Aus dem einstmals zwanglosen Treffen der GTI-Fans am Wörthersee in Österreich hat sich längst so etwas wie einer hochoffziellen Hausmesse des Volkswagen-Konzerns entwickelt. Längst geht es nicht mehr nur um die GTI-Modelle der Wolfsburger, um Fachsimpelei und Selbstdarstellung der Fans. So ziemlich alle “bezahlbaren” Pkw-Marken des Konzerns zieht es mittlerweile an Christi Himmelfahrt nach Kärnten, die Stände und Pavillons der einzelnen Marken haben fast die Ausmaße und das Niveau der Aufbauten auf Messen wie dem Genfer Salon oder der AMI in Leipzig erreicht. Und wie zu den Messen produzieren die VW-Marken längst schon Concept-Cars eigens für das GTI-Treffen.

Drei Motoren und zwei Flügeltüren

Volkswagen selbst reist schon traditionell mit einer besonders starken GTI-Version an den See. Zum 40. Geburtstag des Volks-Sportlers debütiert diesmal der Golf GTI Clubsport mit 195 kW/265 PS. Das sind 35 PS mehr als der Golf GTI Performance. Per Boost-Funktion liefert der Motor kurzfristig noch einmal zehn Prozent mehr Leistung. Stärker war ein Golf GTI noch nie. Daneben gibt es ein paar Veränderungen am Design: Neue Stoßfänger vorne, neue Seitenschweller, ein neuer Dachkantenspoiler und ein eigens entwickelter Heckdiffusor. VW verspricht “atemberaubende Kurvengeschwindigkeiten”.

Spektakulärstes Modell auf dem VW-Stand: der VW Golf GTE Sport. Der Flügeltürer sieht nicht nur rasant aus – er liefert auch jede Menge Leistung. Insgesamt drei Motoren, vereinigt zu einem Plug-In-Hybrid liefern eine Systemleistung von 295 kW/400 PS an alle vier Räder. Innen lässt sich auf dem neuen Rennsportcockpit unter anderem die Ideallinie anzeigen. Auf Knopfdruck kann die weitgehend aus Karbon gefertigte Studie bis zu 50 Kilometer rein elektrisch zurücklegen.

Pickup in Handarbeit

Vorne im Motorraum arbeitet der aus dem VW Polo R WRC adaptierte 1,6-Liter-TSI mit 220 kW/299 PS. Die beiden unterstützenden Elektromotoren vorne im Gehäuse der 6-Gang-Direktschaltung und im Heck liefern jeweils 85 kW/115 PS. Das Gesamtdrehmoment des Antriebssystems beträgt 670 Nm. Der Lohn der Mühe: eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h und ein Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,3 Sekunden. Den Verbrauch der Studie gibt VW dank des Hybridsystems mit zwei Litern auf 100 Kilometern an.

Eigens für das GTI-Treffen haben auch 23 Azubis der tschechischen VW-Tochter Skoda den FUNstar auf die Breitreifen gestellt. Schon im vergangenen Jahr waren sie mit einer Eigenkreation dabei, einem zum flotten Cabrio aufgeschnittenen Skoda Citigo. Diesmal stand ein spaciger Kombi auf der Pojektliste. Seit November 2014 haben die zwei jungen Frauen und 21 jungen Männer an ihrem frechen Concept-Car gearbeitet – von der Ideenfindung über die Planung, die Vorstandspräsentation bis zur perfekt handgearbeiteten Fahrzeugstudie. Basis für den FUNstar war der neue Serien-Fabia. Der wurde von Grund auf umgemodelt: Zweilinsen-Shceinwerfer und LED-Leuchten für Tagfahrlicht und Rückleuchten, Leuchtstreifen ringsum, eigenes Farbkonzept und natürlich eie mit robusten Metallplatten ausgelegte Ladefläche. Unter der Haube arbeitet ein 1,2-Liter-TSI-Benziner mit 90 kW/122 PS, für die Übermittlung der Kraft auf die Straße sorgt ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Ein Soundsystem mit satten 1.400 Watt sorgt für das akustische Gegengewicht zum Motor. Fahrfertig ist das Ganze auch noch.

Spannung bei Audi – mit 48 Volt

Neben dem Azubi-Einzelstück haben die Tschechen auch sonst reichlich spektakuläre Sportmodelle aus Mladá Boleslav mitgebracht. So ist in Reifnitz zum ersten Mal der Rallye-Fabia R5 abseits der Rennstrecke zu sehen – und zu erleben. Wer sich traut, kann zu einer Mitfahrt in dem Rallye-Racer auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Außerdem auf dem Skoda-Stand: Das Showcar Fabia RS Combi, der Octavia Combi RS 230 mit 169 kW/230 PS und 247 km/h Spitze sowie der Skoda Fabia mit dem Designpaket Red & Grey Plus. “Rennsport liegt in den Genen unserer Marke”, sagt Skoda-Chef Winfried Vahland. “Seit 114 Jahren ist Skoda auf den internationalen Rennstrecken zuhause.”

Audi sorgt für Spannung auf seinem Wörthersee-Stand. Die rassige Technikstudie Audi TT Clubsport Turbo kommt nicht nur mit dicken Kotflügeln und üppigem Leitwerk, sondern auch mit einem Fünfzylinder, dem zwei Turbolader zusätzlich Dampf machen – einer davon wird elektrisch angetrieben. Vorteile soll das vor allem bei niedrigen Drehzahlen bringen – ein Turboloch gibt es praktisch nicht mehr, dafür Schub ab Standgas. Seinen Strom zieht der eTurbo aus dem 48-Volt-Teilbordnetz. Die Leistungsausbeute ist entsprechend: satte 600 PS sorgen dafür, dass der Spurt des 1.396 Kilogramm leichten TT aus dem Stand auf Tempo 100 gerade mal 3,6 Sekunden dauert und erst bei 310 hm/h Schluss ist mit dem Vortrieb. Das maximale Drehmoment soll bei 650 Nm liegen. Für den höchst adäquaten Sound sorgt ein Renn-Schalldämpfer samt Sidepipe.