscreen klar und deutlich.

Was die Preise betrifft, so gibt sich der Arona vergleichsweise bescheiden. Gegenüber einem vergleichbar ausgestatteten und motorisierten Ibiza verlangt Seat für den Basis-Arona mit 15.990 Euro einen Aufschlag von 750 Euro - gut angelegtes Geld. Konkurrenten wie der Renault Captur liegen auf gleichem Preisniveau oder sind wie der Opel Crossland X etwas teurer. Mit dem 115 PS starken, empfehlenswerten Diesel kostet der Arosa 21.920 Euro.

Das Segment der kompakten Crossover ist rund um den Arona mittlerweile ganz gut bestückt. Neben Captur und Crossland gehören auch Ford EcoSport, Suzuki Ignis, Citroen C3 Aircross, Peugeot 2008, Opel Mokka X, Fiat 500X und Nissan Juke dazu, demnächst auch der VW T-Roc.