| von Stefan Grundhoff

Das beste daran ist, dass der Seat Leon ST nicht nur klasse aussieht, sondern bei allem Designanspruch auch noch richtig praktisch ist. Noch vor ein paar Jahren hätte so vielleicht ein Audi A4 Avant oder ein BMW 3er Touring ausgesehen - innen wir außen. Doch diese Zeiten sind vorbei, denn bereits ein bis zwei Klassen darunter gibt es mit dem Nordspanier einen lässigen Familienkombi, der Herzen zum Schmelzen bringen kann. Dabei trägt der Seat Leon Gesicht, Front und Vorderwagen von seinem mehr als schicken Bruder mit Schrägheck. Und das ist einmal mehr ein Beweis dafür, dass es mit ein bis zwei Kindern nicht unbedingt ein SUV in der eigenen Garage sein muss. Die beliebten Crossover haben die Spanier mittlerweile ebenfalls im Angebot - und das sehr erfolgreich. Aber der Leon ST belegt, dass die Kombis ihre Berechtigung haben und sogar manchen SUV überflüssig machen.

Im Gegensatz zum normalen Seat Leon muss sich der ST nicht mit Premiumkonkurrenten von Audi, BMW oder Mercedes beschäftigen, die in dieser Klasse keine Kombis im Angebot haben. Zusätzliches Reisevolumen gibt es dort bei den SUV oder eben Wettbewerbern wie VW Golf Variant, Skoda Octavia Combi, Opel Astra Caravan oder Ford Focus Turnier. Technisch basiert der Seat Leon ST ebenso wie Golf, Octavia oder A3 auf dem modularen Querbaukasten und ist daher weitgehend mit den gleichen Motoren, Sicherheitsausstattungen oder Antriebsvarianten unterwegs. Das Volumenmodell dürfte der Seat Leon ST mit dem 1,5 Liter großen Turbovierzylinder des 1.5 eTSI sein, der 110 kW / 150 PS leistet und den Fronttriebler auf der Autobahn immerhin 221 km/h schnell macht.

Im Gegensatz zum 4,37 Meter langen Fünftürer ist der Kombi auf 4,64 Meter gewachsen und bietet mit 620 Litern deutlich mehr Laderaum als die 380 Liter der Schräghecklimousine. Mit zwei Handgriffen fallen die Rücksitze nach vorn und für 740 Euro Aufpreis lässt sich die Heckklappe elektrisch bedienen. Darauf sollte ebenso wie bei den SUVs niemand mehr verzichten. Im Innenraum sind Leon und Leon ST abgesehen von dem Plus an Laderaum identisch. Das gilt aufgrund des gleichermaßen 2,68 Meter langen Radstandes auch für die Beinfreiheit im Fond. Gut im Blick und einfacher zu bedienen ist das zehn Zoll große Infodisplay in der Mitte der Armaturentafel, wo sich die meisten Fahrzeugfunktionen mit etwas Eingewöhnung bestens bedienen lassen. Die Druckknöpfe von einst haben derweil ausgedient und die Funktionen für Sicht und Licht gibt es links über dem Knie. Das Platzangebot überzeugt dabei ebenso wie die beim FR-Modell wohl konturierten Sitze.

DSG ohne Allradantrieb

Die beste Wahl dürfte für die meisten Kunden der 1,5 Liter große Turbobenziner sein, der mit seinen vier Zylindern unter Last zwar kein Hörgenuss ist, ab im Teillastbetrieb auch über eine Zylinderabschaltung verfügt, die den Verbrauch reduziert. Die Kombiversion des Leon ST wiegt mit 1.411 Kilogramm gerade einmal 50 Kilogramm mehr als der deutlich kürzere Fünftürer. Wer mit weniger zufrieden ist, für den könnten auch die beiden Leon-Einstiegsvarianten mit 115 PS (2,0 TDI und 1.0 TSI) etwas sein. Besser geeignet und gerade auf den Kombi mit mehr Ladevolumen und Eigengewicht zugeschnitten sind allerdings der 150-PS-Diesel und für Personen mit weniger Laufleistung pro Jahr der Seat Leon ST 1.5 eTSI, der von 0 auf Tempo 100 in 8,7 Sekunden beschleunigt. Ab Tempo 160 / 170 wird es jedoch spürbar zäher, der Motor lauter und man wünscht sich ein paar Pferde mehr. Umso überraschender, dass es dann doch noch an die 220-km/h-Marke herangeht und schneller muss man mit dem Leon Kombi nicht unterwegs sein. Die Kunden, die sich neben dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe noch einen Allradantrieb wünschen, müssen zum größeren Seat Ateca greifen.

Der Normverbrauch des flotten Spanien-Lademeisters: 5,8 Liter Super. Mit seinem serienmäßigen Sportfahrwerk ist der Seat Leon ST 1.5 eTSI recht straff unterwegs und es ist fraglich, wie viele sich für die optionale variable Dämpferabstimmung entscheiden, die mehr Komfort bringt. Dafür, dass genügend Restkomfort vorhanden ist, sorgt der 17-Zoll-Radsatz mit Reifen im Format 225/45. Besonders gefallen kann die Vorderachse, denn gerade im Vergleich zu seinem Vorgänger lenkt der Spanier präziser ein und kann sein Motorgewicht des 1,5 Liter großen Vierzylinders geschickt überspielen. Ideal im Hintergrund arbeitend: das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe, das einen keinen Gedanken daran verschwenden lässt, jemals wieder manuell Gänge einlegen zu wollen.

Positiv fallen Komfort- und Sicherheitsausstattung des Seat Leon ins Gewicht, denn hier bietet der Spanier das Paket, das auch Audi A3, Skoda Octavia oder der VW Golf VIII bieten. So gibt es unter anderem Assistenten für Notbremsung, Abstand, Spurhalten oder Tempo. Das Warnlicht des Totwinkel-Assistenten ist dabei einfallsreich unsichtbar in der Lichtleiste der Ambiente-Beleuchtung untergebracht und blinkt gelb, wenn Gefahr von hinten droht. Der mäßig ausgestattete Seat Leon ST 1.5 eTSI in der FR-Variante kostet mit 30.350 Euro 1.300 mehr als das Schrägheckmodell. Mit sinnvollen Extras wie LED-Licht, Ladebox für das Smartphone, Alarmanlage und Fahrerassistenzpaket liegt man schnell bei knapp 35.000 Euro.

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